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Paris Fashion Week: Biosensor-Wearables mit Intel-Tech

Deb Miller Landau iQ Managing Editor

Auf der Paris Fashion Week präsentierte der britische Designer Hussein Chalayan Accessoires, die Gefühle erkennen und diese in Projektionen umsetzen.

Für den in Großbritannien aufgewachsenen Sohn türkischer Immigranten ist es nichts Neues, die Grenzen der Modewelt immer wieder neu zu definieren. Die Karriere von Hussein Chalayan begann mit seiner Diplomarbeit, einer Kollektion aus Stücken, die er für einige Zeit in der Erde vergraben hatte, damit sie die Schönheit des Verfalls aufzeigen. Später sorgte der zweimalige Gewinner des British Fashion Awards (1999 und 2000) mit weiteren ungewöhnlichen Kreationen für Aufsehen: ein leuchtendes Kleid mit 1.500 LEDs, Hosenanzüge mit glitzernden Swarovski-Kristallen und ein Fiberglas-Kleid mit Flugzeug-Tragflächen. Bei seiner Show der letztjährigen Fashion Week in Paris präsentierten zwei seiner Models wasserlösliche Kleidung – während sie unter einer Dusche standen.

Ihren Höhepunkt erreicht Chalayans Kreativität, wenn er Mode mit Technik verbindet. Die Laufsteg-Show für seine Frühling/Sommer-Kollektion 2017, die er vor einigen Tagen auf der Pariser Fashion Week zeigte, ließ sich als ein abstrakter Kommentar zu seinem Leben in London verstehen. „Ich bin ein Geschichtenerzähler“, erklärt der Designer. „In gewisser Hinsicht handelt es sich um eine Form von urbaner Poesie.“

 

Smarte Mode auf der Paris Fashion Week

Über fünf „Momente“ hinweg erforschte er verschiedene Aspekte des Großstadtlebens – von der urbanen Geschäftigkeit über die Entwicklung des digitalen Zeitalters bis hin zu kulturellen Themen. Zu letzteren gehörte beispielsweise die allgegenwärtige Bedrohung durch terroristische Anschläge, aber auch die oft parodierte Tendenz der Briten, unter allen Umständen die Haltung zu bewahren. „In der Modewelt war alles schon mal da, es gibt nichts neues“, so Chalayan, der nicht dafür bekannt ist, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Dank der modernen Technik konnte ich Dinge tun, die bisher nicht möglich waren.“

Chalayans Wearables-Kollektion auf der Paris Fashion Week 2016.
Chalayans Wearables-Kollektion auf der Paris Fashion Week 2016.

So versetzte Chalayan das Pariser Modepublikum auch in diesem Jahr mit einer ungewöhnlichen Kollektion in Erstaunen: Auf dem Laufsteg waren Sonnenbrillen zu sehen, die biosensorische Daten wie Angst oder Stress erfassten und diese Emotionen dann über einen Gürtel als Bilder wiedergaben. Die Brillen sind mit dem Intel Curie Modul ausgestattet. Der knopfgroße Chip ermöglicht Designern, Wearables wie Ringe, Handtaschen oder Kleidung mit verschiedensten Zusatzfunktionen zu versehen. In Chalayans Brillen wird Bluetooth-Technik verwendet, um EEG-Signale im Gehirn zu erfassen, ein weiterer Sensor misst Herzfrequenz und Puls.

In die smarten Brillen ist ein Intel Curie Modul integriert.
In die smarten Brillen ist ein Intel Curie Modul integriert.

 

Accessoires messen Stresslevel des Trägers

Diese Belastungsdaten werden an einen Gürtel gesendet, in dem ein Intel PC-Stick – ein winziger Computer nicht größer als ein Päckchen Kaugummi – verbaut ist. Während der Modenschau wurden die berechneten Ergebnisse an eine Wand projiziert, wobei sich die Projektionen basierend auf dem Stresslevel jedes Models veränderte. Der Moment „unmittelbare Gefahr“ wurde beispielsweise in Form von sich bewegenden Beinen dargestellt. Schnellere Atmung und zunehmende Nervosität des Trägers wurden sofort von der Sonnenbrille erfasst und an den Gürtel weitergegeben. Dadurch bewegten sich auch die Beine an der Wand schneller und spiegelten dadurch den Stresszustand wider.

Im projizierenden Gürtel ist ein Intel Compute-Stick eingebaut.
Im projizierenden Gürtel ist ein Intel Compute-Stick eingebaut.

Im Moment „Omnipräsenz“ wurde das Gefühl der Anspannung zwischen Freude und Kummer, das mit dem Leben in einer Großstadt einhergeht, in Form von zwei Händen dargestellt, die an einem Seil ziehen. Elemente des Seils spiegelten sich auch in der Kleidung des Models wider. Je entspannter die Person war, desto weniger stark zogen die Hände in der Projektion am Seil. Laut eigener Aussage sind Chalayans Kreationen „therapeutische Accessoires“, die aufzeigen sollen, dass Mode das Leben nicht nur schmückt: Wie viele Dinge in der Realität sei ein Großteil seiner Wearables klobig, unangenehm zu tragen und letztendlich unnötig, fügt er etwas lakonisch hinzu.

Intel ermöglicht innovative Modekreationen

„Hussein Chalayans Arbeit verschiebt wahrlich die Grenzen der reaktiven Wearable-Mode“, ist auch Karolina Cengija der Meinung. Die Intel-Ingenieurin unterstützt Modeschöpfer dabei, adaptive Kleidung zu schaffen, die beispielsweise ihre Form verändert, die Farbe wechselt oder den sich verändernden emotionalen oder körperlichen Zustand des Trägers übermittelt. In Paris arbeitete sie zusammen mit Hussein Chalayan an der Kollektion „Room Tone“.

Designer Hussein Chalayan mit Karolina Cengija von Intel.
Designer Hussein Chalayan mit Karolina Cengija von Intel.

Bereits im letzten Jahr unterstützte Cengija einige Designer bei der Realisierung innovativer Entwürfe. Mit der Modedesignerin Becca McCharen von Chromat entwickelte sie das Adrenaline Dress mit Flügeln sowie den smarten Areo-Sport-BH, der auf der New York Fashion Week vorgestellt wurde. Intel arbeitete zudem mit der experimentellen niederländischen Designerin Anouk Wipprecht an verschiedenen Projekten einschließlich dem Spider Dress, einem Cocktailkleid, das mit seinen acht Beinen dafür sorgt, dass seiner Trägerin niemand zu nahe kommt.

Hinter dem Adrenaline Dress von Becca McCharen von Chromat verbirgt sich ebenfalls Intel-Technologie.
Hinter dem Adrenaline Dress von Becca McCharen von Chromat verbirgt sich ebenfalls Intel-Technologie.

 

Technik verschmilzt mit dem Körper

Dem Designer Chalayan geht es darum, Verbindung herzustellen, wo bisher keine existierten. Die mit Biosensorik ausgestatteten Sonnenbrillen und Gürtel eröffnen sowohl in der Welt der Mode als auch der Technik neue Möglichkeiten. „Für mich ist es wichtig, Technik und Mode zu integrieren“, so Chalayan. Technik müsse mit dem Körper verschmelzen und darf ihm nicht im Weg stehen, fügt er hinzu.

„Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre Denkweise ändern, einen Schritt kürzer treten und die Kontrolle über Ihre Gehirnaktivitäten übernehmen“, sagt er. „Sie könnten verändern, wie Sie von anderen wahrgenommen werden, und wüssten sofort, wann Sie sich entspannen sollten, wann sie einmal durchatmen sollten und wann es Zeit für eine Ruhepause ist.“ Ob die Accessoires vom Laufsteg in die Geschäfte gelangen, bleibt offen. Doch Chalayans Vision von intelligenter Mode, die das körperliche Wohlbefinden einer Person widerspiegelt, ist durchaus interessant und verleiht dem Sprichwort „Das Herz auf der Zunge tragen“ eine vollkommen neue Bedeutung.

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