Allgegenwärtige Macher-Bewegung

Robotic Kitchen: Roboterhände kochen über 2.000 Gerichte

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Kochen polarisiert. Und das ganz ohne Zutun der sich im Fernsehen zu Aposteln des guten Geschmacks aufschwingenden Profis dieser Zunft. Es liegt einfach daran, dass es für die einen eine im Rahmen ihrer Möglichkeiten zelebrierte Kunst ist, während es für andere die profane Zubereitung von Speisen darstellt. Und diese äußert sich entweder in einer sich täglich wiederholenden, lästigen Pflicht oder – wenn etwa im Hotel Mama der Zwangs-Check-Out erfolgt ist – in einem das Überleben sichernden Übel.

Ob nun bei der jüngsten Ankündigung von Moley Robotics der Jubel der Koch-Verweigerer oder das Hände-über-dem-Kopf-Zusammenschlagen der Jamie- und Tim-Fans lauter war, dürfte schwierig zu bewerten sein. Jedenfalls gab das Unternehmen aus Palo Alto bekannt, bis 2017 eine „Roboter-Küche“ auf den Markt zu bringen. Kostennote: nördlich von 13.000 Euro. Was der Koch-Muffel dafür erhält und ob sich warten und sparen lohnt, darauf gibt das nachfolgende Video einen kleinen Vorgeschmack.

Realität und Vision

Sammlung von Kochanleitungen im iTunes-Style

Zugegeben: Noch liegt „The Robotic Kitchen“ außerhalb der Wertung auf dem Bocuse-O-Meter. Aber in zwei Jahren sollen die Roboter-Hände stolze 2.000 Rezepte in ihrem Repertoire haben – und auch zubereiten können. Bezugsquelle wird nach Angaben des Unternehmens dann eine „Sammlung von Kochanleitungen im iTunes-Style“ sein. Gesteuert wird die Roboter-Küche über ein Touch Screen oder eine App – bei Bedarf kann also schon von unterwegs die Bestellung im heimischen Robo-Restaurant erfolgen.

Neben dem obigen Video aus der Jetzt-Zeit existiert noch eins, das die Vision von Moley Robotics im finalen Status mit allen seinen Möglichkeiten visualisiert. Sehr nett anzusehen, auch wenn dem einen oder anderen von uns der Appell unseres geschätzten Gastautors Caschy noch laut in den Ohren klingeln dürfte: „Ich für meinen Teil habe jedenfalls keine Lust mehr, weiterhin nur futuristische Videos mit Inhalten zu sehen, die niemals kommen.“

Mit Hightech-Händen zum (Koch-)Erfolg

Robotic Kitchen soll nicht wie eine Maschine, sondern wie ein Mensch kochen

Bei der zwei Jahre dauernden Entwicklungszeit des Prototyps der futuristischen Küche konnte sich das Unternehmen über hochkarätige Unterstützung freuen. Das Herz der Küche – die beiden hochkomplexen, voll beweglichen Roboter-Hände –, wurden von der Shadow Robot Company entwickelt. Deren bekanntestes Produkt ist die „Dextrous Hand“, die der menschlichen Hand nachempfunden ist und von 40 künstlichen Muskeln in 24 Freiheitsgraden bewegt wird.

Warum es solche Hightech-Hände sein müssen, wird deutlich, wenn Moley Robotics seinen Ansatz für die Robotic Kitchen offenbart: Sie soll nicht wie eine Maschine, sondern wie ein Mensch kochen. Dazu wurde der preisgekrönte Koch Tim Anderson verpflichtet und in einem Motion Capture Studio beim Zubereiten eigens von ihm kreierter Speisen in 3D aufgenommen. Seine flinken Hände wurden dann in digitale Bewegungen übertragen. In späteren Versionen der Küche soll dieses Feature auch für die Besitzer verfügbar sein, so dass sie sich beim Zubereiten ihrer Lieblingsspeisen filmen und die Datei dann ihrem digitalen Kochbuch hinzufügen können. Dort können die 3D-Rezepte dann auch mit Freunden geteilt werden.

Auf Design-Seite gestaltete der auf Mega-Yachten spezialisierte Innenarchitekt Mauro Izzo die stylischen Küchenmöbel, die Kochutensilien wurden von dem international geachteten Designer Sebastian Conran entworfen. Schöne neue Kochwelt also – bis auf den Umstand, dass das Abschmecken dann wohl weiterhin ein Mensch übernehmen muss.

Bilder: Moley Robotics 

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Maker

Als Nächstes lesen

Read Full Story