Performance und Power

ODO Denim: Selbstreinigende Jeans macht Waschmaschine überflüssig

Was ihre Ökobilanz betrifft, haben Jeans ein eher negatives Image. Aufgrund ihres aufwendigen Herstellungsprozesses werden bereits bei der Produktion einer einzigen Hose durchschnittlich 8.000 Liter Wasser verbraucht, je nach Veredelung sogar noch mehr. Doch damit ist es nicht getan: Nochmal mehrere Tausend Liter fallen während ihrer Nutzungsdauer durch das Waschen an. Das macht über 10.000 Liter Wasser pro Jeans – womit viele Kleiderschränke im übertragenen Sinn wohl ganze Schwimmbecken füllen könnten.

Um ihren Ruf in Sachen Umweltschutz etwas aufzupolieren, werben einige Denim-Hersteller nicht nur damit, den Wasserverbrauch bei der Produktion zu verringern. Sie empfehlen ihren Kunden auch, ihre Jeans weniger oft zu waschen. So zum Beispiel Chip Bergh, CEO von Levi Strauss & Co., der bei einer Konferenz des US-Magazins Fortune im Jahr 2014 selbst mit einem Exemplar auf die Bühne trat, das über ein Jahr lang nicht gewaschen, sondern lediglich im Eisfach “trockengereinigt” wurde.

Smarte Textilien für die Umwelt

Selbstreinigende Kleidung spart eine Menge Wasser

Dass es eine Möglichkeit geben muss, den Wasserverbrauch bei der Textilpflege zu verringern, ohne dabei auf Sauberkeit und Hygiene zu verzichten, davon waren die beiden Unternehmer Salman Choudhry und Mannan Malik überzeugt. „Eine Jeans ein Jahr lang nicht zu waschen, spart ganze fünf Jahre Trinkwasser für eine Person“, erklärt Choudhry, der bereits über viel Erfahrung in der Textilbranche verfügt. Kurzerhand gründeten die beiden Kalifornier das Start-up ODO Denim und entwickelten innerhalb eines Jahres einen Jeansstoff, der weder Flecken noch Gerüche annimmt und dabei trotzdem angenehm zu tragen ist.

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Bei der Fertigung des Stoffes galt es also erstens, ein geruchshemmendes und antibakterielles Material zu kreieren, das sowohl Körpergerüche wie Schweiß als auch äußere Geruchseinflüsse wie zum Beispiel Rauch neutralisiert. Zweitens musste die Textiloberfläche so beschaffen sein, dass sie sämtliche Verschmutzungen durch Lebensmittel, Getränke, Erde und Ähnliches abweist. Diese beiden Eigenschaften sind essenziell, um ein Kleidungsstück ohne Waschen frisch und sauber zu halten.

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Nanotechnologie gegen Geruch und Flecken

Die Textilfasern zerstören Bakterien mit Silber-Ionen

Wie die meisten Hersteller von Funktionstextilien arbeitet auch ODO mit Nanotechnologie. Um Gerüche zu neutralisieren, wurde ein spezielles Gewebe mit Silberfasern entwickelt. Diese finden in vielen Textilien besonders im Sportbereich Anwendung, um geruchserzeugende Bakterien abzutöten. Kommt das Edelmetall nämlich mit Sauerstoff und Feuchtigkeit wie zum Beispiel Schweiß in Kontakt, werden positiv geladene Silber-Ionen (Ag+) freigesetzt, die in die negativ geladenen Bakterien eindringen und deren Zellverbände zerstören. Somit vermag Nanosilber über einen langen Zeitraum zu verhindern, dass sich Bakterien im Gewebe vermehren und der Stoff zu stinken beginnt.

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Bei der zweiten Komponente, der schmutzabweisenden Oberfläche, ließen sich die Entwickler der selbstreinigenden Jeans von der Natur inspirieren. Die Blätter vieler Pflanzen bleiben dank ihrer fein strukturierten Hautschicht immer sauber, da der Schmutz kaum anhaften kann und vom Regen vollständig abgespült wird. Diesen Lotuseffekt, der zum Beispiel bei Tulpen zu beobachten ist, transferierten sie kurzerhand auf die Stoffoberfläche, indem sie sie mit einer hauchdünnen Schicht namens NanoSphere überzogen. Auf diesem proteinbasierten Material, das Millionen kleiner Zacken aufweist, fließen sämtliche Flüssigkeiten, aber auch Öl oder Ketchup dank der geringen Berührungsfläche einfach ab. Besonders hartnäckige Rückstände können mit Wasser abgespült werden.

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Nanotextilien in der Kritik

Winzige Partikel können Mensch und Tier gefährden

In der Vergangenheit sind Nanotextilien häufig dafür kritisiert worden, nicht absehbare Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt zu haben. Denn die winzigen Partikel gelangen auch ins Wasser und können dort unter Umständen gefährlich für Tiere und Menschen werden. Malik hält entgegen, dass wer seine ODO-Jeans wäscht, den Grundgedanken der selbstreinigenden Kleidung nicht verstanden habe.

Die Nanotextilien seien sogar ressourcenschonender als herkömmliche Stoffe – nicht nur durch das eingesparte Wasser, sondern auch dank der erhöhten Lebensdauer der Produkte, die sich durch das Nicht-Waschen weniger schnell abnutzten. Was die Hautverträglichkeit angeht, gibt ODO auf seiner Kampagnenseite an, dass der zum Patent angemeldete Jeansstoff sowohl in der Schweiz, als auch in den USA klinisch getestet wurde. Welche Nanopartikel neben Silber im Gewebe enthalten sind, wird jedoch nicht gesagt.

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Dennoch wächst der Markt für selbstreinigende Textilien stark und die technischen Innovationen werden den wissenschaftlichen Studien wohl noch eine Weile vorauseilen. Laut Marktforschung werden die Umsätze im Jahr 2021 allein in den Vereinigten Staaten 573 Millionen US-Dollar (527 Millionen Euro) betragen. Aber auch in Deutschland herrscht Interesse an Nano-Textilien. 2014 stellte das Start-up Slik17 die erste selbstreinigende Chino vor, eine businesstaugliche Herrenhose, an der dank Nano-Veredelung Regen, Kaffee, Rotwein und andere Flüssigkeiten abperlen.

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Nicht nur in technischer, sondern auch in modischer Hinsicht wachsen die Ansprüche an die selbstreinigenden Textilien. Wer heute beim Wort Funktionskleidung an unförmige Trekkinghosen mit aufgesetzten Taschen denkt, ist auf dem Holzweg. Die ODO-Jeans, die sowohl für Damen als auch für Herren in verschiedenen modernen Schnitten und Waschungen produziert werden soll, hat mit der Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter so viele Internetuser überzeugt, dass diese bereits mehr als den zwölffachen Betrag der ursprünglich mit 10.000 Dollar (9.200 Euro) angesetzten Zielsumme investierten. Zudem ist die Finanzierungsphase noch nicht einmal abgeschlossen. Das überbordende Interesse motivierte die Gründer dazu, ihre Kollektion um ein klassisches weißes T-Shirt zu erweitern, das ebenfalls mit der selbstreinigenden Technik ausgestattet ist. Wenn der Zeitplan eingehalten werden kann, erfolgt die Lieferung der ersten Jeans und Shirts im Frühsommer 2016.

Cover-Foto, Bild1, Bild3  & Gifs: ODO Denim
Bild 2: Fotomontage

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