Wissenschaft

Nach über 50 Jahren: Doktorarbeit von Stephen Hawking endlich online verfügbar

Mit seiner Dissertation legte Stephen Hawking die Grundlage seiner wissenschaftlichen Karriere – jetzt ist sie im Netz öffentlich zugänglich.

Einen Nobelpreis hat er bislang zwar nicht erhalten, trotzdem ist er wohl der mit Abstand bekannteste noch lebende Wissenschaftler der Welt. Es gibt ihn als Figur im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds oder als Gast in Fernsehserien wie „The Big Bang Theory“ und „Raumschiff Enterprise“. Sein 1988 erschienenes, populärwissenschaftliches Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wurde in 40 Sprachen übersetzt, hat sich rund zehn Millionen Mal verkauft und hielt sich 237 Wochen lang in der Bestsellerliste der Sunday Times – länger als irgendein anderes Buch. Kurzum: Der Astrophysiker Stephen Hawking ist ein Popstar.

Für alle, die sich für seine frühe Arbeit interessieren, gibt es nun gute Neuigkeiten. Denn im Zuge der „Open Access Week“ hat die Universität Cambridge nach über einem halben Jahrhundert erstmals die Promotionsarbeit des inzwischen 75-jährigen auf ihre Website für offen zugängliche Quellen hochgeladen. Dort kann sie kostenlos eingesehen und sogar herunterladen werden. Zumindest so lange, wie die Technik mitspielt. Denn bereits innerhalb weniger Stunden nach der Verfügbarmachung wurde die Dissertation 60.000 Mal abgerufen. Zeitweise war der Ansturm so groß, dass die Website komplett überlastet war und zusammenbrach.

Digitale Doktorarbeiten in Cambridge zukünftig Pflicht

Wie viele der Besucher des Online-Archivs den Inhalt der 134 Seiten umfassenden Arbeit mit dem Titel „Merkmale sich ausdehnender Universen“ („Properties of Expanding Universes“) tatsächlich gelesen und verstanden haben, steht allerdings in den Sternen. Denn leichte Kost ist die Dissertation über theoretische Astronomie und Kosmologie keinesfalls. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie das Universum entstanden ist und welche Konsequenzen seine Expansion für seine weitere Evolution hat.

In seiner Dissertation schreibt Hawking über die Merkmale sich ausdehnender Universen.

Dass Hawkings Promotionsarbeit jetzt für jedermann zugänglich gemacht wurde, hängt wahrscheinlich mit einem seit einigen Jahren beobachtbaren Trend zum „Open Source“-Publizieren zusammen. Mit der Aktion will Cambridge auch andere Wissenschaftler dazu ermuntern, die Früchte ihrer Arbeit im Online-Archiv der Universität kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Hawking als Vorreiter für frei zugängliches Wissen

Hawking selbst erklärte im Zuge der Veröffentlichung,  „Jeder, überall in der Welt, sollte freien Zugang haben – nicht nur zu meiner Forschung, sondern zu allen Arbeiten bedeutender Forscher, die den Wissenshorizont der Menschheit erweitert haben“. Schließlich stünde jede Generation auf den Schultern der vorherigen. Er selbst sei als junger Doktorand von der Arbeit von Isaac Newton, James Clerk Maxwell und Albert Einstein inspiriert worden. Nun hoffe er, Menschen dazu zu bringen, hinauf zu den Sternen zu schauen und nicht hinunter auf ihre Füße. „Sie sollen sich Gedanken über unseren Platz im Universum machen und versuchen, den Kosmos zu erklären.”

Als der noch immer aktive Forscher seine Dissertation 1966 im Alter von lediglich 24 Jahren abschloss, waren erste Anzeichen der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) bereits deutlich bei ihm erkennbar. Seit Ende der 1960er Jahre sitzt Hawking im Rollstuhl, inzwischen kann er sich nur noch per Sprachcomputer verständlich machen. Einen entscheidenden Anteil daran, dass ihm die Kommunikation mit der Außenwelt noch immer gelingt, hat Lama Nachman, leitende Ingenieurin bei Intel. Zuletzt nutze der Wissenschaftler diese Fähigkeit, um mit typisch britischen Understatement mitzuteilen, er hoffe, dass niemand enttäuscht sei, wenn er seine Doktorarbeit schließlich zu sehen bekäme.

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