Künstliche Blutstammzellen: Große Hoffnung für Leukämiepatienten

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Findet sich ein Stammzellspender, kann der Kranke nach der Transplantation selbst wieder Blutstammzellen herstellen. Doch jeder siebte Patient sucht leider vergebens.

Solche Dramen könnten bald der Vergangenheit angehören. Am Weill Cornell Medical College in New York ist es nämlich erstmals gelungen, aus Zellen Blutstammzellen zu züchten, die selbst Blut produzieren. Entsteht aus diesem Verfahren eine sichere Therapie, wären Blutkranke nicht länger auf einen genetischen Zwilling angewiesen – die identischen Blutstammzellen kämen aus ihrem eigenen Körper.

Blutstammzellen aus dem labor sorgen für Nachschub

Um Blutstammzellen zu gewinnen, gab das Forscherteam reifenden Gefäßzellen nacheinander vier Proteine hinzu, die die Stammzellbildung anregen. Die so erzeugten Blutstammzellen wurden dann transplantiert und regenerierten dauerhaft das Blut. Darüber hinaus kurbelten sie auch das Immunsystem an. „Das ist klinisch bedeutsam, weil die umprogrammierten Zellen Patienten nach einer Knochenmarkstransplantation dabei helfen könnten, Infektionen zu bekämpfen“, erklärt Dr. Raphael Lis.

Die New Yorker Studie beweist, dass sich Zellen aus den Innenwänden von Endothelzellen zu voll funktionsfähigen Stammzellen umprogrammieren lassen, die für einen ständigen Nachschub an gesunden Blutzellen sorgen. Anzeichen, dass der neue Therapieansatz seinerseits Blutkrankheiten auslöst, gab es bislang nicht. Allerdings stehen Langzeiterprobungen noch aus. Als nächstes will das Team um Dr. Lis nun funktionstüchtige Blutstammzellen in größeren Mengen herstellen.

Gif: Nature Journal

Schon jetzt beschleunigt das neue Verfahren die Grundlagenforschung. „Diese Arbeit eröffnet viele neue Möglichkeiten, die bisher verschlossen waren“, kommentiert Franz Edenhofer die Ergebnisse. Bislang war es für den Innsbrucker Stammzellenforscher schwierig, direkt an Blutstammzellzellen von Patienten zu gelangen, um etwa Leukämien in der Petrischale zu simulieren. Nun kann er sie selbst züchten.

Forschungserfolge auch in Deutschland

Auch die Harvard Medical School meldete kürzlich die erfolgreiche Züchtung von Blutstammzellen. Allerdings ist ihre Methode aufwändiger: Endothelzellen werden nicht direkt entnommen, sondern aus pluripotenten Stammzellen gewonnen, und ihre Umwandlung in Blutstammzellen benötigt sieben statt vier Proteine als Wandlungsfaktoren. Vielversprechende aktuelle Forschungsergebnisse für Blutkranke gibt es zudem im deutschsprachigen Raum. So korrigierten Forscher der Universität Zürich jüngst defekte blutbildende Stammzellen per Genschere Crispr-CAS 9.

Bild: Wikipedia – NHGRI – (CC BY 2.0) – (Montage)

Wer seine Blutstammzellen präventiv gesund halten möchte, sollte laut Deutschem Krebsforschungszentrum auf seine Vitamin-A-Versorgung achten. Das DKFZ machte im Frühjahr einen Mechanismus bekannt, bei dem Retinsäure krankheitsabwehrende Stammzellen im Knochenmark deaktiviert, wenn sie nicht gebraucht werden, um sie vor Mutationen zu schützen. Vitamin A ist fettlöslich und steckt besonders in Leber, Aal oder Thunfisch, aber auch in einigen Gemüsesorten.

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