Besser leben mit Big Data

Lidar: So nehmen selbstfahrende Autos mittels Laser ihre Umgebung wahr

Nach einigen Zusammenstößen, Geschrei und dem Trost der Eltern lernen kleine Kinder ganz von selbst, Geschwindigkeit, Abstände und ihre Umgebung einzuschätzen. Selbstfahrende Autos hingegen brauchen die Hilfe ihrer Entwickler, damit es nicht zur Kollision kommt. Auch wenn die dazugehörige Technik noch nicht ganz fehlerfrei funktioniert, prognostiziert das Institute of Electrical and Electronics Engineers, dass im Jahr 2040 rund 75 Prozent aller Fahrzeuge selbstfahrend sein werden. Damit diese ihr Umfeld wahrnehmen können, verwenden Unternehmen wie Google, Ford und BMW in ihren Testfahrzeugen eine Technik namens Lidar – ein Kofferwort aus Licht und Radar.

Der Lidar-Scanner sendet pro Sekunde rund eine Millionen Laserstrahlen aus, die für das menschliche Auge unsichtbar sind, dem Fahrzeug jedoch das Sehen ermöglichen. Denn das gebündelte Licht wird von allen Lebewesen, Gebäuden und Gegenständen zurückgeworfen und erzeugt damit ­­ein dreidimensionales Abbild der Umgebung, das millimetergenau dargestellt wird – und damit exakter als alles ist, was das menschliche Auge zu leisten vermag. Aufgrund dieser Präzision wurde die Technik auch schon dazu eingesetzt, in Kriegsgebieten archäologische Stätten zu vermessen, um diese im Fall einer Zerstörung wenigstens digital bewahrt zu haben.

Störungen durch spiegelnde Flächen und Regentropfen

Anpassung urbaner Architektur der Zukunft an die Technik

Gleichwohl hat Lidar noch Schwächen: Spiegelglas und andere reflektierende Oberflächen wie zum Beispiel auch Regentropfen können die Messung stören. Das ist besonders in Städten ein Problem, da komplexe Gebäudeformen und Glasfassaden dort ständig Hindernisse darstellen. Die urbane Architektur der Zukunft wird also möglicherweise an die Erfordernisse der Technik angepasst und Stück für Stück umgestaltet.

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Das Wetter bleibt jedoch unberrschbar und auch unvorhersehbare Situationen im Straßenverkehr stellen die Entwickler noch vor Probleme. So brachte beispielsweise ein Radfahrer in Austin (Texas) ein Google-Auto zum Tanzen: Beim Stopp an einer Kreuzung nahm er nicht die Füße von den Pedalen, sondern balancierte weiter auf dem Rad und rollte dabei immer ein paar Millimeter vor und zurück. Die Technik des Autos konnte nicht abschätzen, ob der Fahrradfahrer losfahren wollte und imitierte dessen Vor-und-Zurück-Bewegungen. “Im Auto saßen zwei Typen, die laut lachten und etwas in ihre Laptops tippten – vermutlich Codes, um dem Auto beizubringen, wie es mit solchen Situationen umgehen soll”, berichtete der Fahrradfahrer in einem Forum.

Blick der Maschinen auf die Stadt

Menschen verwandelten sich zu digitalen Silhoutten

Während die Entwickler weiter daran arbeiten, die Fehler der Technik in den Griff zu bekommen, interessieren sich die beiden Architectural Designer William Trossell und Matthew Shaw gerade für die Artefakte und geisterhaften Erscheinungen, die durch den speziellen Blick der Technik auf die Stadt entstehen. Bei ihrer Fahrt durch London manipulierten die beiden Gründer des Design-Studios ScanLAB Projects deshalb ihre 3D-Scanner, um deren künstlerisches Potenzial freizulegen.

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Wo normalerweise Algorithmen dafür sorgen, lange Zeiten des Verkehr-Stillstands auszugleichen, ließen die beiden zu, dass Störbilder sich anhäuften und überlagerten. Menschengruppen wurden auf diese Weise zu digitalen Silhoutten, Doppeldeckerbusse durch wiederholtes Scannen zu monströsen Strukturen und gläserne Wolkenkratzer lösten sich rauchgleich in den Himmel auf. Trossell nennt diese Bilder “Halluzinationen verrückter Maschinen” und will uns gemeinsam mit Shaw die Augen für die andere, nicht-menschliche Perspektive auf die Stadt und ihre unsichtbaren Strukturen öffnen. Gleichzeitig ermöglichen die beiden damit einen Blick in die Zukunft, in der die Sichtweise von Maschinen vielleicht ebenso bedeutsam sein wird, wie die menschliche.

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Cover-Foto, Bild 2 & Gif: Vimeo – ScanLAB
Bild 1: Wikipedia – Steve Jurvetson (CC BY 2.0)

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