Computerspiele

Mode und Gaming: Videospiele als Vorbild für Styles der realen Welt

Mode aus der 3D-Welt von Computerspielen inspiriert neue Fashion-Trends und eröffnet Möglichkeiten für branchenübergreifende Kooperationen.

Einst waren sie der Dresscode der Gaming-Gemeinschaft: Kapuzenpullis und T-Shirts der alternativen Bekleidungskette Hot Topic, die Siebdruck-Abbildungen aus Mainstream- und Indie-Games zeigen. Das änderte sich, als große Modemarken damit anfingen, sich mit Spieleentwicklern zusammenzutun. Auf der New York Fashion Week wird jedes Jahr deutlicher, wie sehr Technik die Modewelt digitalisiert: angefangen bei elektrifizierten Kleidern bis hin zu Virtual Reality (VR) auf dem Laufsteg. Hinter dem Fashion-Tech-Trend steckt eine wachsende Zahl an Kooperationen zwischen Branchenführern in der Mode- und Gaming-Industrie.

„Die Subkultur der Gaming-Mode hat sich über die Jahre hinweg entwickelt“, so Amanda Erickson, die 2011 das Modeblog Closet to Console ins Leben rief. „Als die Gaming-Industrie mit dem Merchandising begann, gab es nichts außer einer Reihe von T-Shirts in Einheitsgrößen.“ Zu diesem Zeitpunkt war ihr noch nicht bewusst, wie viele Menschen ihre Leidenschaft – das Kombinieren von Mode und Videospielen – teilten. Einige Jahre und mehrere tausend Follower später lebt Erickson nun in einer Welt, in der sich Marken wie Louis Vuitton mit der Final-Fantasy-Schmiede Square Enix zusammentun.

Gaming auf der Gala im Metropolitan Museum of Art

Teddy Diefenbach, Schöpfer von Hyper Light Drifter, ist der Ansicht, dass sich durch die Kombination aus Spiele-Design und High-Fashion neue Gelegenheiten auftun. „Die Zusammenarbeit dieser beiden Fachgebiete führt zwangsläufig zu neuen Ideen. Ganz zu schweigen von den großartigen Produkten, die sowohl der Mode- als auch der Gaming-Industrie zugutekämen“, schreibt er in seinem Kommentar auf der Gaming-Seite Polygon.

Mode schafft immer häufiger den Sprung aus der Spielewelt in die Realität.
Mode schafft immer häufiger den Sprung aus der Spielewelt in die Realität.

Vergangenen Mai stolzierte die Prominenz anlässlich einer der wichtigsten Veranstaltungen der Modewelt über den roten Teppich im Metropolitan Museum of Art (Met) in New York. Als Kim Kardashian in einem futuristischen Metallic-Kleid von Balmain auftauchte, war klar, dass auf der Met-Gala Realität auf Science-Fiction trifft. Das Thema „Manus x Machina: Fashion in the Age of Technology“ war vielseitig vertreten. Doch der ehemalige One-Direction-Sänger Zayn Malik zog die Aufmerksamkeit der Gamer ganz besonders auf sich. In einem tadellosen schwarzen Versace-Anzug mit selbst entworfenen, bionischen Armpartien bestätigte Malik, dass sein Outfit der klassischen Mortal-Kombat-Figur Jax nachempfunden sei.

Inspirationen von Prince und dem Tamagotchi

Dazed gegenüber erklärte Malik, er hoffe auch darauf, durch das Übernehmen des Looks eines virtuellen Charakters erneut großen Einfluss auf die Modewelt nehmen zu können. „Viele meiner Ideen sind von Technik und Prince inspiriert“, sagt Malik mit Bezug auf die modebewusste Musik-Ikone. „Er hatte eine mutige, furchtlose Art, sich zu kleiden. Er schuf mit seiner Kleidung eine andere, neue Welt – und das verlieh ihm diese überirdische Aura.“

Das Indie Game Limbo inspirierte die Designerin Anouk Wipprecht zu ihrem Spinnenkleid.
Das Indie Game Limbo inspirierte die Designerin Anouk Wipprecht zu ihrem Spinnenkleid.

In der Zwischenzeit setzten Orlando Bloom und Katy Perry ein modisches Ausrufezeichen. Denn sie verwandelten ein Gaming-Design in ein Accessoire für die echte Welt. Am Gürtel von Katy Perrys Kleid – welches, wie einige behaupten, eine unheimliche Ähnlichkeit mit der Nintendo-Figur Bayonetta hatte – war ein Tamagotchi angebracht. Jener japanische Haustier-Simulator, der sich in den 90er-Jahren großer Beliebtheit erfreute.

SpinnenKleid aus dem Indie-Game-Hit

Das 2010 vom dänischen Spieleentwickler Playdead veröffentlichte Spiel Limbo war einer der ersten großen finanziellen und richtungsweisenden Hits der Indie-Games-Bewegung. Die düstere, einfarbig stilisierte Schönheit des Spiels verschob die Grenzen von Kunst und Design bei Videospielen. Jahre später sollte die Designerin Anouk Wipprecht von der furchteinflößenden Optik und den Spiel-Animationen zu ihrem Spinnen-Kleid inspiriert werden. Dieses war 2015 zum ersten Mal auf Shows der Technikbranche und auf Laufstegen zu sehen.

Die Inspiration für das Spinnen-Kleid lieferte Wipprechts Faszination für die berüchtigt brutale Art, auf die der Spieler bei Limbo getötet wird. Insbesondere die Szene, in der eine riesige Monsterspinne „den Körper der Spielfigur einfach aufspießt“, beeinflusste die abwehrenden Spinnenbeine des Kleids. Mit dem Intel-Edison-Compute-Modul designte Wipprecht das Kleid so, dass es erkennt, wenn sich die Trägerin unsicher fühlt. Dadurch werden die mechanischen Glieder in Bewegung gesetzt, um den persönlichen Raum der Trägerin zu schützen.

Zusammenarbeit zwischen Mode- und Spielwelt

Genauso wie Spiele Modedesigner beeinflussen, beeinflussen modebewusste Fashionistas nun auch Spiele. Die gegenseitige Bewunderung führt zu einigen, noch nie dagewesenen Kooperationen zwischen der Gaming- und der Modewelt. Der 2013 veröffentlichte mobile Spielehit Kim Kardashian: Hollywood, in dem es hauptsächlich um Mode und High-End-Kleidung geht, wurde 45 Millionen Mal heruntergeladen. „In diesem Spiel ist so vieles von Looks inspiriert, die ich liebe und selbst ausgewählt habe – von den Outfits über die Frisuren bis hin zu den Accessoires“, so Kardashian.

Kim Kardashian bringt High-End-Kleidung und Computerspiele zusammen.
Kim Kardashian bringt High-End-Kleidung und Computerspiele zusammen.

Indem kostspielige High-End-Mode in eine digitale Welt übertragen wird, machen das Spiel und sein Spin-Off-Game Kendall & Kylie die Welt der Haute Couture für jeden zugänglich. Und das unabhängig davon, in welchem Preissegment jemand zu Hause ist. Bei dem Spiel wurde mit den bekanntesten Namen der Modewelt zusammengearbeitet, darunter Juicy Couture, Judith Leiber Couture, und sogar Balmain Paris, der Schöpfer von Kardashians Met-Gala-Kleid.

Figur aus Final Fantasy auf dem Laufsteg

In der Vergangenheit war der Name Louis Vuitton mit Naomi Campbell und Kate Moss assoziiert, die mit markanten Wangenknochen lässig über die Laufstege stolzierten. Für die Frühjahrs- und Sommerkollektion 2016 entschied sich die Marke jedoch für eine kampferprobtere und digitale Heldin: Lightning, die Final-Fantasy-Figur mit den pinkfarbenen Haaren. Ein Video der Kampagne zeigt Lightning den Laufsteg entlangschreiten und Kampfstellungen einnehmen. Währenddessen schwingt sie eine schwarze Louis-Vuitton-Clutch durch die Luft als wolle sie jeden Moment einen vernichtenden Firaga-Zauber ausstoßen.

Die Final-Fantasy-Figur Lightning läuft für Louis Vuitton über den Laufsteg.
Die Final-Fantasy-Figur Lightning läuft für Louis Vuitton über den Laufsteg. Bild: Square Enix und Louis Vuitton

In einem Interview mit der Zeitung The Telegraph über das Aufeinandertreffen von Gaming-Welt und Modeindustrie beschrieb Lightning, wie diese Zusammenarbeit ihren Blick auf die Mode verändert hat. „Mode zeigt den anderen Menschen, wer eine Person wirklich ist“, sagt der Avatar. „Ich hoffe, dass wir eines Tages auf derselben Bühne stehen und dass verschiedene Welten zusammenkommen können. Aber wer weiß das schon? Vielleicht ist das ein hochgestecktes Ziel, selbst für mich.“

Spielefiguren bedeuten ein neues Ausdrucksmittel für die Modeindustrie.
Spielefiguren bedeuten ein neues Ausdrucksmittel für die Modeindustrie. Bild: Square Enix und Louis Vuitton

Ghesquière, Creative Director bei Louis Vuitton, hofft, dass die Kooperation mit Square Enix interessante Fragen bezüglich der verschwimmenden Grenzen von Videospiel- und High-Fashion-Welt aufwirft. „Wie lässt sich ein Bild erschaffen, das über die klassischen Prinzipien der Fotografie und des Designs hinausgeht?“, fragt er in einem The Telegraph- Interview. „Lightning läutet ein neues Zeitalter der Ausdrucksformen ein.“

 

Caty McCarthy iQ Contributor and Killscreen Author

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