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Multidimensional & sensorisch: So verändert Technik das Kinoerlebnis

Moderne Technik verändert die Art und Weise, wie wir Filme schauen. Doch ist sie auch in der Lage, das traditionelle Kinoerlebnis zu transformieren?

Der klassische Kinobesuch hat in den vergangenen Jahren starke Konkurrenz bekommen. Denn wer einen neuen Film sehen will, kann diesen meist schon wenige Wochen nach seinem Erscheinen ins heimische Wohnzimmer streamen – Netflix und Amazon sei Dank. Auch fortschrittliche Hardware wie 4K-Fernseher und Surround-Sound-Systeme ermöglichen immer beeindruckendere Filmerlebnisse, die keines Kinosaals mehr bedürfen.

Angesichts dieser Entwicklung scheint es, als ob das Konzept Kino langsam ausgedient hätte. Denn auch Innovationen wie 3D-Filme gehören heute zum Standardprogramm. Doch vielleicht ist die ein oder andere moderne Technologie in der Lage, dem traditionellen Kinoerlebnis neues Leben einzuhauchen und es wieder zu etwas Besonderem zu machen. Wir haben einige davon genauer unter die Lupe genommen:

Virtual Reality

Virtual Reality (VR) ist in der Filmbranche aktuell ein beliebtes Thema. Das zeigten auch Vorführungen auf einigen der bekanntesten Filmfestivals in diesem Jahr. In Amsterdam hat 2016 das erste VR-Kino eröffnet, weitere auf der ganzen Welt sollen folgen. Doch für bereits bestehende Kinos ist die Einführung von VR-Technologie mit einigen Hürden verbunden.

Herkömmliche Kinosäle sind kaum in der Lage, die räumlichen Voraussetzungen für immersive 360-Grad-Erlebnisse zu erfüllen. Auch für den Umgang mit Begleitphänomenen wie VR-Übelkeit müssten neue Lösungen gefunden werden. Um die Virtuelle Realität ins Kino zu bringen, wäre also der Aufbau einer komplett neuen Infrastruktur nötig, die für die meisten Betreiber zu teuer und aufwendig wäre.

Sollte VR dennoch in den Kinosaal einziehen, wird sie mit Sicherheit einen großen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie Filme gemacht und wie sie geschaut werden. Regisseure und Autoren müssten sich weg vom traditionellen Storytelling und mehr hin zu individuell erlebbaren Geschichten bewegen. Denn das Risiko, dass die Zuschauer eine wichtige Handlung verpassen, weil sie schlicht und einfach in die falsche Richtung schauen, will wohl kein Filmemacher eingehen.

4D-Kino

Die 4. Dimension beschreibt beim 4D-Kino nicht die Zeit. Vielmehr sind damit zusätzliche Effekte wie Duft, Wind, Wasser, Licht oder auch bewegliche Sitze gemeint, die einen Film auf einer sensorischen Ebene ergänzen sollen. Solche 4D-Erlebnisse gibt es zwar schon – meistens in Freizeitparks oder Museen. Doch bis in den Kinosaal sind sie bislang nicht vorgedrungen.

Virtual Reality könnte das Filmerlebnis von Grund auf verändern.
Virtual Reality könnte das Filmerlebnis von Grund auf verändern. Bild: Flickr –Marco Verch (CC BY 2.0) – (Montage)

Grund dafür könnte sein, dass Kinobetreiber auch hier massive Umbauten vornehmen müssten, um den Zuschauern ein wirklich beeindruckendes 4D-Erlebnis zu bieten. Einfacher ist das für Hersteller von Unterhaltungselektronik wie etwa Samsung. Das Unternehmen lockt Besucher aktuell mit der Show Surviving the Titanic in seinen New Yorker Flagship-Store. Mit einer Samsung Gear VR-Brille ausgestattet, können sie den Untergang des berühmten Schiffes in einer perfekten Simulation nacherleben.

3D ohne Brille

Die 3D-Technik ist bereits ein alter Hut, denn der erste stereoskopische Kinofilm wurde schon im Jahr 1922 aufgeführt. 2009 erlebte die Technik mit James Camerons Fantasy-Spektakel Avatar – Aufbruch nach Pandora schließlich ihre bisher größte Blütezeit. Seither zeigen viele Kinos Filme in 3D – allerdings müssen sich die Zuschauer dafür nach wie vor unschöne Plastikbrillen auf die Nase setzen.

3D-Filme wurden schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgeführt.
3D-Filme wurden schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgeführt. Bild: Flickr – The National Archives UK (OGL)

Der für den 3D-Effekt nötige Filter lässt sich inzwischen zwar direkt in den Monitor integrieren, wie beispielsweise Nintendos Handheld-Konsole 3DS zeigt. Die dabei genutzte Autostereoskopie erfordert jedoch, dass der Nutzer seinen Kopf nahezu starr vor der Mitte des Bildschirms hält, um den dreidimensionalen Eindruck nicht zu verlieren. Die neuesten Geräte haben deshalb ausgefeilte Head-Tracking-Technologien eingebaut, die das Bild automatisch an die Kopfbewegungen des Nutzers anpassen. Doch diese Daten für jeden Zuschauer in einem Kinosaal zu erheben und zu verarbeiten, dürfte sich als eine echte Herausforderung herausstellen.

Laser-Projektoren

Die Weiterentwicklung der Projektor-Technik sorgt zwar nicht für ein gänzlich neues Filmerlebnis, dafür aber für eine deutliche Verbesserung der Bildqualität. Laser-Geräte können beispielsweise schwarze Flächen besser als herkömmliche Projektoren anzeigen, wodurch ein schärferes und kontrastreicheres Bild entsteht. Bisher wird die Technik hauptsächlich von großen Betreibern wie IMAX eingesetzt, doch auch kleinere Kinos werden sicherlich bald nachziehen.

Alleine wird voraussichtlich keine dieser Technologien in der Lage sein, das Kinoerlebnis nachhaltig zu revolutionieren. Doch gemeinsam haben VR, sensorische Special-Effekte und die stetig steigende Bildqualität durchaus das Potenzial, die Art und Weise, wie wir Kinofilme schauen, zu verändern. Und am Ende entscheidet (hoffentlich!) auch die künstlerische Leistung hinter einem Film darüber, ob er ein großes Publikum anlockt – oder eben nicht.

Cover-Foto: Flickr – Guido van Nispen (CC BY 2.0) – (Montage)

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