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Grosses Tennis: Fesselnde Sporterlebnisse dank Echtzeitdaten

Shawn Krest Writer, Movable Media

Von smarter Kameratechnik bis zu Künstlicher Intelligenz – neue Technologien erobern den Tennis-Court und liefern Zuschauern faszinierende Einblicke.

Große Tennisturniere wie das US Open begeistern jedes Jahr Millionen von Zuschauern live, vor dem Bildschirm und immer mehr auch über Mobile Apps. Neue digitale Technik kommt aber nicht nur bei der Übertragung, sondern zunehmend auch auf dem Platz selbst ins Spiel. Neben maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz sorgt auch innovative Videotechnik für immer neue Einblicke, die die Leidenschaft der Fans weiter ankurbeln.

Beim letztjährigen US Open-Turnier im New Yorker Stadtteil Queens wurden 36 Kameras an unterschiedlichen Stellen im Stadion installiert. Diese fingen mit Hilfe von  Intels Voya-Axis-360-Grad-Replay-Technik beeindruckende 360-Grad-Aufnahmen in Echtzeit ein. Eine Technik, die der US-Sportkanal ESPN bisher als erster Sender bei großen Tennisturnieren eingesetzt hat.

tennis mit Echtzeitdaten

Während des weltbekannten Wettkampfs werden über zwei Wochen parallel Matches auf 19 Plätzen ausgetragen. Diese werden aber nicht nur für das Publikum in die ganze Welt übertragen. Zusätzliche Digitalkameras zeichnen jedes Spiel auf und halten Punkte, Satzergebnisse und sogar die Aufschlagsgeschwindigkeit auf, mit der die Spieler den Ball treffen. Diese werden von Computern analysiert, woraus sich spannende Echtzeitdaten und Statistiken für die Zuschauer ergeben. Auch die Spieler erhalten damit neue Einblicke, die ihnen im Zweifel sogar dazu dienen, falsche Entscheidungen anzufechten.

Beim Tennis wird seit vielen Jahren digitale Technik eingesetzt.
Beim Tennis wird seit vielen Jahren digitale Technik eingesetzt.

„Das US-Open-Turnier ist das meistbesuchte Sportereignis der Welt“, erläutert Nicole Jeter West, die früher Managing Director of Digital Strategy der US Tennis Association (USTA) war. „Für die meisten Tennisfans ist das Turnier jedoch nur zwei Wochen lang von Bedeutung“, fügt sie hinzu. „Damit Fans das Maximum aus diesem Turnier herausholen können, müssen wir ihnen zuverlässige und bedeutungsvolle Einblicke liefern.“

ibm watson als gegner

Daten sind laut Noah Syken von IBM das Herzstück des digitalen Sportereignisses. IBM unterstützt die USTA bereits seit Jahrzehnten dabei, Tennisfans mit Hilfe von innovativer Technik näher an große Turniere wie Wimbledon und die US Open heranzuführen. Die digitale Unterstützung wuchs im Laufe der Jahre vom reinen IT-Support über die Einführung von SlamTracker-Live-Ergebnissen bis hin zu Echtzeitinformationen für die sozialen Medien und der Nutzung von IBMs Watson für voraussagende Turnieranalysen.

Bei den US Open wurden dieses Jahr modernste Datenanalysen eingesetzt.
Bei den US Open wurden dieses Jahr modernste Datenanalysen eingesetzt.

Aufgrund seiner Fähigkeit, gewaltige unstrukturierte Datenmengen zu analysieren, gelang es Watson in der Vergangenheit, einige der größten Jeopardy!-Champions aller Zeiten zu schlagen. Dank seiner kognitiven Rechenleistung sei die Künstliche Intelligenz (KI) in der Lage, das Verhalten von Spielern sogar bei Pressekonferenzen zu interpretieren, erklärt Syken. Sie erfasst, wie sich die Denkweise eines Spielers im Laufe der Jahre verändert. „Wird der Umgang eines Spielers mit der Presse positiver? Ist seine Einstellung zu seinen sportlichen Leistungen negativer? Was wird auf dem Platz passieren?“ Die Analyse solcher Fragen ist sowohl für die Spieler als auch für die Fans durchaus interessant.

Zwei Ballwechsel vorausdenken

Gute Tennisspieler sind in der Lage, mehrere Ballwechsel im Voraus zu visualisieren, etwa wenn sie den Siegestreffer vorbereiten, indem sie lange Volleys über den Platz spielen. Dank IBMs Watson werden die US Open schon bald imstande sein, ähnliche Prognosen für die sozialen Medien zu entwickeln. Während Dienste wie Twitter aktuelle Trends aufzeigen, kann Watson diese dank seiner kognitiven Fähigkeiten noch frühzeitiger voraussagen. Dies verschafft dem Social-Media-Team der US Open die Möglichkeit, ihren Postings mehr Dynamik zu verleihen oder sie mit Informationen zu füttern, so dass das Interesse der Fans zum richtigen Zeitpunkt den Höhepunkt erreicht.

Jede Ballbewegung während des Spiels wird von Tracking-Kameras erfasst.
Jede Ballbewegung während des Spiels wird von Tracking-Kameras erfasst.

Watson wurde im vergangenen Juni beim Wimbledon-Turnier erstmals zu diesem Zweck eingesetzt. Mit seiner Unterstützung konnte das Kommunikationsteam „nicht nur Trends erkennen und darauf reagieren, sondern sie sogar voraussehen“, erklärt Alexandra Willis, Wimbledons Head of Communications. „Wir hoffen, dass uns dies dabei hilft, zwar nicht unbedingt immer die Ersten zu sein, aber mit Sicherheit bereits früh in die Konversation einzusteigen, wenn wichtige Dinge passieren.“ Auch im programmatischen Werbebereich würde damit begonnen, Watson einzusetzen“, fügt Syken hinzu. „Die Veranstalter von Sport-Ereignissen wie den US Open sollten in der Lage sein, dank kognitiver Systeme bedeutsamere Mitteilungen für die Fans zu liefern.“

echtzeitdaten für Publikum und moderatoren

Kognitives Computing wird auch vom Geschehen auf dem Tennisplatz digitale Daten sammeln. Bereits seit einigen Jahren wird bei den US Open das IBM-Datenanalyse-Tool SlamTracker eingesetzt. Es bietet Fans ein einfach abzulesendes Dashboard, das die auf allen 19 Plätzen ausgetragenen Spiele in Echtzeit anzeigt. Darüber hinaus beliefert das Tool auch das Medienteam mit interessanten Spielerstatistiken, etwa wann und wo der schnellste Aufschlag des Jahres stattfand oder wann ein Spieler einen wichtigen Meilenstein in seiner Karriere erreichen wird. „So können Kommentatoren durch einen Blick auf SlamTracker smartere Informationen liefern“, erklärte West.

Watson verarbeitet die Tennisdaten und setzt sie zueinander in Bezug. Über 41 Millionen Datenpunkte vergangener US-Open-Spiele helfen Watson dabei vorherzusehen, welche Strategien in demnächst stattfindenden Spielen am besten funktionieren werden. Diese Informationen werden wiederum für eine beliebte Analysefunktion von SlamTracker, die Three Keys to the Match, verwendet. Watson und SlamTracker können auf Basis der Daten früherer Matches für jeden Spieler die drei Schlüsselfaktoren („Keys“) ermitteln, die ihm den Weg zum Erfolg ebnen. Auch Spieler und Trainer können in Zukunft strategische Ratschläge von Watson erhalten – eine Möglichkeit, die beispielsweise Serena Williams vor kurzem in einem Gespräch mit IBM in Betracht zog.

Den Ball im Auge behalten

In der Vergangenheit leistete Computertechnik einen wichtigen Beitrag, um die Spielleitung im Tennis zu revolutionieren. Bei den US Open werden zum Beispiel seit zehn Jahren Hawk-Eye-Kameras – ein computergestütztes System zur Ballverfolgung – eingesetzt, um Linienentscheidungen zu automatisieren. Zuvor mussten menschliche Linienrichter in Echtzeit entscheiden, ob sich ein Ball noch innerhalb des Spielfelds befand oder bereits im Aus war, was einige legendäre Wutanfälle von Spielern zur Folge hatte. Hawk-Eye kann den Ballverlauf millimetergenau verfolgen und den Schiedsrichtern die Verantwortung für objektive Entscheidungen abnehmen.

Das System wurde ursprünglich dazu entwickelt, zu beurteilen, wie gut das Urteilsvermögen von Wettkampfrichtern bei knappen Entscheidungen war. „Wir fanden schnell heraus, dass ein Schiedsrichter, der sich als Chair Umpire in der Mitte des Spielfelds befand, den schlechtesten Platz hatte“, sagte Firmengründer Paul Hawkins. „Die Zuschauer zu Hause hatten deutlich mehr Informationen.“

kameras als hochpräzise linienrichter

Nach einigen umstrittenen Entscheidungen in hochkarätigen Matches erhielt Hawk-Eye die Chance, direkt auf dem Tennisplatz Entscheidungen zu treffen – vorausgesetzt, das System konnte beweisen, dass es präzise arbeitete. Als Zielvorgabe für diese Präzision wurde eine durchschnittliche Abweichung von maximal fünf Millimetern festgelegt. Hawk-Eye erzielte 3,6 mm und wurde anschließend für die meisten großen Tennisturniere eingeführt.

Im Laufe der letzten zehn Jahre hat Hawk-Eye seinen Einfluss auf andere Spielbereiche ausgeweitet. Heute helfen Replay-Kameras der Spielleitung bei der Beurteilung von Fußfehlern und anderen linienbezogenen Entscheidungen. Die nächste Stufe haben wir bei den letztjährigen US Open zu sehen bekommen: Kameras verfolgten die Position der Spieler und des Balls während der Matches in Echtzeit und lieferten darauf basierende Statistiken.

big data auf dem tennisplatz

IBM und Hawk-Eye arbeiten gemeinsam daran, die Bewegungen auf dem Tennisplatz während der gesamten Spiele zu überwachen. Während Hawk-Eye Informationen vom Spielfeld nutzt, um die SMART-Kameras zu positionieren, sammelt IBM Daten und setzt sie für Analysen ein. „Mit den Spieler- und Ball-Trackingdaten können wir statistisch festhalten, wie sich der Ball über das Spiel hinweg bewegt, was passiert, wenn er aufschlägt und wie sich die Spieler bewegen“, sagt Elizabeth O’Brien von IBM.

SlamTracker, Hawk-Eye und Datenanalysen liefern Tennisfans bereits seit Jahren ein intensiveres Sporterlebnis. Der Unterschied in diesem Jahr besteht darin, dass alle technischen Komponenten zusammenspielen. Fans, die auf ein automatisches Hawk-Eye-Replay reagieren, füttern den Datenstrom, den Watson analysiert. Dies ermöglicht wiederum, die Übertragung darauf abzustimmen, wie das Publikum die aktuelle Übertragung bewertet. All diese Faktoren werden dabei helfen, Menschen auf der ganzen Welt die US Open als spannendes und fortschrittliches Sporterlebnis nahezubringen.

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