Royal Shakespeare Company

Shakespeares „Sturm“: Vorhang auf für Intel-Technik

Dean Evans Technology Writer Twitter

Theater trifft auf moderne Technik: Eine Inszenierung von Shakespeares berühmtem Stück Der Sturm bringt virtuelle Figuren auf die Bühne.

Vor etwas über vierhundert Jahren schrieb William Shakespeare sein Theaterstück Der Sturm, das weithin als eines seiner größten Werke gilt. Im November wird die Royal Shakespeare Company (RSC) eine der bislang gewagtesten Versionen dieses Stücks aufführen: Auf der berühmten Bühne in Stratford-upon-Avon wird das Publikum eine computeranimierte Figur des Luftgeists Ariel live bestaunen können.

Schon zu seiner Zeit schien es Shakespeares Wille gewesen zu sein, dass Der Sturm als grandioses Spektakel aufgeführt wird. „Das diffizile Stück erfordert erlesene Kostüme, vielgestaltige Musik und den richtigen Einsatz von Requisiten und Spezialeffekten“, erklärt die RSC. Laut der ersten Gesamtausgabe bedarf die Inszenierung der Eröffnungsszene „heftiger Donnergeräusche und Blitze“, um den das Theaterstück bezeichnenden Sturm zu kreieren.

shakespeares reise in die zukunft

Wie würde Shakespeare den Sturm inszenieren, wenn er heute noch am Leben wäre? „Der Sturm war Shakespeares letztes Stück“, erzählt Sarah Ellis, Head of Digital Development der RSC, „und 2016 wiederholt sich zum vierhundertsten Mal sein Todestag. Am Ende eines so bedeutsamen Jahres scheint es uns besonders wichtig, nicht nur einen Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart des Stücks zu werfen, sondern auch die Zukunft mit einzubeziehen”. Daher wurde Ellis von Artistic Director Gregory Doran mit einer besonderen Aufgabe beziehungsweise Fragestellung betraut: Welche Technik würde Shakespeare heute in seinem Stück einsetzen? Und wie würde seine für das 21. Jahrhundert konzipierte Version des Stücks aussehen?

Das Video eines fliegenden Wals brachte Sarah Ellis auf eine außergewöhnliche Idee. „Sarah schickte mir den Link zum Leviathan-Clip auf YouTube und erwähnte auch die Augmented Reality-Demonstration, die Intels CEO Brian Krzanich auf der CES 2014 präsentierte“, erinnert sich Doran. „Als ich sah, wie sich der Koloss über den Bildschirm bewegte und dann augenscheinlich aus der Leinwand heraus und über die Köpfe des Publikums hinweg schwamm, wusste ich: Genau das will ich für den Sturm.“

bühne frei für die technik

Sarah Ellis kontaktierte Intel und die RSC begann gemeinsam mit dem Motion-Capture-Unternehmen The Imaginarium, das von Schauspieler Andy Serkis und Jonathan Cavendish gegründet wurde, die in einer modernen Theateraufführung technisch realisierbaren Möglichkeiten zu erkunden. „Der Sturm verlangt vom allerersten Moment an nach einem Spektakel“, betont Gregory Doran. „Das Publikum muss bereits in der ersten Szene das Gefühl haben, dass es sich auf dem Ozean mitten in einem Schiffswrack befindet. Als Nächstes erscheint der Geist Ariel, der offensichtlich durch die Luft fliegen, in die Erde eintauchen und bis zum Meeresboden schwimmen kann.“

Der Sturm (engl. The Tempest) ist eines der bekanntesten Theaterstücke von William Shakespeare.
Der Sturm (engl. The Tempest) ist eines der bekanntesten Theaterstücke von William Shakespeare.

Wie sich herausstellte, bestand ein Schlüsselelement für die Umsetzung von Dorans Vision in der Technik von Intel.

fabelwesen aus computereffekten

Im Laufe des Theaterstücks nimmt Ariel weitere fantastische Formen an, zum Beispiel jene einer Harpyie. „Hierfür verwenden wir Partikeltechnik“, erklärt Doran. „Wir kreieren einen Schwarm von Vögeln, die aufeinander zufliegen und sich schließlich in das mythologische Fabelwesen verwandeln. Ich hätte in einer Million Jahren nicht gedacht, dass ich diese Art von Effekt je live auf einer Bühne umsetzen könnte.“

Doch dies ist nur einer von vielen erstaunlichen Spezialeffekten, der durch die Zusammenarbeit von RSC, Intel und The Imaginarium verwirklicht wurde. „Der Sturm wird bereits seit 400 Jahren von Theatergesellschaften aufgeführt“, sagt Tawny Schlieski, Director of Desktop Research bei Intel. „Er war sozusagen Shakespeares Sommer-Blockbuster und bietet seit jeher alle Voraussetzungen, um die jeweils neueste und großartigste Technik einzusetzen. Die Darstellung eines wahrhaft magischen Charakters, der kein Mensch ist – im Text war nie ein Mensch vorgesehen –, wurde so noch nie realisiert.“

moderne technik als brückenschlag

Trotz der enormen technischen und logistischen Herausforderungen, auf einer Bühne modernste Computertechnik einzusetzen, ist Gregory Doran von deren Potenzial begeistert. „Ich habe schon viele Aufführungen des Sturms gesehen“, erzählt er. „Aber ich hatte noch nie das Gefühl, eine Produktion zu sehen, die mir den Atem raubt und mich fragen lässt: ‚Wie haben sie das gemacht?‘“

Das Royal Shakespeare Theatre im englischen Stratford-upon-Avon. Bild: Flickr - Wesley Dryden (CC BY 2.0)
Das Royal Shakespeare Theatre im englischen Stratford-upon-Avon. Bild: Flickr – Wesley Dryden (CC BY 2.0)

„Ich hoffe, dass diese Produktion ein neues Publikum anziehen wird, das sich das Stück ohne die Spezialeffekte und den Technikeinsatz wahrscheinlich nicht angesehen hätte. Ich hoffe, dass wir dieses Ziel erreichen werden und vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: den Zuschauern den Zugang zu Shakespeare ermöglichen, aber auch ihren Wunsch nach etwas Neuem und Spektakulärem erfüllen.“

Hinweis des Redakteurs: In dieser Artikelserie beschäftigt sich iQ mit den faszinierenden und nahezu unglaublichen Möglichkeiten, die Computertechnik eröffnet. Wir schauen uns an, wie Computertechnik neue Möglichkeiten und Entdeckungen im Bereich der Wissenschaft, der Maker-Bewegung, der Modebranche sowie der Sport- und Unterhaltungsbranche voranbringt. Wenn Sie mehr über die Techniktrends hinter diesen Storys erfahren möchten, besuchen Sie Experience Amazing.

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Unterhaltung

Als Nächstes lesen

Read Full Story