Gesundheit

HIV-Impfung: Forscher machen Zellen resistent gegen AIDS-Erreger

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Eine neue Gentherapie verhindert, dass HIV in gesunde Zellen eindringt. Dies soll ein vollständig resistentes Immunsystem ermöglichen.

„HIV lässt sich zwar behandeln, aber nicht heilen – und verursacht daher immer noch viel Leid“, sagt Dr. Joseph Alvarnas vom medizinischen Forschungszentrum City of Hope. Während einige Therapieansätze zur Bekämpfung des HI-Virus im menschlichen Körper Hoffnung machen, endeten Versuche zur Entwicklung einer Impfung bislang stets erfolglos. Doch nun haben Forscher vom Scripps Research Institute und City of Hope eine Methode entwickelt, um Immunzellen HIV-resistent zu machen. Das verhindert, dass das Virus in die krankheitsbekämpfenden Zellen eindringt, sie zur Vermehrung nutzt – und dabei abtötet.

Dazu bauten die Wissenschaftler ein neues Gen in Kulturen menschlicher Stammzellen ein und regten sie so dazu an, eine veränderte Form von Antikörpern zu produzieren. Diese binden sich an die Oberfläche von Immunzellen und blockieren dort die CD4-Rezeptoren, die das HI-Virus zum Andocken braucht. Nach Injektion der resistenten Zellen in den menschlichen Organismus, sollen sie sich vermehren und dadurch schrittweise die ungeschützten Immunzellen ersetzen, die durch Virenangriffe sterben. In Laborversuchen gelang es damit bereits, Zellkulturen gegen HIV zu immunisieren. „Dies ist tatsächlich eine Art Impfung für Zellen“, erklärt Dr. Richard Lerner vom Scripps Research Institute.

Neue Methode befreit HIV-Patienten von Nebenwirkungen

Der entscheidende Vorteil der neuen Methode gegenüber regulären Behandlungsverfahren ist die feste Verankerung von Antikörpern. Normalerweise schwimmen diese in relativ geringer Konzentration durch den Blutstrom, bis sie auf einen körperfremden Stoff treffen, den sie zusammen mit den Immunzellen bekämpfen. Die Antikörper direkt auf Letzteren zu binden, macht die Abwehr von HIV viel effektiver, weil es dessen Verbreitungswege blockiert. Damit verfügt die neue Methode laut Lerner über das Potenzial, Patienten vollständig zu heilen.

Durch die Blockade von Rezeptoren kann HIV nicht in Immunzellen eindringen.
Durch die Blockade von Rezeptoren kann HIV nicht in Immunzellen eindringen.

Zunächst müssen die Wissenschaftler jedoch ihre Therapie den staatlichen Vorgaben entsprechend auf Sicherheit und Effizienz testen. Erst danach wird es möglich sein, die Wirksamkeit in den kommenden Jahren mittels klinischer Studien zu überprüfen. Momentan verfügbare Behandlungsverfahren unterdrücken das Virus zwar so weit, dass es sich nicht mehr im Blut nachweisen lässt und dadurch ein relativ normales Leben möglich ist. Doch bleiben die Patienten für immer auf teure Medikamente angewiesen, die viele Nebenwirkungen haben können. Funktioniert hingegen die neue Methode, könnte sich in Zukunft die Krankheitsursache beseitigen lassen, statt weiterhin nur die Symptome zu lindern.

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