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Recht auf Reparatur: Das Ringen zwischen Konzernen und Anwendern

Nutzer sollen durch das Recht auf Reparatur ihre Elektrogeräte künftig selbst öffnen oder unabhängige und günstige Werkstätten nutzen dürfen.

Wie sehr eine kleine Unachtsamkeit ins Geld gehen kann, weiß jeder, der schon einmal sein Smartphone fallengelassen hat. Denn Bauweise und Garantiebestimmungen moderner Elektrotechnik zwingen Nutzer immer häufiger dazu, ausschließlich die vom Hersteller autorisierten Reparaturwerkstätten zu nutzen. Um künftig selbst Geräte öffnen oder den Service von Drittanbietern in Anspruch nehmen zu dürfen, kämpfen Initiativen in acht Bundesstaaten der USA um ein Recht auf Reparatur. Während sich große Technik-Konzerne wie Apple gegen ein entsprechendes Gesetz stemmen, geht es den Befürwortern vor allem um landwirtschaftliche Maschinen.

So wollen Großbauern im Schadensfall nicht auf Techniker warten müssen, weil das Zeit kostet und sie von Wetterbedingungen abhängig sind. Doch um selbst Reparaturen durchführen zu können, bräuchten sie spezielle Diagnosewerkzeuge, die ihnen Zugang zur Software ihrer modernen Traktoren verschaffen. Laut Hersteller John Deere gehören allerdings nur die Maschinen selbst den Käufern, während für die Software lediglich eine Lizenzvereinbarung bestehe. Ebenso wie Apple argumentiert das Unternehmen mit Sicherheitsbedenken: Nur speziell ausgebildetes Personal könne Reparaturen durchführen ohne den Schaden zu vergrößern.

Bessere Reparaturmöglichkeiten für Smartphones

Lydia Brasch bewertet dieses Verhalten der Konzerne anders: „Sie sehen, dass noch jemand im Sandkasten spielen möchte und wollen nicht teilen.“ Dabei denkt die Senatorin aus Nebraska nicht nur an die Landwirtschaft in ihrem Staat, sondern auch an Reparaturmöglichkeiten für Smartphones. Denn der einzige Apple Store Nebraskas ist rund 130 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt und unabhängige Reparaturläden boykottiert der iPhone-Produzent. Das Recht auf Reparatur soll deshalb dafür sorgen, dass Hersteller ihre Ersatzteile auf dem freien Markt verkaufen und Servicehandbücher öffentlich zugänglich machen müssen.

Durch das neue Gesetz bekämen unabhängige Werkstätten Zugriff auf Originalbauteile – unter anderem von Kameras.
Durch das neue Gesetz bekämen unabhängige Werkstätten Zugriff auf Originalbauteile – unter anderem von Kameras.

In Nebraska jedoch war die Lobbyarbeit großer Elektronikkonzerne gegen den von Brasch eingebrachten Gesetzesentwurf vorerst erfolgreich. So stellten die Senatoren am 9. März 2017 das Gesetz zurück, nachdem Sprecher von Technikindustrie-Verbänden ihre Bedenken dagegen vorgetragen hatten. Dabei ging es unter anderem um den Schutz geistigen Eigentums. Zuvor hatte Apple bereits die Befürchtung geäußert, dass Nebraska durch ein Recht auf Reparatur zum Mekka für Hacker werden könnte. Außerdem warnte der Konzern davor, dass sich Bastler an Scherben gesprungener Bildschirme verletzen oder den Akku in Brand setzen könnten.

Recht auf Reparatur nutzt auch deutschen Kunden

Die Repair Association hingegen hält Argumente bezüglich der Sicherheit für vorgeschoben und spricht sich für das Gesetz aus. Denn in der Lobbygruppe sind nicht nur Bürgerrechtsorganisationen wie die Electronic Frontier Foundation organisiert, sondern auch professionelle Reparaturwerkstätten. Diese heben hervor, dass sie ihr Personal gut ausbilden lassen und entgegen anderslautender Behauptungen Schadenersatz für misslungene Reparaturen zahlen. Repair-Association-Geschäftsführerin Gay Gordon-Byrne betont zudem, dass in vielen Fällen nur defekte Bauteile ausgetauscht werden müssten, was keinen großen Aufwand bedeute. Deshalb hofft sie, dass das Recht auf Reparatur in einer neuen Version nächstes Jahr in Nebraska angenommen wird.

Die Repair Association kämpft auch im Internet für das Recht auf Reparatur.
Die Repair Association kämpft auch im Internet für das Recht auf Reparatur. Bild: The Repair Association(Montage)

Davon könnten auch Kunden in Deutschland profitieren. Zwar wird es ein vergleichbares Gesetz hierzulande wahrscheinlich nicht geben, weil bereits das Gewährleistungsrecht existiert, das Verkäufer zwei Jahre lang zur Mängelbeseitigung verpflichtet. Doch unabhängige Werkstätten, die Reparaturen viel günstiger als die Hersteller durchführen, bekämen durch das Recht auf Reparatur Zugriff auf Originalbauteile. Hinzu kommt der Umweltaspekt: Statt ständig neue Geräte kaufen zu müssen, könnten alte länger in Benutzung bleiben. Schließlich gehe die Entwicklung in Richtung Selbermachen und auf YouTube gebe es für fast alles Reparatur- und Bedienungsanleitungen, sagt Brasch. „Das ist meiner Meinung nach die Richtung, in die sich der Markt bewegt.“

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