Besser leben mit Big Data

Project Oxford: Microsoft erkennt auf Bildern jetzt auch Emotionen von Personen

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Gefühlt jedes Mal, wenn eine neue Technologie auf den Markt kommt, die Gesichter scannt oder dazu imstande wäre, ist der Aufschrei förmlich vorprogrammiert. Als Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit sei das Projekt Google Glass genannt, bei dem die Reaktionen besonders hoch schwappten. Die Ursachen dafür sind vielfältig, unterm Strich ist es aber immer die Sorge entweder vor einer wachsenden Überwachung, einer Verletzung der Privatsphäre oder dem Missbrauch der Daten für kriminelle Zwecke.

Grundsätzlich haben diese und andere Bedenken sicherlich ihre Berechtigung, weil sie bei jeder Anwendung dieser Art von Technologie denkbar sind. Die Motivation dürfte bei Unternehmen allerdings im Regelfall anders gelagert sein, weshalb sie viel Zeit und Geld in die Entwicklung entsprechender Tools investieren. Die Palette reicht da von Apple über Facebook, Google und Intel – beispielsweise im Rahmen der RealSense-Technologie oder bei der Kennwortverwaltung True Key – bis hin zu Microsoft. Und die Redmonder haben nun am vergangenen Mittwoch ihren neusten Clou vorgestellt: Emotion Recognition.

Lernende Maschine verteilt Score-Werte

Tool im Experimentiertstadium und daher nicht immer präzise

Mit dem im Rahmen des Project Oxford vorgestellten Tools soll es möglich sein, per Gesichtserkennung die Emotionen von auf Fotos abgebildeten Personen zu bestimmen. Die Software kann dabei zwischen den Gemütszuständen Wut, Verachtung, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit und Verwunderung sowie einem „neutralen“ Zustand unterscheiden. Jedem Gesicht wird für diese acht Möglichkeiten jeweils ein Score-Wert zwischen null und eins zugeordnet, wobei null dem kompletten Fehlen der entsprechenden Emotion auf dem Gesicht entspricht.

faces

„Das Spannende an der Geschichte ist, wie viele Interesse daran besteht und wie unterschiedlich die Reaktionen darauf sind“, so Ryan Galgon, Senior Program Manager beim Project Oxford. Allerdings schreibt Microsoft auf der dazugehörigen Projektseite auch: „Das Erkennungs-Tool befindet sich noch in einem Experimentiertstadium und ist daher nicht immer präzise“. So scheint das Tool beispielsweise unterschiedliche Ergebnisse für das gleiche Foto zu liefern, wenn es in zwei unterschiedlichen Größen hochgeladen wird. Doch es handelt sich bei Emotion Recognition um eine intelligente, lernende Maschine, die immer bessere, das heißt zutreffendere Ergebnisse liefert, je mehr sie mit Daten gefüttert wird.

So könnte das System anhand von Beispielbildern trainiert werden, bestimmte Eigenschaften, Züge und Merkmale von Gesichtern zu erkennen. Dieses Wissen würde es dann auf neue Bilder anwenden und seine Trefferquote bei den Features durch ständige Anpassungen optimieren. Wie gut das „Learning By Doing“-Prinzip funktioniert, hat Microsoft ja bereits mit dem Echtzeit-Übersetzer für Skype oder der persönlichen Assistenten Cortana unter Beweis gestellt.

Auf Emotionen-Fang im Einzelhandel 

Emotion Recognition als Feature von Messaging Apps

Es stellt sich nun die Frage, wofür Emotion Recognition eigentlich gut sein soll. Denn ganz banal könnte der Standpunkt vertreten werden, dass wir Emotionen auf einem Bild doch viel schneller und (bislang noch) besser interpretieren können als ein Computer. Galgon sieht vor allem im Einzelhandel eine potenzielle Zielgruppe. Demnach könnte das Tool dort eingesetzt werden, um die Reaktionen von Personen zu bestimmen, die sich Produkte oder Werbeclips im Schaufenster anschauen.

gorlan

Einen anderen Anwendungsbereich sieht er in Apps, etwa fürs Messaging, die unterschiedliche Optionen auf Basis von identifizierten Gesichtsausdrücken auf zugesandten Fotos vorschlagen. Etwas weiter gedacht wäre das Tool sicherlich nützlich, wenn es einem Gesprächsteilnehmer die Stimmung seines Gesprächspartners verrät, dessen Gesicht es über seine Smartphone-Kamera scannt. Doch hierfür müsste der App natürlich der Zugriff auf die Kamera zuvor gestattet worden sein.

how old net2

Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass Microsoft Gesichter scannt. Auch das Alter von Menschen wollte der Konzern zuvor bereits auf diesem Wege bestimmen können. Die Resultate von How-Old.net waren allerdings noch ausbaufähig und dürften bei manch einem sensiblen Persönchen vorzeitig zur Midlife-Crisis geführt haben. Andere wurden aber auch jünger geschätzt und fühlten sich wohl geschmeichelt. Ähnliche durchwachsene Ergebnisse sollten auch jetzt zu erwarten sein. Ob das der Fall ist, kann jeder Interessierte selbst ausprobieren, da Emotion Recognition frei zugänglich ist: Einfach ein Bild hochladen – es sollte mindestens 36×36 Pixel groß, kleiner als 4MB sein im Format JPEG, PNG, GIF oder BMP sein – und dann abwarten, bis die Anzahl der Gesichter identifiziert und der Score ermittelt wurde. Die Gesichter werden dann in blaue Kästchen gerahmt und der auf fünf Nachkommastellen gerundete Wert erscheint beim Mouseover. Wie immer laden wir alle Leser dazu ein, ihre „Ergebnisse“ hier in den Kommentaren zu posten.

Cover-Foto & Bild 3: Microsoft Blog
Bild 1 & 2: Microsoft – Project Oxford
Bild 4: How-old.net

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Bildungsbereich

Als Nächstes lesen

Read Full Story