Zugang für alle

Mobile Zukunft: Das Smartphone zwischen Compute Stick und Wearable Hub

Es ist nicht mehr lange hin, bis wir die erste Dekade der Smartphones hinter uns gebracht haben. Klar, es gab sie bereits vor dem iPhone und dem ersten HTC G1 – doch die Massentauglichkeit wurde erst mit diesen Geräten erlangt. Smartphones waren fortan keine reinen Business-Maschinen mehr, sondern auch für den Otto-Normal-Verbraucher interessant, um beispielsweise so gut wie immer und überall auf mobiles Internet zugreifen zu können.

Vorgespult ins Jahr 2015. Wie ist der Stand der Dinge? Aufregend? Eigentlich nicht. Die Liste der Smartphone-Hersteller ist ins Unüberschaubare angestiegen und ein gutes Smartphone oder sogar ein Tablet-PC sind bereits für relativ kleines Geld erhältlich. Doch unterm Strich stagniert der Markt. Die Geräte werden immer schneller und die Kameras immer besser – bis auf einige Hersteller gibt es aber kaum ein Alleinstellungsmerkmal. Smartphones werden zudem immer größer und sollen am besten irgendwann die Tablets ablösen. Doch viele Käufer schrecken hiervor zurück und nutzen lieber mehrere Geräte, anstatt sich ein Mobiltelefon der Größe eines Backsteins an das Ohr zu hängen. Glücklicherweise gibt es aber immer noch Hersteller, die versuchen diese Ödnis in ein Wagnis zu verwandeln.

“Continuum” im Fokus

Wahre Vision eines „Computers für die Hosentasche“

So erhält Microsoft beispielsweise zu Recht aus allen Lagern viel Lob und Anerkennung, weil die Redmonder versuchen, neue Wege zu bestreiten. Dabei steht nicht so sehr die Augmented Reality-Brille HoloLens im Fokus, als vielmehr eine bislang eher unbeachtete Funktion namens Continuum. Sie ist in das kommende Windows 10 für Mobilgeräte quasi eingebacken, schließlich setzt die Programmbasis von Windows 10 für den Desktop und für Mobilgeräte gleich auf, so dass Entwickler spielend leicht eine Multi-App für alle Geräte bauen können. Aufgrund der gleichen Code-Basis liegt es nahe, dass der Nutzer sein Windows 10 Smartphone auch auf dem großen Bildschirm zum Einsatz bringen kann. Und hier setzt Continuum an.

Der Nutzer nimmt sein Smartphone, steckt es in ein entsprechendes Dock oder verbindet es via Kabel mit einem Bildschirm – und schon erhält er einen beinahe vollwertigen Desktop-PC. Maus und Keyboard können schließlich via Bluetooth oder über ein Dock verbunden werden. Dies ist die wahre Vision eines „Computers für die Hosentasche“, auch wenn aktuell leistungstechnisch keine Rakete erwartet werden darf.

continuum

Computing to go: Desktop-PC im Stick-Format

Es existieren viele Lösungen mit ähnlichem Ansatz

Diese Vision an sich ist allerdings keinesfalls neu. Motorola hatte mit Atrix und einem entsprechenden Laptop-Dock etwas sehr Ähnliches bereits vor vier Jahren vorgestellt. Da diese Technik jedoch auf Android basiert, ist der Einsatz von Desktop-Programmen wie etwa der Adobe Creative Suite bislang jedoch etwas eingeschränkt bis gar nicht möglich. In Punkto Office-Apps sieht es inzwischen anders aus, da Microsoft diese ja bekanntlich auch für Android und iOS umgesetzt hat. In der Praxis ist es sogar mit so gut wie jedem Android-Smartphone möglich, dieses in einem Desktop-Modus zu verwenden – inklusive Tastatur und Maus. Doch die wenigsten Menschen wissen davon, geschweige denn, dass sie diese Möglichkeit nutzen.

Und wie sieht es anderswo aus? Es gibt genügend 2-in-1-Formate oder kompakte PCs für die Hosentasche, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen. Hier wäre beispielsweise der in diesem Jahr vorgestellte ASUS Chromebit auf Google Chrome OS-Basis genannt: Ein kleiner HDMI-Stick, der sich mithilfe einer Maus, Tastatur und eines Bildschirms in einen Desktop-PC verwandeln lässt. Über die Einsatzmöglichkeiten von Chrome OS lässt sich hier sicherlich streiten, da es nahezu ausschließlich für Webanwendungen ausgelegt ist. Für den durchschnittlichen Medienkonsumenten, der ab und zu Filme und Musik streamt oder Office-Apps online nutzt, ist diese Lösung aber sicherlich ausreichend und mit 249 US-Dollar auch relativ günstig.

chromebit

Interessantes System, unattraktive Bauart

Tablet nimmt Smartphone einfach huckepack

Weitere Alternativen gibt es natürlich auch auf Basis von Windows. So beispielsweise den Intel Compute Stick oder den IdeaCentre Stick 300 von Lenovo. Doch es gibt auch andere Formate, die bereits erhältlich und vielversprechend sind, auch wenn sie nicht unbedingt von der breiten Masse gut aufgenommen wurden. Dazu zählt beispielsweise das ASUS PadFone.

Stick-Gif

Dieses Kombigerät nimmt das Android-Smartphone im wahrsten Sinne des Wortes huckepack und verwandelt es in ein 10-Zoll Full-HD-Tablet. Dazu wird das Smartphone einfach hinten ins Tablet eingeschoben und schon kann auf sämtliche – auch lokal gespeicherte – Inhalte zugegriffen werden. Interessantes System eigentlich, doch aufgrund der Bauart für viele zu schwer und zu klobig. Wandert der Blick daher in eine nicht ganz zu ferne Zukunft, so könnte alternativ auch das Crowdfunding-ProjektNeptune“ viel Potenzial besitzen.

Vision vom Computer als Wearable 

Wo geht die Reise hin? Schwierig vorherzusagen.

Das Projekt wurde dieses Jahr mit weit über einer Million US-Dollar gefundet und verbindet nahtlos die Bereiche Desktop-PC, Smartphone, Tablet und Wearables miteinander. Die Vision der Macher ist es, dass ein Computer als Wearable ums Handgelenk geschnallt wird und von dort aus als Hub für weitere Geräte dient. Es kann als Smartwatch genutzt werden und überträgt die Inhalte drahtlos an andere Geräte weiter – sei es an ein Smartphone, ein Tablet oder via HDMI-Dongle an einen großen Bildschirm. Der Clou an der Geschichte ist zusätzlich, dass die genannten Geräte lediglich als Display dienen: Geht eines dieser Displays kaputt oder wird gestohlen, lässt sich kostengünstig Ersatz beschafft, ohne Sorgen daran, dass ein Dieb an sensible Daten kommen könnte. Denn diese werden schließlich im Hub gespeichert, der sich am Handgelenk befindet. Schlecht sieht es also erst aus, wenn dieser abhandenkommt.

Doch was ist der Status Quo der ganzen Kombigeräte-Sache? Und wo geht die Reise hin? Schwierig vorherzusagen. Immer wieder versuchen Hersteller interessante Konzepte in die Realität umzusetzen, scheitern jedoch an mangelndem Interesse des Käufers. In wenigen Jahren dürften wir das Zeitalter der faltbaren Displays in ausgereifter Form erreicht haben, was dem Markt von regulären Smartphones bis hin zu großen Displays und TV-Geräten bestimmt eine neue Richtung geben dürfte. Doch eine Lösung, die ein kleines tragbares Gerät in einen vollwertigen Desktop-Computer verwandelt, ist noch nicht da. Der aktuelle Stand der Dinge mag für viele Menschen nicht mehr so spannend sein, doch die Hoffnung stirbt zuletzt, dass irgendwann eine Zeit der Innovationen wiederkehrt.

Cover-Foto: Facebook – Neptune
Bild 1 & 2: Microsoft – Continuum
Bild 5: Chrome blog
Bild 4: Flickr – Com Salud (CC BY 2.0)

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