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Pokémon Go: Wie Augmented Reality VR Konkurrenz macht

Dean Evans Technology Writer Twitter

Mit Pokémon Go erlebt Augmented Reality einen riesigen Hype. Mit einer Datenbrille wäre das Spiel noch um vieles besser…

Jede Technik braucht eine Killerapplikation – für die erweiterte Realität (Augmented Reality, AR) ist dies Pokémon Go. Das angesagte Mobile Game bettet die fiktive Pokémon-Welt mithilfe standortbasierter Technik in die reale Umgebung ein, so dass Spieler durch die Kamera ihrer Smartphones an jeder Ecke einen Karpador, Glumanda oder andere wilde Wesen einfangen können. Im Unterschied zu Games, bei denen sie in einem Raum sitzend einen Bildschirm anstarren oder einen VR-Helm verwenden, ermuntert Pokémon Go sie zum Gang ins Freie und zur Erkundung der Welt. Und je weiter die Pokémon-Fans umherstreifen, desto mehr werden sie entdecken.

Eines ist an Pokémon Go besonders interessant: Es ist kein wirklich komplexes Spiel, denn der Spielmechanismus – Pokémon fangen – ist simpel und die Kämpfe wiederholen sich. Aber als Social Game liefert es ein überzeugendes Gesamterlebnis, das Jung und Alt in seinen Bann zieht und die Fantasie ankurbelt. Bob O’Donnell beschreibt das Phänomen auf recode.net folgendermaßen: „Durch den unglaublichen Erfolg, den das Spiel quasi über Nacht erzielt hat, muss in Zukunft wohl niemand mehr erklären, was die erweiterte Realität ist.“

das potenzial von Augmented reality

Pokémon Go macht deutlich, dass Augmented Reality ihrem virtuellen Pendant (Virtual Reality, VR) ernsthafte Konkurrenz macht. Da sich heute alles um VR-fähige PCs, die VR-Headsets Oculus Rift und HTC Vive sowie die PlayStation VR dreht, wird nur allzu leicht vergessen, welches Potenzial die erweiterte Realität in den richtigen Händen haben kann. Auch Niantic, dem Entwickler von Pokémon Go, ist dieser Aspekt keineswegs fremd, da die Spieleschmiede mit Ingress bereits früher ein Massively Multiplayer Game für Mobilgeräte entwickelt hatte.

Im Vergleich zur Virtual Reality bietet Augmented Reality darüber hinaus einen deutlich leichteren Zugang, der jedem Smartphone-Besitzer im Nu offensteht. Aber die Nutzung über ein Smartphone ist erst der Anfang: Die Zukunft dieser „Mixed Reality“-Technik gehört zweifelsohne Headsets wie Microsofts HoloLens und Datenbrillen wie der Magic Leap und der Vuzix.

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Pokémon Go war erst der Anfang. Die AR-Zukunft gehört zweifelsohne Wearables wie dieser Vuzix-M300.

Die Vuzix M300, die sich mit einem Android- oder iOS-Gerät verbinden lässt, wurde ursprünglich für Unternehmen entwickelt. Da der Benutzer das Tracking-Wearable am Kopf trägt, hat er die Hände frei. Die AR-Daten werden direkt vor seinem Auge auf ein kleines nHD-Display projiziert und er muss nicht auf ein Smartphone-Display blicken. Laut Vuzix ist die Projektion mit einem 5-Zoll-Bildschirm vergleichbar, den der Benutzer etwa 35 cm vor seinen Augen hält.

was kommt nach pokémon go?

Beim Design von AR-Systemen wie diesem wird besonders darauf geachtet, dass sie flexibel sind. So wird zum Beispiel Microsofts HoloLens für Spiele wie Minecraft verwendet, während Vuzix vor kurzem ankündigte, für seinen iWear-Videokopfhörer die International Drone Racing Association als Partner mit ins Boot zu holen. Und wenn es Google Glass noch gäbe, wäre die Datenbrille für Pokémon Go ideal geeignet.

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Mit einer AR-Brille ist es möglich, beliebige Umgebungen durch belangreiche Navigationsdaten zu überlagern.

Pokémon Go ist zweifelsohne das Wii-Sports-Pendant für die erweiterte Realität. Dank des einfachen Zugangs und Spielablaufs sowie einem aktiven Gesamterlebnis macht es auch Personen Spaß, die ansonsten keine großen Gaming-Fans sind. Das Spiel verleiht der Technik neuen Aufschwung und platziert sie im Mittelpunkt des öffentlichen Bewusstseins. Niemand weiß, wie lange der Pokémon-Hype anhalten wird, aber irgendwann wird wohl jeder Spieler dieselbe Frage stellen: „Was kann die erweiterte Realität noch?“

Augmented Reality zieht in den alltag ein

Unternehmen nutzen die AR-Technik bereits in den verschiedensten Bereichen, die von technischen oder logistischen Aufgaben bis hin zur Telemedizin reichen. Auch Verbrauchern stehen bereits Apps zur Verfügung, die die Realität durch verschiedenste Daten überlagern können, zum Beispiel mit Wegbeschreibungen oder nützlichen Informationen über Geschäfte, Dienstleistungen und Sehenswürdigkeiten in ihrer Umgebung. Und vielleicht wird Augmented Reality sogar unser Fernseherlebnis verändern.

Viele mögen sich weiterhin herablassend über ein Spiel äußern, in dem jemand knuddeligen Raupys und schwer zu fangenden Entons hinterherjagt. Doch Pokémon Go bietet zweifelsohne den Zugang zu einer „gemischten“ Realität, die viele bislang nicht kannten und die ihnen neue Möglichkeiten der Interaktion mit digitalen Daten eröffnet. Und wenn es darum geht, das Potenzial der erweiterten Realität anschaulich zu erklären, könnte dieses Spiel durchaus einen Wendepunkt markieren.

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