Meditation: Techniken zur Stressbewältigung sorgen für mehr Ruhe

by Amy Roberts
Writer and Fitness Professional

Von der Smartphone-App mit künstlicher Intelligenz bis hin zum Atemübungs-Wearable kann heute jeder die passende Unterstützung bei der Meditation finden.

Häufig führt die ständige Erreichbarkeit durch Technik zu einer Erledigen-Sie-das-bis-gestern-Mentalität – und damit zu hohem Stress. Einige Erfinder jedoch nutzen Technik, um Stress abzubauen, innere Ruhe zu fördern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. „Meditation wird von Menschen schon seit Jahrhunderten – wenn nicht sogar Jahrtausenden – praktiziert und wir bauen darauf auf“, sagt Jeffrey Martin. Der Doktor der Sozialwissenschaften und Experte für Transformative Technology unterstützt Menschen mithilfe von Technik dabei, in seinem Finders Course Meditation zu erlernen.

„Während momentan immer mehr akademische Studien Nachweise für die gesundheitlichen Vorteile dieser alten Kunst erbringen, wächst der Reifegrad von Internet und Technik“, erklärt Martin. „Daher ist nun der richtige Zeitpunkt für Innovationen gekommen.“ Dabei gibt es allerdings noch viele alte Hürden bezüglich der Meditation zu überwinden: Zum einen fällt es Menschen generell schwer, sich eine neue Gewohnheit anzueignen. Zum anderen ist der Begriff Meditation nicht klar umrissen, sondern bezeichnet verschiedene Methoden – inklusive der bekanntesten: Achtsamkeit und Mantra.

erfolg bei der Meditation wird Messbar

Dabei ist jedoch schwer zu beurteilen, ob Meditation einer Person tatsächlich hilft, da es keine offensichtlichen und messbaren Resultate gibt. In den letzten Jahren wurden deshalb Techniken und Anwendungen zur Lösung dieses Problems entwickelt. Damit ist die angestrebte innere Ruhe in greifbare Nähe gerückt. Es gibt zahlreiche beliebte Smartphone-Apps einschließlich Headspace und Calm, die über Bibliotheken verschiedener Meditationsmethoden, strukturierte Programme und Push-Erinnerungen verfügen.

Technik kann die verschiedenen Methoden der Meditation unterstützen.
Technik kann die verschiedenen Methoden der Meditation unterstützen.

Doch am effektivsten ist die Technik dann, wenn sie die spezifischen körperlichen Stressreaktionen erfasst und aufzeichnet. So misst das Armband WellBe mit einem optischen Sensor die Herzfrequenzvariabilität (HFV) als bekannten Stresslevel-Indikator. Die HFV bezeichnet den zeitlichen Abstand zwischen zwei Herzschlägen und es wurde nachgewiesen, das unterschiedliche Zeitabstände anzeigen, dass ein Mensch unter Stress steht. „Wir ermöglichen es, den Stress jederzeit automatisch zu messen und statistisch die Auslöser dafür zu erfassen“, erklärt Doron Libshtein, Mitgründer von WellBe.

Stressreduktion durch Protokollierung

Die Daten werden stündlich erfasst und mit dem Online-Terminkalender und der Geolocation des Armbandträgers verglichen. Dadurch kann die WellBe-App Situationen mit einem hohen Stresslevel erkennen und Meditationen zum Entgegenwirken anbieten. Die Übungen stammen dabei von der Seite MentorsChannel.com, die ebenfalls von Libshtein ins Leben gerufen wurde.

Durch Protokollierung mittels Wearable lassen sich Stressfaktoren ausfindig machen.
Durch Protokollierung mittels Wearable lassen sich Stressfaktoren ausfindig machen.

Allein die Einsicht in das Protokoll kann laut Martin nach einer gewissen Zeit eine stresslösende Wirkung haben. „Es ist wirklich informativ, mehr über den Körper und dessen vom Geist nicht bewusst wahrgenommenen Reaktionsmuster zu lernen“, sagt er. Durch die Stress-Sensiblisierung mithilfe der Daten kann der Benutzer Veränderungen in seinem Alltag vornehmen, um den Stress zu reduzieren.

Technik lenkt Aufmerksamkeit auf den Atem

Eine andere technische Methode bietet Spire – eine Klammer, die am Gürtel oder BH getragen wird und Aktivitäten sowie Atmung überwacht. Dabei erfasst das Gerät die Atemfrequenz und ermittelt die Tiefe der Atemzüge per Kraftsensor über das Weiten und Zusammenziehen des Oberkörpers. Stellt Spire ein flacheres oder schnelleres Atemmuster als das für den Träger normale fest, stuft er den Stresszustand entsprechend ein. Dann wird Letzterer mit dem Terminkalender und dem Aufenthaltsort synchronisiert. Der Träger erhält sofort eine Benachrichtigung und Anweisungen zu Atemübungen, die der erhöhten Atmungsfrequenz entgegenwirken. Mit regelmäßiger Übung werden Körper und Geist darauf trainiert, die Bewältigungsstrategien in stressreichen Situationen automatisch anzuwenden.

Meditationstechniken sollen unter anderem gegen innere Unruhe und zu wenig Schlaf helfen.
Meditationstechniken sollen unter anderem gegen innere Unruhe und zu wenig Schlaf helfen.

Während sich viele Menschen mit dem regelmäßigen Meditieren schwer tun, wirken einige Techniken von alleine meditativ. Denn sie ziehen die Aufmerksamkeit des Nutzers auf sich und lenken damit von der Stresssituation ab. Das Unternehmen Thync etwa bedient sich der transdermalen Nervenstimulation, bei der eine geringe Stromstärke an Kopf und Hals abgegeben wird. Damit stimuliert das Gerät Nerven, um den Träger zu entspannen oder anzuregen – je nachdem, welches Programm ausgewählt wurde.

Laut Thync-Mitgründer und Geschäftsführer Isy Goldwasser verwendet der Thync Relax ausschließlich beruhigende Frequenzen. Diese überträgt er auf den Nacken und sorgt so in Sitzungen von höchstens 30 Minuten für Tiefenentspannung. „Dies ist für Menschen gedacht, die oft von Stress und innerer Unruhe geplagt sind und weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen“, sagt Goldwasser. „Es ist nicht nötig, in einem dunklen Zimmer sitzen und ruhig zu atmen, um eine Wirkung zu fühlen.“

Entspannung an der Grenze zum Tiefschlaf

Das Stress-Interventionssystem NuCalm ist hingegen etwas komplexer aufgebaut und besteht aus vier Teilen. Bei der Behandlung wird die Aminosäure GABA, die der wichtigste Neurotransmitter mit einer beruhigenden Wirkung im Gehirn ist, auf die Haut aufgetragen oder oral eingenommen. Dazu stimuliert ein Gerät mittels einer sehr geringen Stromstärke den Kopf. Gleichzeitig hält eine Augenmaske Licht ab und Musik, die mittels einer neuroakustischen Software abgestimmt wurde, sorgt zusätzlich für Entspannung.

Techniken zur Stressreduktion arbeiten unter anderem mit entspannender Musik.
Techniken zur Stressreduktion arbeiten unter anderem mit entspannender Musik.

„Das dahinterstehende Konzept ist es, im vegetativen Nervensystem ein Gleichgewicht zwischen der Stress- und der Ruhereaktion zu schaffen“, sagt James M. Poole, Vorsitzender und Geschäftsführer von NuCalm. „Wir bremsen den Stress aus und sorgen für volle Entfaltung der Ruhe, indem wir die Gehirnwellen auf einen Bereich zwischen vier und sieben Hertz bringen“, erklärt Poole. „Das liegt knapp über dem Tiefschlaf und entspricht dem Zustand, den manche Mönche durch Meditation erreichen können.“ Während das ursprüngliche System rund 4.000 Euro kostet und verschreibungspflichtig ist, soll im November das rezeptfreie ReNu für voraussichtlich circa 830 Euro auf den Markt kommen.

Auch wenn Martin sehr begeistert von diesen Innovationen ist, sieht er dennoch Verbesserungsmöglichkeiten. „Ein wichtiges Problem besteht auf der Seite der Datenverarbeitung“ erklärt er. Denn Hardware und Sensoren würden zwar immer besser, doch die Herausforderung liege darin, noch aussagekräftigere Algorithmen für die Dateninterpretation zu entwickeln. Wenn dies gelingt, könnten sich die stressreduzierenden Techniken künftig noch leichter auf verschiedene Lebensstile ausrichten lassen und damit das Leben der Menschen verbessern.

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