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Microlattice: Leichtestes Metall der Welt soll Luft- und Raumfahrt revolutionieren

Levin Thiel Writer

Startups müssen im Vorfeld ihrer Gründung immer eine entscheidende Frage klären: Welchen Bedarf deckt ihr Angebot? In der Wissenschaft ist es bisweilen ähnlich. Eine Entdeckung kann noch so faszinierend sein, doch erst ihre Einsatzmöglichkeiten machen sie wertvoll. Vor allem für das Unternehmen, das die Patente an ihr besitzt und sie monetarisieren kann. Doch bis es so weit ist, können einige Jahre ins Land gehen – so wie bei Microlattice, einem der leichtesten Strukturwerkstoffe der Welt.

Diese offenzellige 3D-Polymerstruktur besteht zu fast 99,99 Prozent aus Luft, ihre Dichte beträgt nur 0,9 Kilogramm pro Kubikmeter. Hierdurch ist der wie Metall-Schaum anmutende Stoff hundert Mal leichter als Styropor, zugleich aber auch deutlich Widerstandfähiger als dieses. Entdeckt wurde Microlattice, das aufgrund seiner außen rigiden und innen eher hohlen Struktur an den Aufbau von Knochen erinnert, bereits im Jahr 2011. Doch erst kürzlich haben die Forscher von den HRL Laboratories einen kommerziell nutzbaren Einsatzbereich angekündigt.

Mit Microlattice zum Mars

Reduktion des Gewichts um bis zu 40 Prozent

Wie fast nicht anders zu erwarten, soll Microlattice zunächst in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen – und in naher Zukunft vermutlich auch im Automobilbereich. Denn HRL befindet sich im Besitz des Flugzeugbauers Boeing und des Automobilkonzerns General Motors. Dabei soll es vor allem darum gehen, die Strukturkomponenten der Flieger aus dem Leichtmetall herzustellen, um ihr Gesamtgewicht – und damit auch den Kraftstoffverbrauch – zu senken.

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Eine (auch) aus ökologischer Sicht sinnvolle Idee. Denn so gern wir alle für eine grüne und gesunde Umwelt sind: Wenn es ums bequeme Verreisen geht, setzen viele von uns gerne aufs Flugzeug, was in Anbetracht des Kerosinverbrauchs ein Overkill fürs Klima ist. Dieser positive Effekt dürfte zudem wie angedeutet auch bei Kraftfahrzeugen ausgenutzt werden – und in der Raumfahrt.

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Im Rahmen des „Game Changing Development“-Programms der NASA soll Microlattice nämlich ebenfalls für die Reduktion des Gewichts sorgen, und zwar bei den für die Erforschung des Tiefenraums bestimmten Raumschiffe. Dies soll laut Angaben der US-Raumfahrtbehörde um bis zu 40 Prozent möglich sein und damit Projekte wie den bemannten Flug zum Mars mit ermöglichen. „Wir setzen auf unsere bahnbrechende Entwicklung des ultraleichten metallischen Microlattice und werden diese Technologie noch weiter verbessern, damit sie in der nächsten Generation von Raumfahrzeugen zum Einsatz kommt“, so Dr. Tobias Schaedler von HRL.

Cover Foto & Gifs: Youtube – Boeing

 

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