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Strassenverkehr: Wie Augmented Reality aggressives Verhalten verringern soll

Da Ärger im Straßenverkehr zu gefährlichen Situationen führen kann, haben Forscher eine App zur Kommunikation zwischen Autofahrern entwickelt.

Ein alltägliches Szenario: Ein Autofahrer fährt gemütlich vor sich hin und freut sich über den schönen Tag, als ein anderes Auto ihn plötzlich mit voller Geschwindigkeit schneidet. Er ärgert sich, hupt und setzt sich dabei kurzzeitig einer gefährlichen Situation aus. Denn in diesem Moment achtet er nicht mehr genau auf das, was um ihn herum geschieht. Wäre seine Reaktion jedoch genauso ausgefallen, wenn er gewusst hätte, dass der Raser dringend einen Mitfahrer ins Krankenhaus bringen muss?

Diese Frage stellten sich Wissenschaftler der Technischen Universität Eindhoven in den Niederlanden. „In den USA werden durch aggressives Verhalten im Straßenverkehr jedes Jahr rund 1.500 Personen getötet oder verletzt“, erklärt der Forscher Chao Wang. Deshalb arbeitet er als Leiter eines Projekts an der Entwicklung einer neuen Mobil-App. Diese soll die Kommunikation zwischen den Fahrern mithilfe von Augmented Reality erleichtern.

Anderen das eigene Verhalten per SMS erklären

Der Ansatz ist relativ simpel: Die Smartphone-App nutzt einen nahe der Windschutzscheibe positionierten kleinen Kunststoffbildschirm, um Informationen zum Straßenverkehr anzuzeigen. So wird der Fahrer nicht durch sein Telefon abgelenkt. Die App enthält zudem eine Reihe einfacher Sätze und Piktogramme, die der Fahrer anderen Verkehrsteilnehmern per SMS schicken kann. Auf diese Weise ist es ihm möglich, den Grund für sein Verhalten im Straßenverkehr zu erklären.

Die neue App soll Ärger im Straßenverkehr durch bessere Kommunikation verhindern.
Die neue App soll Ärger im Straßenverkehr durch bessere Kommunikation verhindern.

So könnte zum Beispiel ein auf dem Bildschirm angezeigtes Flugzeugsymbol darauf hinweisen, dass das nachfolgende Auto dringend zum Flughafen muss. Die anderen Fahrer wüssten, warum das Auto hinter ihnen etwas „sportlicher“ als normalerweise unterwegs ist und könnten den Weg freimachen. Durch die App wären Autofahrer in der Lage, andere Verkehrsteilnehmer auch über verschiedene andere Situationen zu informieren.

kein Freifahrtschein für Rowdys im Strassenverkehr

Allerdings soll die App kein Freibrief für Verkehrsrowdys sein: Die Entwickler wollen im Laufe der Zeit Schutzmaßnahmen einbauen. Insbesondere, indem sie die Verwendung bestimmter Funktionen einschränken, die gefährliches Verhalten rechtfertigen könnten. Darüber hinaus enthält die App eine Art Benotungssystem. Andere Verkehrsteilnehmer können einem Fahrer Mitteilungen senden, die Facebook-Symbolen ähneln und ihn zum Beispiel für sein rücksichtsvolles Verhalten loben oder andererseits ihrem Ärger Ausdruck verleihen.

Durch einen zusätzlichen Bildschirm muss der Fahrer nicht auf sein Smartphone schauen.
Durch einen zusätzlichen Bildschirm muss der Fahrer nicht auf sein Smartphone schauen.

Zurzeit testen die Forscher mit einigen Fahrern die Effizienz ihrer Anwendung. Damit sich die mit der App ausgestatteten Autos identifizieren lassen, wird an der Windschutzscheibe ein Sticker angebracht. Doch Chao Wang kann sich vorstellen, dass sich hierfür in Zukunft die Nummernschilder verwenden lassen. Wenn sich nachweisen lässt, dass die neue Kommunikationsmethode tatsächlich die Aggressivität im Straßenverkehr verringert, wird sie den Forschern zufolge auch für Versicherungen interessant sein. Denn diese könnten die Fahrer-Benotung verwenden, um Fahrgewohnheiten zu beurteilen und Versicherungspolicen entsprechend anzupassen. Auch wenn das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, vermittelt es bereits eine Idee davon, was die nahe Zukunft durch Computertechnik für uns bereithält.

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