Mit Altitude Seven erreichen Frauen neue Höhen

by Deb Miller Landau
iQ Managing Editor

Laut Georgina Miranda lässt sich die Gründung eines Unternehmens mit Bergsteigen vergleichen: der Weg ist voller Spitzkehren und nur Schritt für Schritt zu bewältigen.

Georgina Miranda ist eine zierliche, gut angezogene Städterin mit weicher Stimme. Aber unter ihrem ruhigen Äußeren verbirgt sich eine unaufhaltsame Abenteuerin. Sie saugt den Sauerstoff aus dünner Luft und kämpft sich unermüdlich weiter, trotz durch schlecht passende Ausrüstung verursachte Blasen und Scheuerstellen. Georgina hat mehr Berge bestiegen als die meisten Kappe tragenden Bergsteiger, die in Bergsportläden anzutreffen sind.

„Früher konnte ich noch nicht einmal eine Meile laufen. Inzwischen habe ich die sechs höchsten Gipfel jedes Kontinent bestiegen, einschließlich des Denalis und des Mount Everests“, erzählte sie. „Das ist der Beweis, dass man sich im wahrsten Sinne des Wortes von ganz unten bis zur Spitze arbeiten kann.“ Getrieben wird sie dabei von ihrer unbändigen Leidenschaft für die freie Natur. Daher gründete Georgina 2014 auch Altitude Seven – eine Medienplattform für Frauen mit der Liebe für Abenteuer: Sie soll ihnen weltweit mit Geschichten und Ratschlägen zu Ausrüstung und Bekleidung als Inspiration und gleichzeitig als Community dienen.

Altitude Seven: “Eine bessere Möglichkeit für Frauen”

Die Medienplattform engagiert sich zudem für die Förderung der Präsenz und Sichtbarkeit von Frauen bei Abenteuersportarten und in Reisemedien. „Ich wollte schon immer ein eigenes Unternehmen führen. Ich wusste nur nicht, welche Art von Unternehmen das sein sollte“, sagt sie. Die Idee für Altitude Seven kam ihr erst, als sie 2010 dank schlecht sitzender Ausrüstung blutend und voller Blasen auf dem Gipfel des Denalis stand.

„Ich dachte mir, es muss doch eine bessere Möglichkeit für Frauen geben“, so Georgina, und begann mit dem Entwurf eigener Prototypen für Ausrüstung. „Ich war naiv und dachte, das wäre für einen Kickstarter ausreichend. War es jedoch nicht.“ Sie zieht Parallelen zwischen dem Aufbau eines Unternehmens und ihren Vorbereitungen für den Mount Everest.

Auf fremden Pfaden ins Unglück

Ihre Kindheit verbrachte Georgina mit ihren Eltern in Los Angeles. Die Familie hatte nicht viel Geld und es war ihr größter Wunsch, als erste in der Familie ihren Hochschulabschluss erfolgreich abzuschließen. Sie wuchs in einem übervorsichtigen Haushalt auf. Fiel beispielsweise jemand mit fünf Jahren vom Fahrrad, so war Fahrradfahren ab diesem Zeitpunkt für immer gestrichen.

„Damals war die Ausbildung und nicht das Abenteuer im Freien mein Ticket in ein besseres Leben“ erinnert sie sich. Und fügte hinzu, dass sie erst im College zum ersten Mal beim Campen war. „Ich war nicht besonders sportlich“, sagte sie, aber sie habe die Zeit in der Wildnis genossen. Diese weckte das zuvor unbekannte, herrliche Gefühl der Freiheit. Wann immer es ihr erlaubt war, schloss sie sich anderen an, bis sie schließlich alleine Wandern ging.

Altitude Seven

Während ihres Aufbaustudiums wagte sie sich in eine Kletterhalle und erarbeitete sich dort die Grundlagen. Ihre Ausbildung stand aber weiterhin im Vordergrund, denn dieser Weg war so fest in ihr verankert, dass sie keine andere Möglichkeit in Betracht zog. „Ich habe alles so gemacht, wie es von mir erwartet wurde“, erklärt sie. „Ich bekam ein Stipendium, einen Job, machte meinen MBA-Abschluss und bekam einen weiteren guten Job. Ich heiratete und kaufte ein Haus.“ Und dann fügt sie hinzu: „Und eines Tages, als ich 27 Jahre alt war, begann alles auseinanderzufallen.”

Ein neuer Anfang 

“Ich schaute mich um und dachte: Das ist nicht das Leben, das ich mir aufbauen wollte, das ist nicht das Leben, das mir vorbestimmt ist“, sagt sie. „Es musste sich ändern, und das tat es. Komplett.“ Georgina ließ sich scheiden, verlor ihr Haus in der Finanzkrise und zog zuerst nach Portland und anschließend nach San Francisco. Sie nahm eine Stelle bei einem internationalen Beratungsunternehmen an, bei der sie einige der führenden Fortune 500 Unternehmen beriet – und der es ihr erlaubte, die ganze Welt zu bereisen.

„Auf dem Weg zum eigenen Unternehmen musste ich mehr als einmal die Sicherheit meines geordneten Lebens hinter mir lassen. Ich musste den Schritt ins Ungewisse wagen und ein Ziel verfolgen, das meinem Gefühl nach mehr meiner eigentlichen Bestimmung entspricht“, erklärt sie. Der Weg zu ihrem eigenen Unternehmen war jedoch steinig und mit vielen Wendungen. Im Jahr 2014 kam dann aber der Umbruch: vom Entwurf der Ausrüstung zur E-Commerce-Plattform für Ausrüstung speziell für Frauen. Dann schlug sie erneut eine neue Richtung ein.

Community für Frauen, die ihre Träume leben

Altitude Seven entwickelte sich von einem „Outdoorunternehmen“ zu einem „technischem Unternehmen“, erklärt Georgina. „Mir wurde bewusst, dass die Geschichten der Frauen, die hinausgehen und all diese Dinge erleben, in Wirklichkeit den größten Anklang fanden. Diese Geschichten dienen anderen als Inspiration“, sagt sie.

Und so lernte sie Frauen kennen, die in Niederkalifornien paddeln und Berge erklimmen wollten, und auf der Suche nach mehr Sinn in ihrem Leben waren. Sie erkannte, dass andere Frauen ihre Sehnsüchte teilten, sie jedoch keinen Ort hatten, an dem sie ihre Geschichten mit anderen Gleichgesinnten innerhalb einer Community teilen konnten. Über ihre Internetplattform begann sie mit der Veröffentlichung von Erzählungen über Frauen, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihre Ängste überwinden und ihre Träume verfolgen.

Als Frau erfolgreich in Männer-Domänen

Georgina verbringt die meiste Zeit in ihrer Zweigniederlassung im italienischen Covo. Oder aber auf dem Weg zu Terminen und Veranstaltungen, um mit ihrem Lenovo ThinkPad Yoga, einem 2in1 Touchscreen-Tablet, weitere Geschichten und Bezugsquellen für ihre Website zu sammeln. Den Kontakt zu ihrer Community pflegt sie über verschiedene Kanäle: so beispielsweise über den Altitude Seven Instagram-Account, auf dem Frauen ihre Abenteuergeschichten teilen, oder mit ihrer Veranstaltungsreihe She Ventures.

„Technik ist für Altitude Seven von großer Bedeutung“, sagt Georgina. „Sie ist ein fester Bestandteil unseres beruflichen Alltags und dank ihr können wir mit unserer Community in Verbindung treten und mit ihr interagieren.“ Als Frau in den von Männern dominierten Bereichen “Outdoor” und “Technik” ein Unternehmen zu gründen, sei eine Herausforderung gewesen. „Ich versuche, das nicht unbedingt negativ zu sehen, sondern als Chance, neue Wege zu gehen. Ich mache dies nicht nur für mich, sondern auch für andere in einer ähnlichen Situation, damit sie es in Zukunft leichter haben.“

Momentan laufen bei Georgina die Vorbereitungen für den Explorers Grand Slam. In diesem Rahmen wird sie in den kommenden elf Monaten die Carstensz-Pyramide in Papua-Neuguinea und den Mount Vinson in Antarktika besteigen, und auf Skiern bis in die hintersten Ecken des Nord- und Südpols vordringen. Für Georgina ist es ein weiterer Schritt auf ihrer Reise zu einem sinnvollen Leben und Unternehmen. „Es ist unheimlich wichtig, die eigene Berufung zu finden“, meint sie. „Manchmal führt kein direkter Weg dorthin, sondern man muss einem Gedanken folgen, und sehen wo dieser einen hinführt.“

Anmerkung der Redaktion: Georgina Mirandas Geschichte ist Teil der iQ-Reihe #SHEOWNSIT, bei der Frauen mit eigenen Unternehmen und deren Erfolgsgeschichten im Mittelpunkt stehen.

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