Die Zukunft der Wearables

Modewelt: AR und VR bringen neue Fashiontrends hervor

Kristin Houser Writer & Editor, LA Music Blog

In der Modewelt setzen Designer und Geschäfte Technologien wie Augmented und Virtual Reality ein, um ihren Kunden ein besonderes Erlebnis zu bieten.

Der nächste Fashiontrend wird wohl kaum eine Neuauflage des „kleinen Schwarzen“ in Form eines Abendkleids sein, sondern wohl eher ein kleines schwarzes Headset. Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) halten zunehmend Einzug in unserem Alltag. Da liegt es nahe, dass sich auch innovative Player der Modewelt dieser Techniken bedienen, um ihren kreativen Visionen Leben einzuhauchen.

„Dieser neue Raum – VR – erfordert unkonventionelles Denken“, erklärt die isländische Modefotografin Ruvan Wijesooriya. Eines ihrer jüngsten Projekte ist das Video „Unstitched“: Es lässt den Zuschauer mit Hilfe von VR-Technik hinter die Kulissen eines Modeshootings blicken.

Technologien wie Augmented und Virtual Reality revolutionieren auch die Modewelt.
Technologien wie Augmented und Virtual Reality revolutionieren auch die Modewelt.

 

virtuelles Fotoshooting

Der pulsierende Soundtrack, die attraktiven Models und humorvollen Elemente in Wijesooriyas Video erinnern an einen stylischen Musik-Clip. Doch „Unstitched“ ist weit mehr als das. Mit Mausklicks oder durch das Drehen des Kopfes kann der Betrachter das gesamte Studio im 360-Grad-Winkel einsehen. So lassen sich nicht nur die Models vor der Kamera, sondern auch die Belichtungstechnik und Crew bei der Arbeit beobachten. Das Video entstand aus einer Zusammenarbeit von Virtualize und The Endless Collective, einer auf Spezialeffekte und Spiele spezialisierten Entwicklergruppe, die gemeinsam mit Wijesooriya ein Projekt umsetzen wollte.

Das Video „Unstitched“ zeigt ein Fotoshooting mit Hilfe von VR-Technik.
Das Video „Unstitched“ zeigt ein Fotoshooting mit Hilfe von VR-Technik.

Das Ergebnis wurde in verschiedenen Formaten veröffentlicht: Neben einer Cover-Story in der isländischen Ausgabe von Glamour erschien es als 2D- und 360-Grad-Video in verschiedenen sozialen Medien. Aber auch die vollständige VR-Experience können Fans miterleben – vorausgesetzt, sie verfügen über ein entsprechendes Headset. Um gleichzeitig für die Wiedergabe in verschiedenen Medien geeignet zu sein, waren bei der Produktion komplexe Überlegungen notwendig. „Durch meine interdisziplinäre Ausrichtung kann ich meine Arbeit aber vielseitig und auf erstaunlichste Art und Weise in die VR umsetzen“, so Wijesooriya.

hinter den kulissen der modewelt

Auch das berühmte Luxus-Label Dior setzt auf Virtual Reality. Anhand des VR-Headsets „Dior Eyes“ können Käuferinnen und Käufern in ausgewählten Dior-Boutiquen virtuellen Zugang zu einem der exklusivsten Bereiche der Modewelt erhalten: dem Backstage-Bereich einer Fashion Show. Die als „weltweit erste Kombination aus VR-Bildtechnik und Tonaufnahmen in 360 Grad“ beworbene VR-Brille wurden von DigitasLBi France entwickelt.

Mit den Dior Eyes blicken Fahionistas hinter die Kulissen der exklusiven Modewelt.
Mit den Dior Eyes blicken Fahionistas hinter die Kulissen der exklusiven Modewelt.

Das kompakte VR-Headset wird zu 100 Prozent mit einem 3D-Drucker gefertigt. Für die exklusive VR-Experience sind zusätzlich ein Smartphone mit hochauflösendem Display sowie eine speziell entwickelte App nötig, die Ton- und Videoaufnahmen im 360-Grad-Format rendern kann. Die Tonaufzeichnung für die Dior Eyes erfolgte mithilfe binauraler Audiotechnik.

Das kaufhaus der zukunft

Bereits im Mai dieses Jahres kündigten eBay und der australische Einzelhändler Myer eine Kooperation an, im Rahmen derer sie das Online-Shopping-Erlebnis von Fashionistas mithilfe von VR-Technik transformieren wollen. „Unser virtueller Shop eröffnet einen spannenden Blick in die Einkaufsmöglichkeiten der Zukunft“, sagt Mark Cripsey, Chief Digital and Data Officer bei Myer. Um das Geschäft „betreten“ zu können, müssen Benutzer die Virtual Reality Department Store App  von eBay herunterladen und anschließend ihr Smartphone in einen VR-Viewer einlegen. Myer verschenkte 15.000 Stück des speziell für die App konzipierten Karton-Viewers namens Shopticals.

Die Zukunft der Modewelt: Virtuelle Geschäfte wie von eBay und Myer in Australien.
Die Zukunft der Modewelt: Virtuelle Geschäfte wie von eBay und Myer in Australien.

Die Navigation erfolgt mithilfe von eBay Sight Search. Bei dieser Eye-tracking-Technik müssen Benutzer einen Artikel lediglich genauer anschauen, um ihn zu kaufen. Wenn ein Benutzer einen Artikel längere Zeit mit seinem Blick fixiert, werden Produktdetails wie etwa der Preis und die Verfügbarkeit angezeigt. Der Benutzer kann einen Artikel aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und, ebenfalls durch Blickkontakt, in den digitalen Einkaufskorb legen.

Die Produkte, Preise und Verfügbarkeit werden von Myer in Echtzeit aktualisiert. „Dies ist eine weltweite VR-Premiere“, freut sich Steve Brennen, Senior Director Retail Innovation bei eBay. „Diese Art von Code wurde zuvor noch nie geschrieben.“ Der Shop orientiert sich zudem an den Interessen der Benutzer und bietet basierend auf früheren Einkäufen neue Produkte zur Auswahl an.

von daten generierte outfits

Während die virtuelle Realität den Betrachter in eine rein künstliche Situation hineinversetzt, vermischt die erweiterte Realität digitale Elemente mit der realen Umgebung. Diese Technik machten sich auch die Schaffer des Projekts „Apparel“ der Künstlerkollaboration NORMALS zunutze. Darin ist das digitale Element ein neues Outfit, das die jeweiligen Social-Media-Aktivitäten des Benutzers widerspiegelt.

Und das funktioniert so: Nachdem die Apparel-App mit dem Twitter-Profil eines Benutzers verknüpft ist, werden per Data-Mining gewisse Faktoren bestimmt. Das sind etwa häufig verwendete Schlüsselwörter, die Frequenz geposteter Beiträge und die Anzahl der Follower. Aus diesen Variablen wird die digitale „Kleidung“ des Benutzers kreiert. Die Outfits lassen sich an einem digitalen Modell, anhand eines AR-Codes zum Ausdrucken oder an einem physischen Apparel-Standort in einer interaktiven Installation betrachten.

Die App Apparel kreiert Outfits auf Basis von Social Media-Aktivitäten.
Die App Apparel kreiert Outfits auf Basis von Social Media-Aktivitäten.

NORMALS erläutert das Konzept folgendermaßen: Die Daten über den Benutzer werden in 3D-Kleidungsstücke umgesetzt, die „einen Aspekt der Persönlichkeit oder persönliche Interessen repräsentieren“. Die resultierenden Outfits werden mit ziemlicher Sicherheit für Aufsehen sorgen. „Wenn ein Benutzer häufig Beiträge über Tiere teilt, wird er in Apparel lange Haare bekommen. Wer regelmäßig über Sport twittert, wird zum virtuellen Muskelprotz“, erklärt das Team. „Der Benutzer trägt gewissermaßen seinen eigenen Avatar – ein Ich – , das außerhalb der sozialen Netzwerke gar nicht existiert.

virtuelles einkaufen und intelligente spiegel

Eines der nächsten Ziele der Künstler soll die Realisierung des perfekten Outfits sein. „In Zukunft wird ein Käufer seine Maße einscannen und einem Einzelhändler zur Verfügung stellen können, so dass dieser eine präzise Abbildung des Käufers besitzt“, sagt er. Und diese Zukunft liegt näher als wir denken. Der MemoMi MemoryMirror, in dem ein Intel Core i7 Prozessor eingebaut ist, hilft Käufern, einen Überblick über alle bereits anprobierten Kleidungsstücke zu bewahren. Jeder Artikel wird als 360-Grad-Bild gespeichert. Anschließend kann der Käufer den intelligenten Spiegel verwenden, um zuvor anprobierte Kleidungsstücke nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen, ohne sie ein zweites oder drittes Mal anziehen zu müssen.

Dieser intelligente Spiegel ist nur eines der neuen, smarten Shopping-Gadgets, die in die Modewelt Einzug halten. Kunden können mit der Intel RealSense-Technik ihren Körper scannen und zum Beispiel online ein maßgeschneidertes Hemd kreieren. Dessen ungeachtet wird auch diese neue Technik zeigen, dass ein kleines schwarzes Headset dem „kleinen Schwarzen“ zwar durchaus Konkurrenz machen kann. Aber jede modebewusste Frau weiß, dass es letztendlich auf die passenden Schuhe ankommt.

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