Technikbasierte Bildung

Rekord im Mikrokosmos: Kleinstes freilebendes Insekt misst nur 0,3 Millimeter

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Es ist auf eine eigentümliche Art und Weise erstaunlich: Obwohl wir bis in die tiefsten Tiefen des Weltraums vordringen und dort die spektakulärsten Entdeckungen machen, gibt es auf der Erde noch unendlich viel unerforschtes Potenzial. Es ist beispielsweise gemeinhin bekannt, dass wir bislang über nicht mehr als etwa fünf Prozent des Meeres Bescheid wissen. Die Wissenschaft hat dort und an Land bis dato nur rund zwei Millionen Arten von Lebewesen erfasst: die meisten dürften noch gar nicht entdeckt worden sein, in regelmäßigen Abständen kommen neue dazu.

Einer ganz besonderen Spezies sind Forscher nun im in Chicaque National Park in Kolumbien auf die Schliche gekommen: „Scydosella musawasensis“. Bei diesem zu den Zwergkäfern gehörenden Tierchen handelt es sich um das bislang kleinste freilebende Insekt der Welt! Vom Kopf bis zum Ende des Rumpfs misst der Rekordhalter nur 325 Mikrometer, was 0,325 Millimetern entspricht. Zum Vergleich: Ein gewöhnliches Blatt Papier ist etwa 0,1 Millimeter dick.

Kleinstes, freilebendes Insekt

Pilz stellt einzigen benötigten Lebensraum dar

Auch wenn es bei dieser Mikro-Größe kaum zu glauben ist: Anders als Parasiten, sind die gelblich-braunen Winzlinge alleine (über-)lebensfähig und nicht auf einen Wirt angewiesen. Die Spezies verfügt hierzu über alles, was auch XXL-Insekten kennzeichnet. Angefangen bei den langen Fühlern, Facettenaugen und Mundwerkzeugen über den dreigliedrigen Körper bis hin zu fransigen Flügeln.

details

Sie leben auf und in tropischen Baumpilzen, die zur Gruppe der Fältlinge gehören. Deren Vertreter zeichnen sich durch gallertartige oder weichfleischige Fruchtkörper aus, von denen sich die Insekten ernähren und in die sie dabei gleichzeitig Gänge fressen, um später dort ihre Eier abzulegen. So stellt der Pilz für die Spezies mitunter den einzig benötigten Lebensraum dar, der nie verlassen werden muss.

fungi

Auch wenn Zwergkäfer bereits im Jahr 1999 zum ersten Mal beschrieben und in ihnen das kleinste freilebende Insekt vermutet wurde: Eine Bestimmung mit letzter Sicherheit konnte bis heute nicht vorgenommen werden, da die in Nicaragua gefundenen Exemplare bereits für mikroskopische Studien präpariert worden waren. Es konnte daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Taxidermie Auswirkungen auf deren tatsächliche Größe hatte. Durch die neuerliche Entdeckung von 80 lebenden Exemplaren in Kolumbien ließ sich aber nicht nur diese Frage nun eindeutig beantworten, sondern auch das Wissen um ihren Lebensraum und die von ihnen bevölkerten Pilzarten erweitern.

Cover-Foto, Bild 1 & Bild 2: ZooKeys – Alexey Polilov
Bild 3: Wikipedia – Dan Molter (CC BY-SA 3.0)

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Wissenschaft

Als Nächstes lesen

Read Full Story