Die Zukunft der Wearables

HoloLens: Augmented Reality macht Sportfernsehen zum 3D-Erlebnis

Hans-Martin Durst Autor, Hemd & Hoodie

Nicht nur das 50. Jubiläum machte den Super Bowl am vergangenen Sonntag zu einem besonderen Ereignis. Durch “CBS Eye Vision powered by Intel” wurde den Zuschauern die beeindruckende Möglichkeit geboten, entscheidende Spielszenen in der Wiederholung dank eines 360-Grad-Rundumblicks aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Grundlage dafür waren 36 über das Stadionrund verteilte 5K-Kameras, die alle mit eigenen Intel Xeon-Servern verbunden waren, um die großen Datenmengen sekundenschnell verarbeiten zu können. Die so entstandenen Sequenzen mit Bullet-Time-Effekt, der durch den Blockbuster Matrix Popularität erlangte, waren sowohl im Fernsehen als auch auf den Stadion-Leinwänden zu sehen.

Einen ähnlichen Ansatz wie Intel, bei dem Zuschauern Sportereignisse in einer bislang nicht dagewesenen Form präsentiert werden, verfolgt momentan auch Microsoft mit seiner Datenbrille HoloLens. Wie genau die Zukunft des Sportfernsehens in Verbindung mit der dreidimensionalen Hologramm-Technik aussehen könnte, zeigte der Windows-Hersteller anlässlich der Football-Meisterschaft in einem Demo-Video. Zum einen hebt die Augmented-Reality-Brille die Beschränkung des Fernseherbilds auf und macht die gesamte Wand zum Bildschirm. Zum anderen können die Nutzer sich bewegte 3D-Hologramme von Stadion, Spielfeld oder spielentscheidenden Momenten auf dem Couchtisch oder anderen Flächen anzeigen lassen. Perspektivwechsel und Navigation erfolgen dabei per Gestensteuerung. Besonders eindrucksvoll wirkt dabei die Möglichkeit, sich lebensgroße 3D-Hologramme von Spielern neben den Fernseher zu holen, da sie spektakulär durch die Wand brechen, um ins Wohnzimmer zu gelangen.

Plötzlich steht der Lieblingsspieler im Wohnzimmer

Interaktivität durch Einbindung eines Computerspiels

„Das sieht schon sehr lebensecht aus, wenn sie direkt in deinem Wohnzimmer stehen“, meint Drew Brees, Quarterback der New Orleans Saints. Anhand dieser Abbilder lassen sich nicht nur Würfe und andere Bewegungen genauer analysieren, die Fans können auch direkt neben ihren Idolen stehen und sich mit diesen vergleichen. Damit die HoloLens-Nutzer dabei nicht den Überblick über das Spiel verlieren, können sie sich jederzeit die Statistiken anzeigen lassen.

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Interaktiv wird der Fernsehabend durch Einbindung des beliebten Computerspiels Fantasy Football, bei dem die Spieler Punkte auf Basis der Leistung der realen Sportler erhalten. Während die Zuschauer das Geschehen des echten Football-Spiels verfolgen, können sie nebenbei den Punktestand ihrer virtuellen Mannschaft überprüfen. Neben Fantasy Football dürften künftig auch Dienste wie Twitter integriert werden, wodurch der Blick aufs Smartphone überflüssig würde.

“Mixed Reality” statt geschlossene Datenbrille

Realisierung der meisten Ideen soll schon bald erfolgen

Während sich der Bildschirm des Gadgets durch die halbtransparente HoloLens-Brille nebenbei ablesen lässt, ist das bei geschlossenen Augmented-Reality-Systemen nicht möglich. Ein Beispiel für Letzteres ist die Datenbrille von NextVR, die auf das Konzept der Immersion setzt und dem Zuschauer den Eindruck vermitteln will, direkt am Spielfeldrand zu sitzen. Den Ansatz von Microsoft hingegen bezeichnet Yusuf Mehdi, Corporate Vice President der Windows and Devices Group, als „mixed reality“.

SpielaufTisch

Die Entwickler-Version der HoloLens kommt zwar bereits in diesem Quartal auf den Markt, ist mit einem Preis von rund 3.000 US-Dollar (circa 2.700 Euro) allerdings recht teuer. Laut Microsoft soll die Brille jedoch schon bald auch für normale Konsumenten erschwinglich werden. Ob diese dann mit ihren neuen Geräten die Möglichkeit haben werden, hollogrammgestützte Sportübertragungen zu sehen, hängt in großem Maße davon ab, ob die NFL und Microsoft im Zuge ihrer Zusammenarbeit weitere Stadien mit der nötigen 3D-Kameratechnik ausrüsten.

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Mit den heute verfügbaren technischen Möglichkeiten ist es jedenfalls möglich, die meisten Ideen von Microsoft in die Realität umzusetzen. Deshalb betont Mike Nichols, Corporate Vice President und CMO von Xbox, dass die HoloLens-Vision „eher früher als später“ verwirklicht wird. Auch Brian Rolapp, Executive Vice President of Media der NFL, zeigt sich zuversichtlich: „Die Frage ist nicht ob, sondern wann“.

Cover-foto & Gif: Microsoft – HoloLens
Bild 1: Microsoft – HoloLens (Montage)
Bild 2: Youtube – Microsoft (Screenshot)

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