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Künstliche Intelligenz: Die kreative Ader der Maschinen

Kristin Houser Writer & Editor, LA Music Blog
Künstliche Intelligenz wird zum neuen Werkzeug für Künstler.

Computer sind heute bereits in der Lage, eigenständig zu lernen. Die künstliche Intelligenz hilft sogar Kunstschaffenden, neue kreative Wege zu beschreiten.

Von Drumcomputern bis Digitalkameras: Computertechnik hat die Art, wie Künstler ihre kreativen Ideen umsetzen, revolutioniert. Ungewöhnliche neue Werkzeuge aus der Welt der Technik verändern unterschiedlichste Bereiche: von der Musik über die Kunst bis zur Filmproduktion. Laut Nidhi Chappell, Director of Machine Learning bei Intel, besteht künstliche Intelligenz (KI) darin, dass Maschinen lernen, ihre Umgebung wahrzunehmen, Schlussfolgerungen zu ziehen, zu agieren und sich an die reale Welt anzupassen.

Sie erweitern menschliche Fähigkeiten, automatisieren gefährliche Aufgaben und lösen einige der schwierigsten gesellschaftlichen und sozialen Probleme unserer Zeit. Mit Hilfe von maschinellem Lernen (ML), einer Unterkategorie der KI, sammeln und verarbeiten Computer riesige Datenmengen und leiten aus den Ergebnissen letztendlich mathematische Algorithmen ab, fügt Nidhi Chappell hinzu. Dieser Ansatz gestattet es den Maschinen, eigenständig zu agieren oder zu „denken“, ohne explizite Anweisungen zu erhalten.

kreatives potenzial von ki

In Branchen wie dem Bildungsbereich, dem Finanzwesen und der Medizin werden zwar schon seit Jahrzehnten KI- und ML-Techniken angewandt. Doch im kreativen Bereich wurde bisher meist „angenommen, dass künstliche Intelligenz nichts kreieren kann,“ so Shun Matsuzaka, Gründer von McCann Millennials. Aber diese Zeiten sind vorbei. Heute verwenden Matsuzaka und andere innovative Köpfe in aller Welt KI- und ML-Technik, um zum Beispiel Musik zu komponieren oder Bilder zu malen.

„Aus technischer Sicht gibt es meiner Meinung nach ein breites Anwendungsgebiet für KI-fähige Kunstwerkzeuge, zum Beispiel Musik-, Animations-, Skulptur- oder Schreibcomputer“, sagt Karl Stiefvater, der Gründer von Pikazo. Seine App verwendet ein künstliches neuronales Netz, um Kunstwerke zu kreieren. „Der Spielraum ist äußerst spannend.“ Matsuzaka, Stiefvater und andere lassen künstliche Intelligenz und Kunst auf überraschende Weise miteinander verschmelzen. Die folgenden vier Projekte veranschaulichen die Rolle, die Technik in dieser vielversprechenden kreativen Renaissance spielen kann.

künstliche intelligenz als creative director

Im März kündigte McCann Erickson Japan die Erweiterung seines Teams um einen äußerst ungewöhnlichen Kollegen an: AI-CD β, einen „Artificially Intelligent Creative Director“. AI-CD β entstand im Rahmen des innovativen McCann-Millennials-Projekts, an dem Mitarbeiter der Agentur zwischen 1980 und 2000 arbeiteten. „Da das McCann-Millennials-Projekt jung war, gab es niemanden, der die Position eines Creative Director innehatte“, erklärte Matsuzaka. „Daher fassten wir den Entschluss, selbst einen zu erschaffen.“

Um der Künstlichen Intelligenz Kenntnisse zu vermitteln, verwendete das Team Werbung, die sich in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen hatte. Diese Informationen sollten der KI Hinweise liefern, wie sich in Zukunft Arbeiten von ähnlichem Kaliber kreieren lassen. „Wir analysierten alle Arbeiten, die im Laufe der letzten zehn Jahre bei den ACC CM Festivals, Japans wichtigster Preisverleihung, ausgezeichnet wurden“, erklärte Matsuzaka. „Um die Werbung zu analysieren, ordneten wir ihr typische Tags zu. Zudem entwickelten wir einen Algorithmus für die Gestaltung von Bildern, die Menschen emotional bewegen. Anschließend fütterten wir die KI mit diesen Informationen.“

daten als erfolgsbasis

AI-CD β’s erster Auftrag war eine Werbung für die Pfefferminz-Kaugummis Clorets Mint Tabs. Seine Aufgabe lautete, „das Produkt ‚wild‘ durch einen Gesang mit urbaner Atmosphäre zu vermitteln und dadurch ein Bild von Erfrischung mit einem Gefühl von Freiheit zu kreieren“. Diese Vorgabe ließ der KI anfangs sehr viel Interpretationsspielraum. Doch mit der Zeit wurde die Arbeit von AI-CD β immer präziser.

„Nachdem eine Werbung ausgestrahlt wurde, evaluiert er das Ergebnis und lernt aus den Erkenntnissen, so dass die Genauigkeit für künftige Projekte erhöht wird“, so Matsuzaka. „Wir prüfen, ob die Werbung unsere Kunden erreicht hat und ob sich deren Wahrnehmung infolge der Werbung geändert hat. Basierend auf dem Ergebnis analysieren wir, ob die Richtung korrekt war oder nicht.“

google: das Projekt „Magenta“

Nur zwei Monate nachdem Googles smarte Software  AlphaGo als erstes Computerprogramm einen Weltmeister im Brettspiel Go besiegt hat, kündigte das Unternehmen ein neues Projekt an. Magenta beschäftigt sich mit der Frage, ob mit maschinellem Lernen überzeugende Kunst und Musik geschaffen werden kann. „Im Rahmen von Magenta sollen Werkzeuge entwickelt werden, die auf maschineller Intelligenz basieren und die menschliche Kreativität unterstützen“, so Doug Eck, Senior Staff Research Scientist für das Projekt Magenta. „In ähnlichen Bereichen, etwa der Spracherkennung und Übersetzung, haben wir bereits viel erreicht. Nun möchten wir sehen, was in puncto Kreativität möglich ist.“

Das Projekt nutzt TensorFlow, ein maschinelles Open-Source-Lernsystem von Google Brain. Es soll Algorithmen entwickeln, die lernen, wie sich Kunst und Musik kreieren lassen. Nachdem Googles Magenta-Team die Open-Source-Infrastruktur für das Projekt rund um TensorFlow aufgebaut hat, sollen die Werkzeuge der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, so dass jeder damit Musik komponieren kann. Eck wünscht sich, dass Magenta eine dynamische Community hervorbringt. „Wir möchten mehr Menschen begeistern als nur den eingeschränkten Personenkreis, der sich mit der Entwicklung komplexer ML-Algorithmen beschäftigt“, so Eck weiter. „Wir wollen das Bindemittel zwischen Kunst und Wissenschaft sein.“

robotart: ein computer als maler

Teams von Universitäten und Hochschulen aus aller Welt nahmen am ersten RobotArt-Wettbewerb teil. Sie bauten 16 Roboter, die eigenständig auf einer Leinwand Bilder malen können. „Meine Ziele fürs erste Jahr waren niedrig gesteckt. Ich wollte lediglich zeigen, dass der Wettbewerb Interesse hervorrufen würde“, sagt Andrew Conru, Gründer von RobotArt. „Allerdings war ich wirklich überrascht, wie unterschiedlich die eingereichten Ideen waren und welche Qualität viele Projekte hatten.“

Den ersten Platz gewann Team TAIDA von der National Taiwan University mit seinem Robot Artist. Dieser wurde mit einem Preisgeld von 30.000 US-Dollar (circa 26.500 Euro) belohnt. In ihrer Einreichung beschrieben sie ihr Projekt als „von menschlichen Künstlern inspiriertes Malverhalten“.

Der Roboter kombiniert zwei Techniken: einen Malgrund und das sogenannte „Non-photorealistic Rendering“ (NPR), eine Methode zum Erzeugen von Computergrafiken. Der Roboterarm, der ein vorgegebenes Bild nachahmt, verfügt über sieben Freiheitsgrade (Degrees of Freedom, DoF). Am Drei-Finger-Greifer ist eine externe Kamera montiert, die visuelle Rückmeldungen empfängt. „Da der Roboter ästhetisch ansprechend malen sollte, wandten wir uns an den taiwanesischen Künstler Chin-Yi Zhong und baten ihn, uns hinsichtlich der Ästhetik und Malmethode seine unvoreingenommene Ansicht mitzuteilen“, erklärt das Team von TAIDA.

Pikazo: der künstler in der app

Um kreative Ideen mithilfe von KI umzusetzen, müssen Hobby-Künstler aber keinen eigenen Roboter bauen, sondern können einfach Pikazo herunterladen. Die App wird als „Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine“ beschrieben. Mithilfe von Pikazo können Benutzer beliebige Bilder mit einem selbst gewählten Stil neu gestalten.

Aber Pikazo ist weit mehr als eine Filter-App. Sie analysiert ein Bild zuerst nach allgemeinen Inhalten wie Gesichtsmerkmalen oder Hintergrundobjekten und ermittelt erst im Anschluss kleinere stilistische Details. „Es handelt sich um eine unkonventionelle Anwendung neuronaler Netze, wobei das Netz verwendet wird, um ein gewünschtes Bild zu ‚halluzinieren‘“, sagte Stiefvater und erklärte, dass „gewünscht“ eine Qualität ist, die das Netz auf Basis der analysierten Inhalte festgelegt.

Anhand dieser Informationen entscheidet die App, welchen Stil sie anwendet. Dabei achtet sie auf den Bezug zwischen den verschiedenen Elementen. Pikazos CEO Noah Rosenberg sagte in einem Interview mit The Creators Project, dass dieses Phänomen auch als „Trainieren des Netzwerks“ bezeichnet wird. „Das Prinzip erinnert mich an die Stifte eines Plinko-Spielbretts“, erklärte er. „Die Pixel des Hauptbildes wandern durch dieses Labyrinth, hüpfen dabei hin und her und landen hoffentlich in Bereichen, die dem Stil der Bilddetails entsprechen.“

In der App Pikazo betätigt sich die künstliche Intelligenz als Maler. Bild: Ryan McNeely, Lead Programmer bei Pikazo
In der App Pikazo betätigt sich die künstliche Intelligenz als Maler. Bild: Pikazo – Ryan McNeely

 

Künstliche intelligenz als neues werkzeug

Während diese KI-orientierten Projekte Künstlern durchaus helfen können, ihr kreatives Potenzial zu erforschen, stellt sich andererseits die Frage: Wird die nächste „Mona Lisa“ von einem Künstler eigenständig gemalt – oder wird sie aus Nullen und Einsen bestehen? „Die Meisterwerke der Zukunft werden meiner Meinung nach mithilfe fortschrittlicher – möglicherweise KI-basierter – Software kreiert werden“, erklärt Stiefvater.

Künstler greifen schon seit langem auf Werkzeuge zurück, um die Dimension ihrer Arbeiten zu erweitern, fügt er hinzu. „Ich glaube nicht, dass sich dieser Ansatz wesentlich von den heutigen Malern unterscheidet, die in Fabriken hergestellte Farben verwenden, anstatt sie – wie es in der Renaissance üblich war – selbst zu mischen.“

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