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Hotel lockt mit neuer Bezahl-Währung: dem sozialen Netzwerk

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Wer seinen Account bei Facebook schon eine Weile hat, wird sich vermutlich an die sogenannten “Like Gates” erinnern. Damit wurden User von Seitenbetreibern dazu aufgefordert, Follower der Fanpage zu werden, wenn sie deren Apps nutzen wollten. Meist handelte es sich dabei um Gewinnspiele oder andere Aktionen, bei denen der User für sein Like einen gewissen Gegenwert erhielt. Dieser Tauschhandel ist vor kurzem von Facebook untersagt worden, funktioniert aber nach ähnlichem Prinzip auch außerhalb des „Walled Gardens“ des sozialen Netzwerks.

Ein gutes Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist die „Digital Brillengläser“-Kampagne von Zeiss: Blogger wurden eingeladen, über ein Produkt des Unternehmens zu schreiben, twittern, posten – und durften dafür selbiges behalten. Dass hier vermutlich eher jene ins Auge gefasst wurden, die man zu den sogenannten Alpha-Bloggern zählen darf, kann angenommen werden und wäre aus marketingstrategischen Gesichtspunkten nachvollziehbar. Während die genannten Beispiele nun aber gemein haben, dass es sich um punktuelle Aktionen handelt, macht eine Hotelkette aus Schweden ein permanentes Geschäft daraus. Ihr Slogan lautet „Dein soziales Netzwerk als Währung.“

Biete: Übernachtung gegen Posting

Beim Ein- und Auschecken muss ein Posting veröffentlicht werden

Und so sieht der Deal aus: Wer im nordic Light hotel in Stockholm eincheckt, erhält einen Discount auf den Zimmer-Preis, wenn er auf Facebook oder Instagram die Werbetrommel für die Herberge rührt. Dabei variiert die Vergünstigung zwischen fünf Prozent und völlig kostenfrei – je nach Größe der eigenen Community. Die Anforderungen sind für alle Besucher gleich. Für Facebook gilt: Beim Ein- und Auschecken muss ein Posting veröffentlicht werden, auf dem man sich jeweils selbst taggt und in dem die Website mit Link sowie die Fanpage erwähnt werden. Letztere muss zusätzlich dazu noch gelikt werden.

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Für Instagram sehen die Anforderungen ähnlich aus: Obligatorisch ist auch hier ein Posting beim Ein- und Auschecken, in dem aber das Nordic Light hotel getaggt werden und das einen entsprechenden Hashtag enthalten muss. Erscheinen auf einem der beiden Networks diese Posts nicht, ist der Deal geplatzt und der volle Preis für die Übernachtungen wird fällig. Wer sich also für besonders schlau hält und etwa an den Privacy-Einstellungen seines Accounts rumspielt, dürfte am Ende in die Röhre gucken.

Je mehr Freunde, desto höher der Rabatt

Bei sieben Nächten pro Jahr ist Schluss, wer länger bleiben möchte, muss mit dem schnöden Mammon löhnen

Bei der Reservierung eines Standardzimmers – nur solche sind in diesem Angebot enthalten –, muss man dann nicht nur seine Kontaktdaten, sondern auch einen verlässlichen Beleg für die Größe der eigenen Fan- und Followerschaft vorlegen. Und an deren Zahl orientiert sich dann auch die oben erwähnte Discount-Spanne, die einem zuteil wird und bei fünf, zehn, fünfzehn oder hundert Prozent liegen kann.

preisliste

Wie man an der letzten Position in der Facebook-Spalte sehen kann (100 Prozent Discount für 100.000 Fans oder mehr), können offenbar auch Fanpage-Betreiber in Genuss der Vergünstigung kommen. Das gilt aber ausdrücklich nicht für Produkt-, Community- und Unternehmensseiten. Und noch eine Einschränkung gibt es: Bei sieben Nächten pro Jahr ist Schluss, wer länger bleiben möchte, muss mit dem schnöden Mammon löhnen.

Über die Praxistauglichkeit solcher Angebote

Es dürfte also vor allem wieder auf Influencer zutreffen, was vermutlich auch genauso beabsichtigt ist

Neben der Trauer über den Tod des Gästebuchs und aller Freude über die progressive Adaption einer Möglichkeit, die Social Media bietet und die – wie oben an Beispielen aufgezeigt – durchaus gang und gäbe ist, stellt sich eine entscheidende Frage: Wer kann ein solches Angebot eigentlich in Anspruch nehmen? Sieht man sich als Beispiel Facebook an, liegt die durchschnittliche Zahl der privaten Freunde dort, je nachdem welcher Studie man weniger misstraut, bei 342. Und damit deutlich unter den mindestens geforderten 500.

 

Framme i Stockholm nu :). 3 nätter i detta underbara hotellrum. #nordiclighthotel #stockholm

Ein von Isabelle (@issaa94) gepostetes Foto am

Für Otto-Normalurlauber dürften die Hürden insgesamt zu hoch und der Discount zu gering sein. Hinzu kommt die sperrige und umständliche Prozedur der Reservierung. Da wäre ein Check-In über eine eigene App oder ggf. über Foursquare deutlich entspannter. Dieser Mehr-Aufwand wurde aber nicht betrieben und der Verdacht liegt mehr als nahe, dass er nicht lohnt, weil man es nur auf einen überschaubaren Kreis von Influencern abgesehen hat. Aber die erhalten solche Angebote doch ohnehin schon. Von der Seite betrachtet, ist das Angebot des nordic Light hotel ein interessanter Ansatz, der sicherlich in elaborierterer Form einen Trend setzen könnte. In der jetzigen ist es wohl leider nicht mehr als ein Marketing-Gag.

 

Cover-Foto: Flickr – Nordic Lights Hotels

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