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Li-Fi: Über die Beleuchtung mit Hochgeschwindigkeit ins Internet

Was ist bis zu 224 Gigabit pro Sekunde schnell? Die WLAN-Verbindung im Café jedenfalls nicht, denn die schafft selbst im Idealfall nur 300 Megabit. Die Antwort lautet Li-Fi – eine auf Licht basierende Methode zur Übertragung von Daten. Die ersten Entwürfe für die Hochgeschwindigkeitstechnik, die sich mit ihrem Namen an den häufig synonym mit Wireless LAN verwendeten Ausdruck Wi-Fi anlehnt – sind zwar schon etwas älter, wird aber aktuell erst durch verschiedene Pilotprojekte vom Labor in den Alltag geholt.

Mit der eingangs erwähnten Datenübertragungsrate, die bei einem Testlauf an der Universität von Oxford erreicht wurde, ließen sich beispielsweise 18 Filme mit einem Datenvolumen von 1,5 Gigabyte in nur einer Sekunde herunterladen. Die bei weiteren Tests an Arbeitsplätzen erreichte Geschwindigkeit ist zwar nicht ganz so beeindruckend, aber trotzdem schon jetzt 100 Mal schneller als WLAN. „Wir führen einige Pilotprojekte in verschiedenen Industriezweigen durch, um die VLC-Technik nutzbar zu machen“, erklärte Deepak Solanki, Vorsitzender des estnischen Unternehmens Velmenni. VLC steht für Visible Light Communications und ist die Basis von Li-Fi. In einer für das menschliche Auge unsichtbaren Frequenz bringt die Technik eine LED-Lichtquelle zum Flackern und überträgt auf diese Weise Daten in einer Art Hightech-Morsecode.

Mehr Vorteile als nur hohe Geschwindigkeit

Die Technik ist sicherer als WLAN

Neben der hohen Geschwindigkeit bietet Li-Fi noch einige andere Vorteile. Zum einen ist die Technik sicherer als WLAN, weil Licht keine Wände durchdringt und damit beispielsweise nicht von außerhalb eines Gebäudes abgehört werden kann. Zum anderen sorgt ein Wegfall elektromagnetischer Wellen dafür, dass Geräte sich nicht mehr gegenseitig stören. Elektrosmog würde reduziert und Fernreisende bräuchten über den Wolken ihre Mobiltelefone nicht mehr in den Flugzeugmodus zu schalten.

Zudem müssten bei einer künftigen Umstellung auf Li-Fi keine neuen Übertragungsgeräte angeschafft werden, da LED-Leuchten heute in fast jedem Haushalt und Büro vorhanden sind und somit bereits eine Infrastruktur für den neuen Kommunikationsweg besteht. „Wir müssen einfach nur jede potenzielle Lichtquelle mit Mikrochips ausrüsten, um zwei Funktionen zu vereinen: Beleuchtung und kabellose Datenübertragung“, sagt der deutsche Informatiker Harald Haas, der an der Universität von Edinburgh lehrt und den Begriff Li-Fi im Jahr 2011 auf der TED-Konferenz prägte.

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Erste Plug-and-Play-Geräte

Li-1st schafft bislang nur 11,5 Megabit pro Sekunde

Gemeinsam mit Kollegen gründete Haas das Unternehmen pureLiFi, das ein Plug-and-Play-Gerät für eine sichere kabellose Internetverbindung anbietet. Zwar erreicht das Li-1st mit 11,5 Megabit pro Sekunde nur die Geschwindigkeit der ersten WLAN-Generation, aber ein Anfang für die Weiterentwicklung der Technik im Privathaushalt ist auf diese Weise gemacht. Auch in Krankenhäusern hält Li-Fi Einzug, denn die französische Firma Oledcomm stattet momentan Kliniken mit entsprechenden Verbindungen aus.

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Ohnehin sorgt das exponentielle Wachstum der Verkäufe von Mobile Devices dafür, dass Übertragungswege sich ändern müssen. Im Jahr 2019 werden voraussichtlich mehr als zehn Milliarden Geräte rund 35 Trillionen Byte an Informationen austauschen. Die dadurch unter anderem entstehenden elektromagnetischen Interferenzen dürften die WLAN-Technologie nach heutigem Standard überfordern.

Li-Fi wird aber wahrscheinlich WLAN nicht völlig ersetzen, da schließlich nicht an jedem Fleck LED-Leuchten angebracht sind. Stattdessen dürften sich die beiden Verfahren ergänzen und so Netze hervorbringen, die effizienter und sicherer sind. Haas jedenfalls ist überzeugt, dass künftig weltweit 14 Millionen LED-Glühbirnen nicht nur für Licht, sondern auch für eine schnelle Internetverbindung sorgen werden.

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Cover-Foto: Youtube – pureLiFi
Bild 1, 2 & 3: pureLiFi
Bild 3: Velmenni

 

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