Hightech-Welle: Smarte Schiffe stechen in See

Um junge Urlauber an Bord zu locken, setzt die Kreuzfahrtindustrie auf smarte Schiffe mit zahlreichen technischen Innovationen.

Das Klischee, Kreuzfahrtreisen seien nur etwas für Rentner und Großeltern, hält sich hartnäckig. Allerdings entspricht es nicht länger den Tatsachen, denn auch immer mehr junge Menschen zieht es aufs Meer. Laut einer Studie der Cruise Lines International Association (CLIA) gaben 39 Prozent an, Kreuzfahrten seien für sie die beste Art Urlaub zu machen. Damit ist diese Option für sie attraktiver als Ferien an Land, All-inclusive-Ressorts, Rundreisen, Ferienhäuser oder auch Campingurlaube.

Allerdings wollen junge Reisende, die ihr Geld lieber für eindrucksvolle Erlebnisse als für materielle Güter ausgeben, auch auf hoher See ihre Endgeräte in gewohnter Weise nutzen können. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, sich an Bord mit ihrer Hilfe orientieren zu können. Denn die Navigation auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff ist alles andere als einfach. Auf dem Ozeanriesen MSC Meraviglia etwa sind die Kabinen, Restaurants und Unterhaltungsbereiche auf ganze 19 Decks verteilt. Zwischen Bug und Heck misst das Schiff 315 Meter, was in etwa der Länge von drei Fußballfeldern entspricht.

Eine App für alle Fälle

Um den Ansprüchen eines technikaffinen Publikums gerecht zu werden, rüsten immer mehr Kreuzfahrtgesellschaften ihre Schiffe mit neuester Technologie auf. Die MSC Meraviglia zum Beispiel wurde mit über 4.000 Sensoren ausgestattet. So können Passagiere auf ihr entweder über ihr eigenes mobiles Endgerät oder aber mit Hilfe eines intelligenten Armbands sowie verteilten Bildschirmen genau sehen, wo sie sich gerade befinden und wie sie am besten zu ihrem Ziel gelangen. Über die App „MSC for Me“ lassen sich zudem beispielsweise die Aktivitäten des Tages abrufen, ein Tisch im Bordrestaurant reservieren oder Einkäufe in einem der Dutyfree Shops bezahlen.

Kreuzfahrtschiff in Hafen
Eine App hilft den Passagieren der MSC Meraviglia, sich auf dem über 300 Meter langen Kreuzfahrtschiff zurechtzufinden. Das Foto wurde mit freundlicher Genehmigung von MSC Cruises zur Verfügung gestellt.

Sogar bei der Suche nach Personen kann die App helfen, zumindest wenn diese ein entsprechendes Armband trägt. „Mein Sohn hat kein eigenes Gerät“, sagt Luca Biondolillo, Chief Communications Officer bei der Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises, zu der auch die Meraviglia gehört. Mit Hilfe der App könne er seinen Sprössling jedoch jederzeit schnell finden, egal ob er sich nun gerade im Lego-Spielraum oder in einem der vier Swimmingpools aufhalte.

Neues Kapitel in der Seefahrt eingeläutet

Luca Pronzati, Chief Business Innovation Officer bei MSC Cruises, sagt: „Wir schlagen ein völlig neues Kapital auf. Gäste können jederzeit in jedem Bereich des Schiffs Informationen abrufen oder beliebige Dienstleistungen buchen“. Dazu gehöre auch, dass die Passagiere angebotene Landausflüge entweder direkt über den Fernseher in ihrer Kabine oder aber bei den mit Tablets ausgestatteten Crewmitgliedern buchen können.

MSC Meraviglia
Die Galeriedecke der MSC Meraviglia verfügt über das größte LED-Himmelsgewölbe, das zurzeit auf den Weltmeeren zu finden ist. Das Foto wurde mit freundlicher Genehmigung von MSC Cruises zur Verfügung gestellt.

Weitere technische Spielereien an Bord der Meraviglia umfassen einen Entertainment-Bereich mit Formel-1-Simulatoren mit Virtual-Reality-Technik, ein 4D-Kino und eine Innenpromenade, an deren Decke der zurzeit weltweit größte LED-Himmel auf See einen kontinuierlich wechselnden digitalen Nachthimmel zeigt. Zwar geht die technische Ausstattung des Ozeanriesens damit bereits weit über die Ausstattung typischer Kreuzfahrtschiffe hinaus, Pronzati zufolge soll dies aber erst der Anfang sein.

Einsatz von künstlicher Intelligenz und virtueller Realität in Planung

„Wir werden das Gesamterlebnis mit Hilfe von Maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz persönlicher und individueller gestalten können und in Zukunft jedem Gast genau die Informationen bieten, die am jeweiligen Standort und zum jeweiligen Zeitpunkt die höchste Relevanz haben“, sagt der Chief Business Innovation Officer. Dazu gehöre beispielsweise auch eine Gesichtserkennungstechnik, die gerade in Arbeit ist. Sie soll den Crewmitgliedern helfen, Passagiere zu identifizieren, so dass sie diese mit ihrem Namen sowie in ihrer Muttersprache ansprechen können und über ihre Interessen Bescheid wissen.

Smarte Schiffe
Immer mehr jüngere, technisch bewanderte Personen finden Reisen auf intelligenten Schiffe äußerst attraktiv. Das Foto wurde mit freundlicher Genehmigung von MSC Cruises zur Verfügung gestellt.

Da die Zeit in Häfen oft begrenzt ist, soll zudem Virtual-Reality-Technik schon bald eine größere Rolle spielen. „Oft müssen die Gäste die Sehenswürdigkeiten in Windeseile besuchen und die wertvolle Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, bestmöglich nutzen“, erklärt Pronzati. Die Technik könne ihnen dabei helfen, sich mit den Destinationen intensiver zu befassen und mehr über die besuchten Orte zu erfahren. Und genau darum ginge es doch schließlich bei einer Kreuzfahrt: Neue Erfahrungen sammeln und Erlebnisse bestmöglich genießen. Das Alter sei dabei letztlich vollkommnen egal.

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