Simulation Nation: So gestalten Unternehmen mit VR die Zukunft

by Deb Miller Landau
iQ Managing Editor

Innovatoren aus der Automobil-, Architektur- und Einzelhandelsbranche zeigen, wie virtuelle Realität die Arbeitsweise von Unternehmen verändern wird.

Einer der besten Aspekte der virtuellen Realität (VR) ist der Umstand, dass mit ihr alles möglich ist. Für viele Unternehmen unterschiedlicher Branchen bedeutet dies neue Chancen zum Aufbau von besseren, leichter zugänglichen und persönlicheren Produkten und Dienstleistungen. „Virtuelle Realität bietet fesselnde, interaktive Möglichkeiten, die normalerweise viel teurer wären“, sagt Mike Premi, Business Development Manager für Produktinnovationen bei Intel. „Damit besitzt sie die Fähigkeit, viele der herkömmlichen Märkte von Grund auf zu neu zu gestalten. Die kommerziellen Anwendungsmöglichkeiten für diese Technik sind grenzenlos.“

Innovationen in den Bereichen Rechenleistung und Visualisierungstechniken unterstützen VR-Entwickler bei der Konzeption von Simulationen, die Industrien durch mehr Kreativität, Relevanz, Effizienz und sogar Sicherheit revolutionieren könnten. Gleichzeitig führt dies zu sinkenden Kosten und neuen Ertragschancen. Goldman Sachs schätzt, dass der Markt für VR und Augmented Reality (AR) bis 2025 auf circa 108 Milliarden Euro wachsen wird. Für viele Menschen, die heute im VR-Bereich arbeiten, stecken die unendlichen Möglichkeiten dieser Technik aber noch in den Kinderschuhen.

LAdenDesign einfach in der Virtuellen Realität gestalten

„Im Einzelhandel hat sich in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert“, sagt Josh Hansen, Geschäftsführer von PixelPool. Das Unternehmen für digitale Einzelhandelslösungen unterstützt Marken bei der Nutzung von VR für die Konzeption und Planung ihrer Geschäfte. Laut Hansen vergeuden viele Einzelhändler immer noch wertvolle Ressourcen – unter anderem für die Konzeption und den Versand von Musterprodukten in jeder Farbe und in jedem Stil, für Design und Neudesign und für das Anziehen von Schaufensterpuppen.

Josh Hansen von PixelPool unterstützt Einzelhändler mittels VR beim Ladendesign.
Josh Hansen von PixelPool unterstützt Einzelhändler mittels VR beim Ladendesign.

„Das alles können wir nun in der virtuellen Realität simulieren“, erklärt Hansen. „Wir stellen den Ladenplanern jedes einzelne Teil in Form einer virtuellen 3D-Simulation zur Verfügung. So können sie Einrichtungen aufbauen, durch die Räume gehen und alles genau so sehen, wie es später im Laden sein soll.“ Mit der PixelPool-Software sind Einzelhändler in der Lage, jede Komponente in ihrem virtuellen Laden per Drag-and-Drop zu bewegen oder zu ändern – von Kleidung und Regalen über die Beleuchtung bis hin zur Wandfarbe. Auf diese Weise können sie ihr Design in unzähligen Varianten konzipieren und so lange Änderungen vornehmen, bis alles perfekt ist.

Die digitale Revolution als Basis für Kreativität

Zudem ist es möglich, virtuelle 3D-Showrooms für den Verkauf saisonaler Sortimente einzurichten. „Das Großartige an der virtuellen Realität ist das Grenzenlose. Sie können Dinge konzipieren, die es noch gar nicht gibt“, sagt Hansen. „Sie treffen Entscheidungen, die nicht nur auf dem Aussehen der Dinge basieren, sondern auch darauf, wie groß der Ertrag mit einem bestimmten Setup sein könnte.“ Die digitale Revolution im Einzelhandel überzeuge Unternehmen davon, kreativer zu werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

„Entweder Sie nehmen die Techniken an und sind innovativ oder Ihr Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen ist Geschichte“, meint Hansen. „Wenn Sie sich einige der weltweit größten Konzerne anschauen, dann sehen Sie, dass alle stark in virtuelle Realität investieren.“ Endlich sei die notwendige Technik vorhanden, erklärt Hansen, dessen erfolgreiches Unternehmen auf High-End-Workstations und mehr als 30 Server mit Intel Xeon-Prozessoren zurückgreift. „Heute ist die passende Verarbeitungs- und Rechnerleistung verfügbar und deshalb können wir sie für die Entwicklung nutzen.“

Sieg auf der Rennstrecke dank Simulation

Für Keith Maher bedeutet die Entwicklung mittels VR die Verschmelzung zweier Leidenschaften: Technik und Autorennen. Der Mitbegründer und Geschäftsführer von VR Motion entwickelte einen professionellen Rennwagensimulator, der Dominic Dobson dabei half, eines der härtesten Rennen der Welt zu gewinnen. „Es ist wie ein Fitnesscenter für Fahrer,“ sagt Maher. „Es gibt viele Forschungsergebnisse aus der Sportpsychologie, die zeigen, dass sich die eigene Leistung verbessern lässt, wenn Perfektion visualisiert wird.“

VR Motion setzt virtuelle Realität für die Simulation von Fahrerlebnissen ein.
VR Motion setzt virtuelle Realität für die Simulation von Fahrerlebnissen ein.

Dobson, der sieben Mal beim Indianapolis 500 startete und dort zur Legende wurde, wollte am Pikes Peak International Hill Climb teilnehmen, einem der härtesten Bergrennen der Welt. Gefahren wird dabei auf öffentlichen Straßen, wodurch Trainingsläufe unmöglich sind. Maher entwickelte daher eine PC-Simulation der Strecke, die exakt auf dem Wagen basierte, den Dobson fahren wollte. Berücksichtigt wurden dabei die physikalische Lastverteilung des Autos, die veränderte Traktion am Berg und sogar der Treibstoffverbrauch. Dobson, der die 50 überschritten hat und nie zuvor am Pikes Peak teilgenommen hatte, gewann das Rennen im Jahr 2015.

Die von Keith Maher entwickelten VR-Rennstrecken sind wie Fitnesscenter für Fahrer.
Die von Keith Maher entwickelten VR-Rennstrecken sind wie Fitnesscenter für Fahrer.

 

Händler kommen in Zukunft zu den Kunden

Als Mike Premi von Intel die Arbeit Mahers sah, ermutigte er ihn, diese Technik auf die größeren Verbrauchermärkte zu bringen. „Ich habe das große Potenzial für das Sicherheitstraining der Fahrer und auch für das Einzelhandelssegment erkannt“, sagt Premi. Mithilfe von Unreal – einer Entwicklungsplattform, die für die Konzeption von VR-Spielen genutzt wird – erzeugte VR Motion einen virtuellen Showroom. In diesem können potenzielle Autokäufer Ausstattungsvarianten, Farb- und Radoptionen auswählen. Sie können sogar eine virtuelle Testfahrt mit dem Modell unternehmen, das sie interessiert. Dafür setzen sie ein VR-Headset auf und schnallen sich für die Fahrt an.

„Die Wirtschaftlichkeit eines Händlers hat viel mit der Größe des Inventars zu tun“, erklärt Premi. „Ich glaube, im Laufe der Zeit wird sich die Ladenfläche verkleinern und die Händler werden zu den Kunden gehen – ohne riesiges Sortiment und Inventar.“ Der nächste Schritt für VR Motion sind Simulationen für die Ausbildung von Fahrern, die damit alle großen Herausforderungen des echten Fahrens in der sicheren Welt der VR kennenlernen können. „Ich habe eine kleine Tochter und ich möchte, dass sie an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal nach dem Autoschlüssel greifen wird, vollständig vorbereitet ist“, sagt Maher.

Architekten auf Besichtigung im virtuellen Haus

Laut WILD-Geschäftsführer Gabe Paez könnten die Zeiten, in denen sich Architekt und Bauunternehmer bei der Bewertung von Ideen auf Whiteboards verlassen mussten, dank VR bald vorüber sein. Denn sein VR-Startup aus Portland, Oregon, entwickelt das Designwerkzeug „Massit“ für Architekten. „Massit ermöglicht Architekten die Umsetzung einer Idee in Echtzeit, sodass sie nicht nur hinsichtlich ihres Aussehens bewertet werden kann, sondern auch dahingehend, wie sie sich im Raum anfühlen wird“, erklärt Paez.

Gabe Paez nutzt VR, damit Architekten ihre Gebäude erleben können, bevor sie überhaupt gebaut werden.
Gabe Paez nutzt VR, damit Architekten ihre Gebäude erleben können, bevor sie überhaupt gebaut werden.

Traditionell vermitteln Architekten ihre Ideen durch Skizzen, Blueprints oder zweidimensionale Renderings. Massit ermöglicht es laut Paez jedoch, ein Gebäude zu konzipieren und sich dann durch dessen Räume bis nach unten auf die Straße zu bewegen. Auf diese Weise können Architekten ihr Werk in einem lebensechten Maßstab bewerten. „Eine Konzeption für die virtuelle Realität funktioniert ganz anders als eine für das Internet oder für mobile Lösungen, weil VR eine empirische Plattform ist“, erläutert Paez. Es gehe nicht nur darum, digitale Inhalte zu erzeugen und zu zeigen, sondern auch darum, wie sie erlebt werden.

Aktuelle Technik sorgt für Hochphase der VR

„Es ist wichtig, sich seine Inspiration nicht nur aus Büchern zu holen, sondern in der Welt. Beispielsweise beim Besteigen eines Bergs oder auf einem Spaziergang durch den Wald“, sagt Paez. „Wie fühlt sich das an? Wie kann ich das in einer digitalen Welt replizieren?“ Massit hilft Architekten laut Paez bei einem klassischen Problem – nämlich der effektiven Vermittlung der eigenen Ideen an andere. Die Technik sei nun endlich so weit, diese Erfahrung nahtlos zu gestalten. „Es ist fantastisch, was mit Hardware heute möglich ist“, meint Paez.

„Virtuelle Realität ist jetzt erst in ihrer Hochphase, weil GPUs, CPUs und die gesamte Technik bis zu einem Punkt reifen mussten, an dem sie jene Leistung liefern konnten, die die VR verlangt.“ Laut Hansen von PixelPool ist VR für die Mitarbeiter aller Branchen nicht länger etwas, über das sie leise sprechen. „Menschen sind visuelle Wesen“, sagt er. „75 Prozent der Nervenzellen in unserem Gehirn sind sensorische Nervenfasern und auf das Sehen ausgerichtet. Wenn wir Dinge visuell erleben, dann verstehen wir sie am besten. Ich glaube, die virtuelle Realität macht das besser als alles, was ich je gesehen habe.“

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