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iTunes: Robert Sikoryak verwandelt Nutzungsbedingungen in Graphic Novel

Levin Thiel Writer

Seit vielen Jahren kursiert im Netz ein Bilder-Witz, auf dem die Frage nach den häufigsten Lügen im Internet gestellt wird. Den „inoffiziellen“ ersten Platz nimmt dabei LOL ein, die Silbermedaille geht an „Ich habe die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen“. Letztere könnte aber schon bald den Platz auf dem Vize-Sieger-Podesttreppchen einbüßen – denn die nicht wenigen Besitzer von iGadgets wie iPhone, iPad und Co. bekommen die iTunes-AGB nun in einer besonders lesenswerten Form geliefert: als Graphic Novel.

Zu verdanken haben sie das dem US-amerikanischen Cartoonisten Robert Sikoryak. Dieser hat sich unter anderem mit seinen Illustrationen für das Magazin The New Yorker und der Adaption von literarischen Klassikern im Comic-Stil international einen Namen gemacht. Auf seinem Tumblr-Blog itunestandc (kurz für „itunes terms and conditions“) veröffentlicht er jetzt zudem täglich eine Seite der „gesamten, ungekürzten, Apple-Vertragsbedingungen“.

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Hommage an Comic-Ikonen

Steve Jobs als Hauptfigur der Graphic Novel

Auch wenn Steve Jobs vor über vier Jahren verstorben ist und Tim Cook seither den Konzern leitet – in den Geschichten Sikoryaks tritt der von vielen als Lichtgestalt verehrte Gründer des Unternehmens als Hauptfigur auf. Aktuell erklärt er – auf Seite 49, was in etwa dem Anfang der zweiten Hälfte der AGB entspricht – einer jungen Dame die Haftungsbegrenzungen von iTunes. Der Ärmsten steht vor allem bei Jobs Worten „iTunes behält sich das Recht vor, jederzeit diese Vereinbarung zu ändern und Ihre Nutzung des Dienstes neuen oder weiteren Vertragsbedingungen zu unterwerfen“ der Schreck ins Gesicht geschrieben…

Passend zu den jeweiligen Bedingungen tritt er dabei in Szenarien auf, die Sikoryak auf die Art vieler unterschiedlicher, stilbildender Cartoon-Ikonen zeichnet: darunter Will Eisner, der den Begriff „Graphic Novel“ in den späten 1970ern einführte; Rube Goldberg, nach dem die sprichwörtlich für unnötig komplizierte technische Lösungen stehende Rube-Goldberg-Maschine benannt ist; oder Hank Ketcham, der den älteren Semestern vor allem durch seine ComicserieDennis the Menace“ bekannt sein dürfte – jüngere Semester dürften hingegen eher die Verfilmung kennen. Wer sein Wissen des Genres selbst mal testen möchte, kann versuchen, die unterschiedlichen Stile und Meister zu erraten, ohne deren Namen am Ende der jeweiligen Episode zu lesen.

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So schön die Idee und vor allem die Umsetzung auch sind: Der Ansatz, sperrige oder schwer zu verdauende Inhalte mittels Comic zu vermitteln, ist so neu allerdings nicht. So hatte beispielsweise bereits 2007 die Stiftung hinter dem Anne-Frank-Hauses in Amsterdam zu Zeichnungen gegriffen, um in „Die Suche“ im Stil des „Tim und Struppi“-Schöpfers Hergé die Gräuel des Dritten Reichs zu vermitteln.

Bilder: itunestandc – Robert Sikoryak

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