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PlasticRoad: Schlagloch-freie Straßen aus recyceltem Kunststoff

Die sommerlichen Staus auf den Autobahnen verursachen einer modernen Sage zufolge nicht die Urlauber, sondern die nicht enden wollenden Bauarbeiten an den beschädigten Fahrbahnen. Das niederländische Unternehmen VolkerWessels will das Problem nun ein für alle Mal lösen: Um Risse, Schlaglöcher und Co. erst gar nicht aufkommen zu lassen, soll der Verkehr statt über Asphalt künftig über eine Kunststoffbahn rollen. Damit könnte der Umwelt ein guter Dienst erweisen, denn den Rohstoff sollen recycelte Plastikflaschen liefern.

Der neue Belag ist aber nur ein Teil der Idee. Denn in der sogenannten PlasticRoad befinden sich zudem Hohlräume, durch die jederzeit Leitungen verlegt werden können, ohne die Straße dafür wieder aufreißen zu müssen. Wenn sich die Autos der Zukunft dank des Internet of Things immer stärker miteinander vernetzen, könnte die dafür notwendige Straßentechnik problemlos nachgerüstet werden. Unter dem Belag können auch Sensoren sitzen, die dem Verkehrsfluss dienen, indem sie Staudaten sammeln. Über die Hohlräume würde zudem Regenwasser abgeleitet werden und die Straße beheizen werden können, um sie im Winter eisfrei zu halten. Die Energie dafür würden die Autos erzeugen, deren Vibrationen in elektrische Energie umgewandelt würde.

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Einsparpotenzial dank langlebiger Module

Die Oberfläche ist quasi wartungsfrei

Das Konzept hat aber noch weitere Vorteile: Die PlasticRoad besteht aus vorgefertigten Modulen, die zu einer Straße zusammengefügt werden, anstatt diese in mehreren Schichten nach und nach aufzutragen. Das verkürzt die Bauzeit von einigen Monaten auf nur wenige Wochen. Die Straßenabschnitte aus Kunststoff benötigen zwar ebenfalls Untergrund, dieser kann allerdings dem Unternehmen zufolge aus einfachem Sand bestehen.

red road

Kunststoff ist ein Material, das sehr widerstandsfähig ist. Es verändert sich kaum, wenn es den Belastungen des Verkehrs oder auch nur dem Wetter ausgesetzt ist. Es trotzt tiefen Temperaturen von bis zu -40 Grad sowie hohen von bis zu 80 Grad Celsius. Anwohner sollen zudem durch die geringen Fahrgeräusche nicht gestört werden, wobei Tests erst noch zeigen müssen, ob hier ein Vorteil gegenüber Flüsterasphalt erzielt werden kann. Das gilt auch für den Grip, den die Fahrzeuge bei Nässe auf der Fahrbahn haben.

broken road

Ob durch die Einführung von Plastic Road die eingangs erwähnten Staus und Umleitungen tatsächlich vermieden werden können, werden Tests allerdings nicht zeigen können. Das wird sich erst nach Inbetriebnahme herausstellen, denn die Oberfläche ist quasi wartungsfrei. Zudem hält sie dreimal länger als normale Straßenbeläge, die meist bereits nach zwölf Jahren erneuert werden müssen – die durchschnittliche Lebensdauer einer Straße beträgt hingegen etwa 30 Jahres. Unter dem Gesichtspunkt, dass 95 Prozent aller befestigten Straßen in Deutschland mit einer Asphaltdecke versehen sind, ergibt sich durch PlasticRoad ein enormes Einsparpotenzial.

Recyceltes Material aus dem Ozean

Enorme Vermeidung von CO2-Emissionen

Um die biologisch abbaubaren Straßen vollständig aus wiederverwerteten Materialien fertigen zu können, müssen riesige Mengen an Plastikflaschen in den Recyclingprozess wandern. Diese könnten laut VolkerWessels aus den Ozeanen stammen, wo das ebenfalls aus den Niederlanden stammende Projekt The Ocean Cleanup mit riesigen Fangnetzen den schwimmenden Müll herausfischen möchte.

 

Ein ebenso wichtiger Beitrag zum Schutz der Umwelt wird durch die Vermeidung von CO2-Emissionen erzielt, die in hohem Maße bei der Verarbeitung von Asphalt entstehen. Jahr für Jahr werden weltweit 1,6 Millionen Tonnen CO2 beim Straßenbau erzeugt. Das entspricht in etwa zwei Prozent aller durch den Straßenverkehr verursachten Emissionen.

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Erste Plastik-Straße in Rotterdam

Partner zur Umsetzung werden benötigt

In nur drei Jahren soll aus der Idee die erste vollständig recycelte Verkehrsstraße werden. Vorher muss jedoch erst einmal ein Modell gebaut werden, um beispielsweise die Konstruktion, die Drainage oder die Verkehrsbedingungen bei allen Wetterlagen ausgiebig zu testen.

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Als erste Teststrecke bietet sich Rotterdam an, wo die Stadt dem Unternehmen ein Testgelände angeboten hat. VolkerWessels benötigt allerdings noch weitere Partner, um die Idee umzusetzen zu können – nicht zuletzt ein Unternehmen, dass sich mit der Verarbeitung von Kunststoffen auskennt.

Cover-Bild, Bild 2 & 4: VolkerWessels
Bild 3: Flickr – Timo Saarenketo (CC BY 2.0)

Video: The Ocean Cleanup
Bild 5: Flickr – sbamueller (CC BY-SA 2.0)

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