Technische Innovation

Stratolaunch Carrier: Grösstes Flugzeug der Welt soll Raumfahrt revolutionieren

Sabine Berger Autorin, Hemd & Hoodie

In der Mojave-Wüste hat der gigantische Stratolaunch Carrier erstmals den Hangar verlassen. Als Weltraumtaxi soll er künftig Satelliten ins All bringen. 

Ob Autonavigation, Fernsehen oder Mobilfunk: Ohne moderne Satelliten, die im Orbit der Erde stoisch ihre Bahnen ziehen, wäre ein großer Teil unserer Alltagstechnik undenkbar. Allerdings ist die Beförderung der künstlichen Raumflugkörper an ihren Bestimmungsort bislang nicht nur teuer, sondern auch ineffizient: Die Flüge sind wetterabhängig, die Trägerraketen benötigen viel Treibstoff und pro Start kann jeweils nur ein Satellit transportiert werden.

Wenn es nach dem Willen des US-Milliardärs Paul Allen geht, wird sich das bereits in zwei Jahren ändern. Denn dann soll der Stratolaunch Carrier Raketen – und später auch Menschen – in den Himmel befördern und uns einen „normalisierten“ Zugang zum erdnahen All ermöglichen. Sechs Jahre dauerte die vom Microsoft-Mitgründer finanzierte Entwicklung des „The Roc“ genannten Mega-Fliegers, der an Superlativen kaum zu überbieten ist.

Gigantische Fliegende Startrampe

Der gigantische Frachter besteht aus einem Doppelrumpf, wodurch er auf eine Flügelspannweite von 117 Metern kommt – das ist Weltrekord! Zum Vergleich: ein Airbus A380 erreicht nur 80 Meter, ein Fußballfeld ist im Schnitt 100 Meter breit. Mit einer Länge von 72 Metern, Heckhöhe von 15 Metern, einem Leergewicht von 229 Tonnen und einer Nutzlast von 250 Tonnen überragt er auch sonst die meisten bislang gebauten Flugzeuge. Für den Vorschub von maximal 850 Kilometern pro Stunde sorgen sechs Pratt-&-Whitney-4056-Triebwerke, wie sie auch bei der Boeing 747-400 verwendet werden. Das maximale Startgewicht des auf 28 Rädern montierten Riesen beträgt 590 Tonnen, die Reichweite im Frachttransport ist 14.800 Kilometer.

Der Stratolaunch Carrier weist eine Flügelspannweite von 117 Metern auf.
Der Stratolaunch Carrier weist eine Flügelspannweite von 117 Metern auf. Gif: Stratolaunch Systems(Montage)

Unterhalb des riesigen Rumpfes finden bis zu drei Satellitenraketen Platz. „The Roc“ soll diese bis auf eine Höhe von 9.000 Metern transportieren und am Rand der Erdatmosphäre abkoppeln. So können sie dann ihre eigenen Triebwerke starten und alleine weiter in den Orbit fliegen. Der erste Probe-Launch ist für 2019 geplant. Verlaufen die Tests mit den mehrstufigen Raketen erfolgreich, will Allen auch Menschen ins Weltall schicken – und könnte damit die Raumfahrt revolutionieren. „Das Flugzeug soll bequemen, zuverlässigen und routinemäßigen Zugang zu niedrigen Erdumlaufbahnen erschließen”, so Jean Floyd, Vorstandschef des “The Roc”-Erbauers Stratolaunch Systems.

Mikrosatelliten, ein Riesengeschäft

Kolportierte 270 Millionen US-Dollar (etwa 240 Millionen Euro) soll Stratolaunch das Projekt bislang gekostet haben. Doch das das könnte sich schon bald auszahlen: Weil das Flugzeug als wiederverwertbare Startrampe genutzt werden kann, könnten Satellitenstarts viel erschwinglicher werden. Kunden für ein solches Angebot dürften bereits Schlange stehen.

"The Roc" soll niedrige Erdumlaufbahnen für Mensch und Technik erschließen.
“The Roc” soll niedrige Erdumlaufbahnen für Mensch und Technik erschließen.

Zu ihnen werden vor allem große Technologiekonzerne gehören, die eigene Mikrosatelliten in die untere Erdumlaufbahn schicken möchten. Schätzungen zufolge könnten bis zu 500 solcher Trabanten jährlich starten und beispielsweise Satellitenbilder für Kartendienste wie Google Earth zur Erde funken.  So verwundert es auch nicht, dass auch andere Visionäre diesen Riesenmarkt bereits im Blick haben, zu denen unter anderem Richard Branson und Elon Musk zählen.

Cover-Foto: Stratolaunch Systems – (Montage)

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