Kameradrohnen: 8 Praxistipps für atemberaubende Luftaufnahmen

Mit ihnen kann selbst der längste Selfie-Stick nicht mehr mithalten: Kameradrohnen läuten die nächste technische Ära der Fotografie ein.

Die Beliebtheit von Kameradrohnen hat in den letzten Jahren immens zugenommen. Mittlerweile kann jeder Privatnutzer atemberaubende Luftbilder von professioneller Qualität machen. Solche Aufnahmen waren früher nur von einem Helikopter aus – und natürlich mit dem entsprechenden Budget möglich.

Drohnen ermöglichen es Hobbyfotografen, ihre kreativsten Ideen mit relativ wenig Aufwand zu verwirklichen. Mithilfe einer Fernbedienung lässt sich die Kamera durch die Luft navigieren und erfasst die Welt aus der Vogelperspektive. Wer sein unbemanntes Luftfahrzeug (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) jedoch mit auf Reisen nehmen will, sollte einige Punkte beachten: Wir haben acht praktische Tipps zusammengestellt, die von der Auswahl der Drohne bis hin zum richtigen Umgang mit den Akkus reichen.

1. Das richtige Modell

An erster Stelle steht die Auswahl des passenden Werkzeugs. Das Drohnenmodell sollte den jeweiligen Anforderungen sowie der Expertise eines Fotografen hinsichtlich Navigation und fotografisches Können entsprechen. Das vielseitige Angebot hält für jeden etwas bereit: von kleinen Drohnen zu erschwinglichen Preisen bis hin zu High-End-UAVs für professionelle Aufnahmen.

Kleinere Drohnen sind leichter und gut zu transportieren, also perfekt geeignet für anspruchsvolle, längere Ausflüge und Aufnahmen in entlegenen Gegenden. Modelle, die selbst in eine bereits vollgepackte Tasche passen, wie die DJI Spark oder die GoPro Karma sind ein Beispiel für kostengünstigere Optionen. Am anderen Ende des Spektrums stehen hochleistungsfähige UAVs wie beispielsweise die DJI Inspire 2 oder das Spitzenmodell Freefly Alta. Diese Kameradrohnen sind jedoch in relativ schweren Kisten verstaut, deren Transport immer einen gewissen Aufwand bedeutet.

Dafür erzeugen sie aber eine unübertroffene Bildqualität und bilden die stabilsten Geräte in diesem Bereich. Sie eignen sich vornehmlich für den Einsatz bei Ausflügen in der nahen Umgebung, an leicht zugänglichen Standorten oder wenn viele starke Helfer für das Tragen der Ausrüstung bereit stehen. Im Mittelfeld liegen die DJI Phantom 4 sowie die Yuneec Typhoon H. Letztere ist mit der Intel RealSense 3D-Kamera ausgerüstet und kann dadurch Hindernisse erkennen und ihnen ausweichen. Diese mittelgroßen, funktionsreichen Luftakrobaten können Reisende überall dorthin begleiten, wo sie mit einem Rucksack hinkommen.

2. ausreichend power

Es empfiehlt sich, gleich mehrere Akkus für eine Drohne mitzunehmen. Bereits mit einem lässt sich zwar schon ein großes Gebiet erkunden, aber es gibt nichts Schlimmeres als ein leerer Akku auf halbem Flug. Zusätzliche Stromquellen sorgen für ein ruhiges Gewissen und ermöglichen dem Fotografen, einen Flug zu verlängern, wenn es nötig ist. Auch wer Panoramafilme aufnehmen will, sollte auf genügend Reserve-Akkus achten.

Kameradrohnen gibt es inzwischen in allen möglichen Variationen.
Kameradrohnen gibt es inzwischen in allen möglichen Variationen. Bild: Chase Guttman

Beachtet werden muss auch, dass Lithium-Ionen-Akkus auf herkömmlichen Linienflügen nicht im Reisegepäck eingecheckt werden können. Lithium-Polymer (LiPo)-Akkus sollten vollständig entladen werden, bevor sie im Handgepäck mitgenommen werden. Es kann auch sinnvoll sein, die Akkus in einer feuerfesten LiPo-Aufbewahrungstasche zu verstauen, um sie zusätzlich zu schützen. Zu guter Letzt dürfen auch Adapterstecker für ausländische Steckdosen nicht fehlen, damit die Akkus auch unterwegs jederzeit aufgeladen werden können.

3. mit ersatzteilen auf nummer sicher

Ein paar Ersatzteile sollten immer mit im Gepäck sein. Die Propeller sind dabei das am häufigsten beschädigte Teil der Drohne – der typische Blechschaden also in der Welt der Flugobjekte. Häufig werden Drohnen aus eben diesem Grund mit einem zusätzlichen Propeller geliefert.

Bei anspruchsvollen Flügen sollten immer Ersatzteile mitgeführt werden.
Bei anspruchsvollen Flügen sollten immer Ersatzteile mitgeführt werden. Bild: Chase Guttman

Auch für den Fall anderer möglicher Defekte sollten Ersatzteile mitgeführt werden. Wer mit seiner Kameradrohne um die halbe Welt reist, will möglichst vermeiden, dass sein UAV wegen ein paar beschädigter oder fehlender Teile komplett unbrauchbar wird. Kleinere Probleme lassen sich häufig mit einem Extra-Set austauschbarer Teile problemlos selbst beheben.

4. schutz für kameradrohnen

Kaufen Sie einen speziellen Koffer, der auch stärkeren Druck aushalten kann und die eingepackte Drohne gegen äußere Einflüsse schützt. Am besten ist ein Hartschalenkoffer, der innen mit Schaumstoff ausgekleidet ist, welcher die einzelnen Teile der Drohne trennt und umhüllt. Mit einem speziell für das Modell gefertigten Koffer kann der vorhandene Platz am effektivsten genutzt und die Drohne an Ort und Stelle leichter zusammengebaut werden.

Es empfiehlt sich, ein Toolkit aus unterschiedlichen Gepäckstücken wie Koffern, Rucksäcken und Taschen mit Rollen zusammenzustellen. Denn heutzutage passt die kleinste Drohne in einen Beutel aus verstärktem Stoff. Rucksäcke für Drohnen, die für den optimalen Transport von kleinen bis mittelgroßen Drohnen vorgesehen sind, eignen sich perfekt zum Wandern oder für andere sportliche Abenteuer.

UAV-Rucksäcke können beispielsweise auch ins Flugzeug mitgenommen werden. Für die großen Kameradrohnen eignen sich Hartschalen-Rollenkoffer und Aktenkoffer besser. Diese stabileren Optionen eignen sich optimal für Reisegepäck, das aufgegeben wird, oder zur Langzeitlagerung.

5. wichtige informationen vorab

Egal, an welchem Ort die Kameradrohne in die Luft steigen soll, gilt es für den Piloten zuvor, sich über die geltenden Sicherheitsvorschriften zu informieren. In Deutschland ist am 1. Oktober 2017 eine neue Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten in Kraft getreten, die Abstürze, Unfälle und Eingriffe in die Privatsphäre von Bürgern bestmöglich verhindern soll. Das verschärfte Gesetzt sieht unter anderem eine Kennzeichnungspflicht für alle Drohnen mit über 250 Gramm vor. Bei einem Gewicht ab fünf Kilogramm muss ein Drohnenführerschein sowie eine spezielle Flugerlaubnis vorliegen.

Um sich bestmöglich auf einen Drohnenflug vorzubereiten, sollte sich der Pilot regelmäßig Luftfotografien des Gebiets anzusehen und sich inspirierende Punkte auf einer Karte verzeichnen. Mit Google Maps können Orte beispielsweise mit wenigen Mausklicks aus der Vogelperspektive betrachtet werden. Google Images ist hilfreich beim Ausarbeiten eines Flugplans.

6. Fliegen will gelernt sein

Jeder, der zum ersten Mal eine Kameradrohne steuert, sollte zunächst in einer geschützten Umgebung lernen, das Gerät sicher zu bedienen. Es erfordert jedoch einiges an Übung, bevor sich die Bedienung der Flugmechanik so selbstverständlich anfühlt, dass sie dem Fotograf ermöglicht, sich auf die wichtigere Dinge zu konzentrieren – das Aufnehmen beeindruckender Bilder und atemberaubender Videos.

Luftfotografen sollten in Erwägung ziehen, sich für den Einstieg eine Übungsdrohne zu besorgen, bevor Sie Geld in ein kostspieliges Gerät investieren. Unternehmen wie DJI und 3D Robotics bieten Kunden zudem virtuelle Flugsimulatoren an, in denen sie ihre Flugkünste perfektionieren können. Nicht zuletzt sollte auch die Start- und Landeumgebung taktisch klug gewählt werden. Sie sollte ausreichend Platz bieten, um kleine Steuerungsfehler zu verzeihen und um die Drohne sicher wieder auf den Boden zu bringen.

7. den Überblick behalten

Sobald die Drohne in der Luft ist, geht es darum, das Gelände von oben bestmöglich zu erkunden. Es kann sehr leicht geschehen, dass der Drohnenpilot einen Tunnenblick entwickelt und sich so stark auf ein bestimmtes Objekt oder Bild fixiert, dass ihm die restliche Landschaft entgeht. Besser ist es, das Objekt manuell oder in einem automatisierten Flugmodus zu umkreisen. So lässt sich schneller erkennen, aus welcher Perspektive Licht, Komposition und Hintergrund optimal passen.

Kameradrohnen zeigen uns die Welt in neuem Licht.
Kameradrohnen zeigen uns die Welt in neuem Licht. Bild: Chase Guttman

 

8. neugierig bleiben

Der Wunsch, fliegen zu können, ist so alt wie die Menschheit selbst. Mit Kameradrohnen lässt sich dieser Traum ein Stück weit verwirklichen. Die UAVs ermöglichen es Hobbyfotografen und -filmern, ihre Kreativität voll auszuleben und immer wieder neue Ansichten zu entdecken – sei es vor der eigenen Haustüre oder am anderen Ende der Welt.

Am meisten Spaß macht es, wenn der visuelle und technische Spaß, den Kameradrohnen ermöglichen, mit Gleichgesinnten geteilt werden kann. Und wer nach oben schaut, entdeckt am Horizont eine revolutionäre Technologie, die nur darauf wartet, ihren sensationellen Siegeszug anzutreten – und die uns die Welt aus einer neuen Perspektive zeigt.

 

Chase Guttman, Verfasser von The Handbook of Drone Photography: A Complete Guide to the New Art of Do-It-Yourself Aerial Photography, wurde dreifach als „Young Travel Photographer of the Year“ ausgezeichnet.

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