Künstliche Intelligenz: Ein Dolmetscher für Delfine

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Ein schwedisches Technologieunternehmen will die Kommunikation von Delfinen entschlüsseln und durch eine mitlernende Übersetzungssoftware verfügbar machen.

Die moderne Arbeitswelt ist von Globalisierung geprägt – und von einer babylonischen Sprachenvielfalt. Um etwa an neue internationale Geschäftspartner ein paar höfliche Eingangsworte auf Spanisch, Finnisch oder Indonesisch zu richten, lassen sich schon seit langem kostenlose Übersetzungsdienste wie Google Translate nutzen. Doch die Ergebnisse klingen mitunter kurios, weil die Algorithmen bei der Direktübersetzung den Kontext nicht im erforderlichen Maße berücksichtigen können.

Moderne Sprachtechnologien setzen daher zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI), indem sie neue Informationen mit bereits Gelerntem verknüpfen und rückschließend einen Bedeutungszusammenhang herstellen. In puncto Qualität unterliegt die KI beim Übersetzen von Texten trotz kontinuierlicher Verbesserungen noch immer ihrem menschlichen Pendant. Doch werden in naher Zukunft große Fortschritte in diesem Bereich erwartet. Und es rücken erstmals auch Tiersprachen in den Blick der Künstlichen Intelligenz.

 

Pfiffe zur Begrüßung

So will die schwedische Technologiefirma Gavagai gemeinsam mit der Königlich-Schwedischen Hochschule für Technologie (KTH) bis 2021 die Kommunikation von Großen Tümmlern in einem Wildpark bei Stockholm entziffern. Dies scheint möglich, weil sich der Austausch zwischen Delfinen theoretisch kaum von unserer Sprache unterscheidet. Auch Delfine können individuelle, satzartige Lautketten bilden, wofür sie allerdings Pfiffe, Schnalz- und Klicklaute verwenden. Ziel des Forscherteams ist es zunächst, Lauten ihre jeweilige Bedeutung zuzuordnen. Die Ergebnisse bilden die Datenbasis einer KI-Übersetzungssoftware für Delfinsprache.

Ein Übersetzungshelfer zwischen Mensch wäre nicht nur für Biologen interessant. So wäre ein künftiges Anwendungsgebiet die Seenotrettung, bei der Delfine mit bestimmten Lauten instruiert werden könnten, Ertrinkende zu bergen. Vor Mexiko werden Große Tümmler bereits eingesetzt, um Exemplare der gefährdeten kleinen Schweinswal-Art Vaquita zu lokalisieren. Es wäre zu wünschen, dass Gagavai das Projekt erfolgreich um- beziehungsweise fortsetzt.

 

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