Schwarzwasser: Regenerative Energiequelle der Zukunft

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Ein Pilotprojekt aus Hamburg könnte zum globalen Vorbild werden. Dank eines innovativen Abwassersystems versorgt es Haushalte günstig mit Strom und Wärme.

„Damit betreten wir Neuland und setzen weltweit Maßstäbe für ökologische Nachhaltigkeit.“ – Mit diesen Worten beschreibt Wolfgang Kuck ein innovatives Abwassersystem, das von größtem Interesse für Metropolen rund um den Globus sein dürfte. Denn löst es gleich mehrere urbane Umweltprobleme auf einmal.

Dazu zählen dem Projektleiter für Hamburg Water Cycle (HWC) zufolge: Abwasserentsorgung, Trinkwassereinsparung und nachhaltige Stromerzeugung. Noch am Wohnort wird Abwasser nach Verschmutzungsgrad getrennt, recycelt und direkt weitergenutzt. Dabei vereint das HWC drei verschiedene, innovative Wasserkreisläufe.

Mit Schwarzwasser zu Grüner Energie

Zum einen wird Regenwasser gesondert aufgefangen, in Teichen zurückgehalten und für die Bewässerung von Grünflächen genutzt. Das entlastet die Kanalisation, da Starkregen aufgrund der sich ändernden Klimaverhältnisse kontinuierlich zunimmt. In einem weiteren Kreislauf wird das sogenannte Grauwasser – das Abwasser, das in Bad und Küche beim Duschen oder Geschirrspülen anfällt – aufbereitet. Das HWC klärt es in einer eigenen Anlage, die aufgrund des nur leichten Verschmutzungsgrads deutlich weniger Aufwand benötigt als ein Klärwerk. Wiederaufbereitetes Grauwasser lässt sich beispielsweise fürs Blumengießen oder als Toilettenspülwasser verwenden.

Das innovative Abwassersystem vereint drei Wasserkreisläufe: Regenwasser, Grauwasser und Schwarzwasser.

Zuletzt wird auch das Schwarzwasser genutzt, bei dem es sich um das stark verschmutzte Wasser aus den Toiletten handelt. Es wird im Betriebshof der Projektsiedlung anaerob in großen Stahltanks zu methanhaltigem Biogas vergoren. Drei Liter Biogas lassen sich so aus einem Liter Schwarzwasser gewinnen. Die rund 1.300 Kubikmeter Biogas, die täglich entstehen, decken den Strom- und Wärmebedarf der Siedlung durch Kraft-Wärme-Kopplung fast zur Hälfte. Aus den Gärresten wird organischer Dünger gewonnen und vermarktet – es entsteht ein Stoffkreislauf.

Für Hamburg, wo das Pilotprojekt umgesetzt wird, bedeutet das neue Abwassersystem eine große Kostenersparnis, da herkömmliche große Zentralklärwerke Stromfresser sind. Auch Verbraucher sparen jährlich etwa 170 Euro an Wasser- und Abwassergebühren. Nur die Anschaffung von Vakuumtoiletten kommt Wohnungseigentümer anfangs teuer zu stehen. Diese arbeiten mit Unterdruck, was zu dem hohen organischen Anteil im Schwarzwasser führt, der für Biogasherstellung erforderlich ist. Trotz der hohen Investitionskosten sind Vakuumtoiletten aber offenbar sehr gefragt. 830 Wohneinheiten in der neuen Siedlung Jenfelder Au im Nordosten Hamburgs werden nun damit ausgestattet, 250 mehr als ursprünglich geplant. Dass das Projekt von der Bundesregierung und der Europäischen Union gefördert wird, lässt hoffen, dass es auch in anderen Ländern Aufmerksamkeit und Interesse weckt.

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Als Nächstes lesen

Read Full Story