Gesundheit

Sekundenschnell: Nanochip heilt Verletzungen durch Berührung

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

Forscher haben einen Nanochip entwickelt, der Körperzellen umprogrammiert und damit beschädigtes Gewebe und sogar Organe reparieren soll.

Wunden nur mit einer kurzen Berührung heilen: Was in den Ohren der meisten Menschen nach Aberglauben klingt, will die regenerative Medizin bald möglich machen. Wissenschaftler des Ohio State University Wexner Medical Center haben einen Nanochip entwickelt, der Hautzellen in beliebiges Zellmaterial umwandelt. Beschädigtes Gewebe lässt sich damit innerhalb kürzester Zeit regenerieren, wodurch Verletzungen wesentlich schneller therapiert werden könnten.

Die Besonderheit der Technologie namens Tissue Nanotransfection (TNT) besteht darin, dass das fingernagelgroße Plättchen in der Lage ist, Zellen bereits durch eine kurze Berührung umzuprogrammieren. „Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde. Der Chip wird einfach auf die verwundete Stelle gehalten und dann wieder entfernt“, erklärt der leitende Forscher Dr. Chandan Sen. Mittels eines kurzen elektrischen Impulses überträgt der Nanochip den erforderlichen genetischen Code in die darunterliegenden Hautzellen.

nanochip repariert ganze organe

Auf diese Weise verwandeln sich die behandelten Zellen eigenständig in das für die Heilung der jeweiligen Verletzung benötigte Zellmaterial wie etwa Blutgefäße, Nerven- oder Organgewebe. Wird dieses nicht direkt an der behandelten Stelle benötigt, kann es entnommen und im entsprechenden Körperareal wieder injiziert werden. Der Heilungseffekt setzt laut den Studienergebnissen bereits innerhalb weniger Tage ein.

Der Nanochip heilt Verletzungen innerhalb kürzester Zeit.
Der Nanochip heilt Verletzungen innerhalb kürzester Zeit. Bild: OSU Wexner Medical Center – (Screenshot/Montage)

Im Labor gelang es den Forschern mit dem Nanochip nicht nur, beschädigte Blutgefäße zu regenerieren. „Mit unserer neuen Technik können verletzte oder in ihrer Funktion eingeschränkte Organe komplett ersetzt werden“, erklärt Sen. Sogar Gehirnzellen ließen sich kultivieren, was den Forschern zufolge neue Behandlungsmöglichkeiten bei Schlaganfällen oder Krankheiten wie Parkinson möglich machen könnte.

Die Methode zeigte in den bisherigen Labortests eine sensationelle Erfolgsquote von 98 Prozent. „Tatsächlich sind wir selbst überrascht davon, wie gut das Prinzip funktioniert“, so L. James Lee, Co-Autor der Studie. Im nächsten Jahr soll der Nanochip in klinischen Studien erstmals an Patienten getestet werden. Wenn die Forscher nachweisen können, dass er beim Einsatz am komplexen menschlichen Körper genauso zuverlässig funktioniert wie im Labor, könnte die Technologie zu einem neuen Meilenstein der regenerativen Medizin werden.

Cover-Foto: OSU Wexner Medical CenterMontage

 

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