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Litterati: Die Crowdsourcing-App für sauberere Städte

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

Mit Hilfe einer Smartphone-App und einer internationalen Nutzer-Community will Litterati das weltweite Müllproblem bekämpfen.

Wer in der Großstadt wohnt, dem fallen sie schon fast nicht mehr auf: Zigarettenstummel in Blumentöpfen, Pizzakartons in Hauseingängen oder leere Getränkedosen auf der Parkbank. Müll auf Straßen und öffentlichen Flächen scheint heute vielerorts als unvermeidliches Übel dicht besiedelter Regionen geduldet zu werden. Jene, die sich für sauberere Städte einsetzen, kämpfen oft gegen Windmühlen.

Doch jetzt lässt eine Smartphone-App namens Litterati neue Hoffnung aufkeimen – und zwar mit einem interessanten Crowdsourcing-Ansatz. Der funktioniert so: Die Nutzer machen Fotos von Abfällen, die sie auf der Straße finden und laden ihre Bilder mit zum Objekt passenden Keywords in der App hoch. Danach werfen sie den fotografierten Unrat in den nächsten Mülleimer.

Litterati erstellt virtuelle Mülldeponie

Sämtliche Fotos werden in die „virtuelle Mülldeponie“ von Litterati geladen. Das ist eine Landkarte, in der jeder Fund anhand des Geo-Tags des Fotos verzeichnet wird. Je mehr Bilder hochgeladen werden, desto genauer lässt sich erkennen, an welchen Orten in einer Stadt oder Region besonders viel Müll anfällt und – anhand der eingegebenen Schlüsselwörter – um welche Art von Abfällen es sich dabei überwiegend handelt. Bis heute hat die Litterati-Community bereits über 360.000 Müllobjekte in mehr als 100 Ländern erfasst.

Litterati zeigt auf, welche Städte und Straßen besonders verschmutzt sind.
Litterati zeigt auf, welche Städte und Straßen besonders verschmutzt sind. Bild: Litterati(Montage)

Gründer Jeff Kirschner hofft, dass sich anhand dieser Daten die Ursachen für die weltweit herrschende Müllproblematik genauer identifizieren lassen. Häufen sich an einer Straßenecke beispielsweise leere Kaffeebecher oder Plastikschalen, lässt dies darauf schließen, dass ein Coffeeshop oder ein Take-Away-Restaurant in der Nähe liegt, von dem die Verpackungen stammen. „Die Daten sollen Unternehmen und Organisationen dabei helfen, nachhaltigere Lösungen zu finden“, betont Kirschner.

Jede Stadt hat eigenen Müll-Fingerabdruck

In seinem Vortrag bei der TED-Konferenz führte Kirschner ein anschauliches Beispiel an: In der kalifornischen Stadt Oakland wurde in einem Häuserblock eine besonders starke Verschmutzung festgestellt. Die Litterati-Community sammelte dort an einem Tag ganze 1.500 Stücke Müll auf. Der größte Teil davon stammte von einem nahegelegenen Taco-Restaurant, wobei es sich hauptsächlich um Einzelportionen einer scharfen Würzsoße handelte, die allesamt ungeöffnet waren. Dadurch konnte der Betreiber auf den Missstand hingewiesen und ihm mögliche Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Beispielsweise könnte er die Soße nur auf Wunsch mitgeben oder einen Soßenspender aufstellen, an dem sich die Kunden selbst bedienen können.

Auch in Deutschland erfreut sich Litterati vieler Nutzer.
Auch in Deutschland erfreut sich Litterati vieler Nutzer.

Auch bei uns hat das Crowdsourcing-Konzept bereits Anhänger gefunden – Deutschland befindet sich aktuell auf Platz fünf der Länder, in denen bislang am meisten Unrat fotografiert und beseitigt wurde. „Jede Stadt hat ihren persönlichen Müll-Fingerabdruck“, erklärt Kirschner, „und dieser Abdruck führt sowohl zur Quelle des Problems als auch zur richtigen Lösung.“ Diese kann in einem neuen Mülleimer bestehen oder bis hin zu innovativen, umweltfreundlicheren Verpackungskonzepten reichen. Das Potenzial von Litterati liegt aber vor allem darin, das Bewusstsein der Menschen zu sensibilisieren. Es wäre doch schön, wenn ein Großteil der heutigen Abfälle in Zukunft gar nicht mehr anfallen würde, anstatt sich neben der Straße auch im Internet anzuhäufen.

Cover-Foto: Litterati – (Montage)

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