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Passenger Economy: Arbeiten und Entspannen im selbstfahrenden Auto

Dean Evans Technology Writer Twitter

Was sich mit der freien Zeit im selbstfahrenden Wagen Sinnvolles anstellen lässt, zeigt ein Blick auf die Nutzungskonzepte der Passenger Economy.

Die Briten verbringen mehr als zehn Stunden pro Woche mit Autofahren. Auf ein normales Arbeitsleben gerechnet sind das durchschnittlich 85 Minuten pro Tag, 22 Tage pro Jahr – inklusive 32 Stunden Stau – und insgesamt drei ganze Jahre am Steuer. Was ließe sich mit dieser verlorenen Zeit anfangen, wenn die Betroffenen nicht fahren müssten?

Auf diese Frage versucht eine Studie von Intel und Strategy Analytics Antworten zu finden. Dabei stellen sich die Autoren eine Zukunft vor, in der auf Abruf bereitgestellte, selbstfahrende Autos die herkömmliche Fahrzeughaltung abgelöst haben. Die damit zusammenhängenden Produkte und Dienstleistungen werden mit dem Begriff Passenger Economy beschrieben. Im Folgenden sollen einige Beispiele zeigen, womit sich die Zeit in einem selbstfahrenden Auto verbringen lässt.

1. die Zeit zum Arbeiten nutzen

Dazu entwirft die Studie ein Szenario: „Herr Schmidt hat im Tagesverlauf drei Meetings und fliegt um 19.00 Uhr zu einem geschäftlichen Termin. Sein Mobilitätsdienstleister hat ihm für den Tag ein Fahrzeug reserviert. Seine Fahrt damit endet pünktlich um 6.55 Uhr und er hat noch Zeit, sein Gepäck in der Gepäckaufbewahrung abzugeben. Während er im ersten Meeting sitzt, holt das selbstfahrende AutoCab einen vorbestellten Salat für das Mittagessen, seinen Anzug aus der Reinigung und ein paar Hygieneartikel für die Reise aus der Apotheke ab. Danach kommt es zurück und holt ihn vom Meeting ab.

Herr Schmidt erledigt seine Meetings und nutzt die Fahrtzeit zwischen den Meetings, um Rechnungen zu bezahlen, Bankkonten zu verwalten und den Einkauf von Geschenken für den Geburtstag seiner Frau zu planen. Bis 13.00 Uhr hat er den Salat gegessen, die neuesten Nachrichten geschaut, die nach seinen Interessen zusammengestellt wurden, und er hat ein fünfzehnminütiges Nickerchen gemacht – mit digital abgedunkelten Seitenscheiben. Um 17.00 Uhr kommt Herr Schmidt am Flughafen an. Vor dem Abflug bittet er das Fahrzeug, einige Unterlagen zu ihm nach Hause zu bringen, bevor es zur Station zurückgekehrt. Dort kommen die AutoCab-Fahrzeuge in die Warteschleife, bevor sie wieder abgerufen werden.“

2. Die Zeit zum Spielen nutzen

Hier ein weiteres mögliches Szenario aus der Studie: „Der neunjährige Peter hat sich sein Schul-Tablet genommen, auf dem er sieht, dass seine Freunde aus der Nachbarschaft in vier Minuten und deißig Sekunden mit ihrer AutoBus-Fahrgemeinschaft in seiner Straße ankommen. Die zwanzigminütige Fahrt zur Schule nutzt er für letzte Online-Recherchen zu den Hausaufgaben und für Online-Multiplayer-Games.“ Diese Vorstellungen mögen zwar wie Science-Fiction klingen. Doch bereits heute haben wir WLAN in Bussen, schnelles mobiles 4G-Internet – in Zukunft sogar 5G – und Online-Spiele mit mehreren Spielern.

3. Die Zeit für Maniküre nutzen

Hier ein weiterer Blick in die Zukunft: „Jesse McMillin, Creative Director des Unternehmens Lyft, stellt sich themenorientierte ‚Erfahrungs-Pods’ vor, die bordeigene Schönheitssalons oder mit Touchscreens ausgestattete Tische zur Remote-Zusammenarbeit anbieten. Diese werden nach seiner Vorstellung bald Seite an Seite mit herkömmlichen Fahrzeugen eingeführt“, heißt es in der Studie zur Passenger Economy.

„Von der Idee ausgehend, dass ausgereifte, selbstfahrende Fahrzeuge mobile, programmierbare Räumlichkeiten sind, wird eine ganze Reihe neuer kommerzieller Dienstleistungen vorstellbar. Dazu gehören der ferngesteuerte Verkauf von Essen, die Gesundheitsversorgung mittels mobilen Krankenhäusern, mobile Hotellerie und mobiler Einzelhandel.” Diese Konzepte bedeuten eine völlig neue Richtung im Vergleich zu dem, was heutige Fahrerassistenzsysteme zu leisten imstande sind.

4. Die Zeit zum Schlafen nutzen

Bei der Bahn gibt es bereits Schlafwagen – warum soll es die nicht auch für die Straße geben? Dazu bietet die Studie folgendes Szenario an: „Miguel wacht an einem gewohnt neblig-trüben Morgen im argentinischen Cordoba auf. Manche Dinge ändern sich nie, sagt er sich. Was sich geändert hat, wird ihm bewusst, als er sich ankleidet. Es ist nämlich die Tatsache, dass sein Onkel um circa 21.00 Uhr im 700 Kilometer entfernten Buenos Aires ankommen wird. Wird Miguel noch die Zeit für ein spätes Abendessen finden und ihn trotzdem erwischen?

Ein paar kurze Sprachbefehle später ist alles arrangiert. Miguel bestellt ein normales AutoCab, in dem er auf dem Weg zum Abholort arbeiten kann, und ein Sleep-Cab für die Rückfahrt. In Letzterem haben er und sein Onkel genügend Zeit zum Ausruhen, selbst wenn sie nach dem Abendessen spontan noch ausgegangen sind. Der preiswerte Nachttarif ermöglicht es ihnen, die ganze Nacht komfortabel im Sleep-Cab zu schlafen, bevor das Fahrzeug sie am Morgen sanft vor Miguels Apartment weckt.“

Durchbruch der Passenger Economy erfolgt 2050

Die Studie geht davon aus, dass es noch bis 2050 dauern könnte, bis das herkömmliche Modell der Fahrzeughaltung überwunden sein wird. Dann jedoch wäre es möglich, dass fahrerlose Wagen eine neue Ära der Mobilitätsdienstleistungen einleiten. Softwaredienstleistungen haben bereits die Art unserer Arbeit revolutioniert, indem Software ins Internet verlagert wurde. In Sachen Mobilität könnten Dienste wie Uber und Lyft Teil eines neuen, autonomen Verkehrsnetzwerks mit gemeinsam genutzten Fahrzeugen werden, die von PKW bis zu Lieferfahrzeugen reichen.

Mobilitätsdienstleistungen werden nicht nur effizienter, sondern außerdem sicherer sein. Wenn weniger Fahrzeuge auf der Straße sind, bedeutet das weniger Unfälle, weniger Umweltverschmutzung und weniger Staus. Zudem wird dadurch das Problem der zu gering bemessenen innerstädtischen Parkplätze gelöst, da einfach kein Bedarf mehr besteht. Gleichzeitig können fahrerlose Vans, LKWs oder Lieferfahrzeuge nachts fahren, wenn die Straßen leerer sind.

Entscheidend ist die Akzeptanz der Verbraucher

Obwohl in Bezug auf die IT, die Navigation und die Verbindung noch einige Herausforderungen zu meistern sind, ist die größte Hürde dieser futuristischen Vision einer Passenger Economy nicht technischer, sondern kultureller Art. So sind zwar leistungsfähige Prozessoren, 5G-Konnektivität, Milliarden gefahrener Kilometer im Testbetrieb und eine neue Gesetzgebung nötig, damit fahrerlose Fahrzeuge zur Realität auf unseren Straßen werden. Außerdem bedarf es höchster Sicherheitsmaßnahmen, um das Hacken eines selbstfahrenden PKW zu verhindern.

Doch ist die technische Basis so lange nichts wert, wie die Verbraucherakzeptanz nicht gegeben ist. „Die Wahrnehmung der Verbraucher in Bezug auf selbstfahrende Fahrzeuge muss sich so entwickeln, dass sie daran glauben und es als Tatsache akzeptieren, dass diese Fahrzeuge hundertprozentig sicher sind“, heißt es im Fazit der Studie zur Passenger Economy. „Es ist ein Generationswechsel, der mehrere Jahrzehnte dauern wird, bevor sich die Vorteile im vollen Maße auswirken – aber er wird kommen.”

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