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Mode und Hightech: Wearables zwischen Adrenaline Dress und Aero Sport-BH

Angefangen bei Open-Source-Programmierung bis hin zur Anfertigung von Cocktailkleidern mit Biomimikry-Effekten: Karlina Cengija steht stellvertretend für eine neue Generation junger Frauen, die traditionelle Bildung mit selbst erlernten Fähigkeiten verbindet, um mit Wearable-Technik neue Wege zu beschreiten. Die in Bosnien geborene Innovationstechnikerin hilft Modedesignerinnen bei der Fertigung anpassungsfähiger Kleidungsstücke, die ihre Form und Farbe wechseln oder Veränderungen des emotionalen oder physischen Zustands der Trägerin zum Ausdruck bringen.

Cengija experimentiert dazu mit Technik und Materialien, um Stoffen neue Fähigkeiten zu verleihen. Aber der entscheidende Aspekt besteht darin, dass die technischen Produkte auf natürliche Weise passen und funktionieren müssen. „Ich möchte Designerinnen dabei helfen, von mechanischen, ruckartigen Bewegungen wegzugehen und flüssigere, organischere Abläufe zu erzielen, wie wir sie in der Natur beobachten können“, erklärt Cengija.

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Wearables zwischen Adrenaline Dress und Aero Sport-BH

Formgedächtnislegierungen für echter wirkenden Übergang

Die junge Technikerin half vor kurzem der bei Chromat tätigen Modedesignerin Becca McCharen bei der Anfertigung ihres mit Flügeln ausstaffierten Adrenaline Dress und des auf die Trägerin reagierenden Aero Sport-BHs für die Frühjahrs- und Sommerkollektion der New York Fashion Week 2016. Diese Kleidungsstücke, die mit Computertechnik und Sensoren ausgestattet sind, passen sich eigenständig an den Puls und den Transpirationsgrad der Trägerin an. Während das Adrenaline Dress durch das Ausbreiten oder Anlegen seiner auf dem Rücken angebrachten Flügel Emotionen ausdrückt, öffnet sich der BH geringfügig, um Kühlung zu spenden.

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Der Sport-BH wurde aus einem speziellen Material hergestellt, das auf Computerbefehle reagiert, indem es bei Änderungen des Transpirationsgrads, der Atmung und der Körpertemperatur Lüftungsschlitze öffnet. „Um einen natürlicheren, echter wirkenden Übergang zu erzielen, verwendeten wir Formgedächtnislegierungen“, erklärte Cengija und fügte hinzu, dass die Inspirationsquelle für ihre Arbeit ein Origami-Papierfaltkurs war. Sie betont, dass es diese Kleidungsstücke zwar noch nicht zu kaufen gibt, aber die Experimente zeigen, was mit Wearable-Technik alles realisiert werden kann. „Wir holten uns viele Anregungen in der Tierwelt“, erklärte sie. „Wir beobachteten Pflanzen, Bäume und andere Dinge in der Natur, mit denen wir interagieren.“

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Gedankengesteuerter Avantgarde-Roboter 

Kleid, das die Trägerin besser kennt als sie sich selbst

Für Cengija begann die Einbindung von Biomimikry in die Prototyp-Entwicklung von Damenbekleidung bereits 2013, als sie gemeinsam mit der holländischen Avantgarde-Designerin Anouk Wipprecht das Synapse Dress entwickelte – ein Kleid, das Stimmungsveränderungen wahrnimmt.  Angesichts der Fähigkeit, biologische Signale wie den Herzschlag, Hirnaktivitäten und den Grad der Ablenkung zu erkennen, beschrieb Wipprecht das Synapse Dress als ein Kleid, das „die Trägerin gelegentlich besser kennt als sie sich selbst“.

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Vor ihrem Einstieg bei Intel im Jahr 2010 baute Cengija Computer, arbeitete aber nie mit Mikrocontrollern und Servomotoren, die bei der Produktion von beweglichen Spielzeugartikeln und Robotern als Computer- und Bewegungsmechanismen dienen. In der Zwischenzeit baute sie aus einem am Kopf montierten EEG-Biosensor, einem iRobot und Wireless-Technik einen gedankengesteuerten Roboter, der es dem Synapse Dress später gestatten sollte, auf den emotionalen Zustand der Trägerin zu reagieren. Wann immer diese aufgeregt war, aktivierte die Technik Lämpchen und eine integrierte Kamera, die wichtige Momente aufzeichnete. Die Trägerin musste hierfür keinen Finger rühren.

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Gute Ideen, einfache Komponenten, gemeinschaftliche Umsetzung

Spinnenbeine, die je nach Gefahrenstufe angreifen

Dieses praxisorientierte Herumtüfteln veranlasste Cengijas Team, Wipprecht Ende 2014 bei der Fertigstellung eines innovativen Cocktailkleids zu helfen. Das Spider Dress schützt die Distanzzone der Trägerin. Das im 3D-Druckverfahren hergestellte experimentelle Kleid ist am Kragen mit einer Art Krone aus robotischen Spinnenbeinen versehen, die je nach Gefahrenstufe angreifen oder sich zurückziehen.

Einfach erhältliche und programmierbare Elektronikkomponenten helfen, ihre Ideen in Gemeinschaftsprojekten zum Leben zu erwecken. Die Computermodule Intel Edison und Intel Curie sind zum Beispiel mit am Körper angebrachten Sensoren verbunden, die die Atmung, den Transpirationsgrad und die Körpertemperatur einer Person messen. Die Computermodule verarbeiten anschließend Algorithmen, die Mikrocontroller oder spezielle Materialien zu Reaktionen veranlassen.

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Und was kommt als Nächstes?

Haptische Elemente erinnern uns daran, ruhig zu bleiben

Cengija möchte ihre Biomimikry-Arbeit auch in Zukunft weiterentwickeln. „Ich interessiere mich für reaktionsfähige Kleidungsstücke, aber auch reaktionsfähige Objekte in unseren Häusern“, sagte sie. „Dinge, die sich basierend auf unserem internen Zustand oder anderen Faktoren in der Umgebung verändern.“ Sie ist darüber hinaus fasziniert von Biolumineszenz, der Art, wie lebende Organismen mithilfe von Licht kommunizieren. „Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre Kleidung basierend auf dem Gesichtspunkt wählen, wo Sie hingehen und wie Sie sich in der jeweiligen Umgebung fühlen werden, oder was Sie in dieser Umgebung ausdrücken möchten“, erklärte sie.

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Für eine laute Sportveranstaltung könnte eine Person zum Beispiel Kleidung wählen, die bei jeder „Becker-Faust“ und jedem Siegesjubel aufleuchtet. Cengija schildert zudem, wie ein Cocktailkleid schimmern oder seine Form verändern könnte, um die Präsenz der Trägerin bei einer Party zu intensivieren, und wie es sich anschließend in ein normales schwarzes Kleid zurückverwandeln könnte. Oder wir könnten bei einem Arztbesuchen ein Unterhemd tragen, das beruhigend wirkt und mit haptischen Elementen daran erinnert, ruhig zu bleiben. Cengija kann sich auch vorstellen, dass Menschen reaktionsfähige Kleidung, etwa eine Bluse oder Weste, tragen könnten, der beim Sinken der Temperatur längere Ärmel wachsen.

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