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Neue Ernährungskonzepte: Mit Vertical Farming & Co gegen den Welthunger

Vertikale Landwirtschaft und Insektensnacks: Um der stetig wachsenden Weltbevölkerung gerecht zu werden, braucht es neue Ernährungskonzepte. 

2017 ist die Zahl der Hunger leidenden Menschen erstmals seit 1990 wieder gestiegen. Das berichtet das UN World Food Programme (WFP), die größte humanitäre Organisation der Welt. Demnach haben von derzeit etwa 7,5 Milliarden Menschen mehr als 815 Millionen nicht genug zu essen. Da die Gesamtzahl der Weltbevölkerung bis 2050 auf rund zehn Milliarden Menschen weiter anwachsen soll, stellt sich die Frage, wie der sich weiter ausbreitenden Hungersnot effektiv begegnet werden kann. Insbesondere in Städten, in denen sich die Einwohnerzahl nach Schätzungen der Vereinten Nationen in den kommenden drei Jahrzehnten nahezu verdoppeln soll, sind innovative Lösungen gefragt.

Eine Idee, die in diesem Zusammenhang zusehends an Zustimmung gewinnt, ist die vertikale Landwirtschaft („vertical farming“).  Das erste Vorhaben, Gemüse in Hochhäusern anzubauen, lässt sich bis zum Jahr 1964 zurückverfolgen. Damals präsentierte der Maschinenbauingenieur Othmar Ruthner auf der Internationalen Gartenschau in Wien ein 41 Meter hohes Turmgewächshaus. Doch erst in den letzten Jahren ist eine Umsetzung des Konzepts aufgrund von sich ständig weiter entwickelnden Technologien – so etwas effektiverer Wärmedämmung, Netzwerksystemen, LED-Licht und Robotik – auch in der Praxis sinnvoll möglich.

Ackerbau im Wolkenkratzer

Ein erfolgreiches Projekt dieser Art findet sich in Singapur. Hier ist die kommerzielle Vertikalfarm des Unternehmens Sky Greens bereits 2014 unter großem Medieninteresse in Betrieb gegangen. Seitdem produziert es im Herzen der bekanntesten Finanzmetropole Asiens bis zu einer Tonne Salat, Pak Choi und Spinat pro Tag.

Moderne Ernährungskonzepte: Das Start-up Plenty will pro Jahr über zwei Millionen Kilogramm Gemüse produzieren. Gif: Plenty Inc.

In den USA sorgt zudem gerade das Start-up Plenty, das bis dato 260 Millionen US-Dollar an Investitionskapital einsammeln konnte, für Furore. In seiner vertikalen Farm, die im Frühjahr 2018 offiziell in Betrieb genommen werden soll, will das Unternehmen auf 100.000 Quadratmetern über zwei Millionen Kilogramm Gemüse pro Jahr produzieren. Dem Landwirtschaftsministerium der USA zufolge wäre dies ausreichend, um 183,600 US-Amerikaner zu ernähren. Ein sehr hoher Grad der Automatisierung soll die Betriebskosten der Farm und somit den Verkaufspreis möglichst niedrig halten.

Neue Ernährungskonzepte sind gefragt

Da der Fleischkonsum weltweit ständig zunimmt, gilt es allerdings auch auf diesem Gebiet nachhaltigere Lösungen zu finden. Denn derzeit werden 23 Kalorien an Futter benötigt, um eine Kalorie in Form von Fleisch zu produzieren. Abhilfe schaffen könnten hier Unternehmen wie Memphis Meats, das tierisches Gewebe im Labor züchtet. Nach eigenen Angaben ist es dem Start-up gelungen, das Verhältnis auf 3:1 zu reduzieren. Zudem entstünden 90 Prozent weniger Treibhausgase und es würden 82 Prozent weniger Wasser verbraucht. Das einzige Problem: Derzeit ist das sogenannte In-vitro-Fleisch mit mehreren Tausend Euro pro Pfund noch extrem teuer.

Progressive Ernährungskonzepte, wie etwas der Verzehr von Insekten stoßen, hierzulande nicht immer auf Gegenliebe. Bild: Wikipedia – Takeaway – (CC BY-SA 3.0)

Eine Alternative zur weltweiten Hungersbekämpfung stellt der Verzehr von in großem Umfang gezüchteten Insekten. Von ihnen existieren über 1.900 essbare Arten und im Vergleich zu Rindern sind beispielsweise Heuschrecken weitaus gesünder. Zudem ist ihre Aufzucht wesentlich einfacher, günstiger und umweltschonender. In Industrienationen scheint die Eintrittshürde für Insektensnacks aufgrund kultureller Bedingungen im Moment zwar noch sehr hoch. Allerdings sind die proteinreichen Krabbeltiere bereits heute bei ungefähr einem Drittel der Menschheit ein fester Bestandteil des Speiseplans. Und auch hierzulande werden eher früher als später tiefgreifende Veränderungen und neue Ernährungskonzepte notwendig sein, um immer mehr Menschen in Ballungsgebieten möglichst energieeffizient, kostengünstig und natürlich wohlschmeckend zu ernähren.

Cover-Foto: Plenty Inc. – (Montage)

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