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Studie offenbart: Unser Mail-Verhalten ist vorhersagbar

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Die Digital Natives und Generation Zler benutzen sie angeblich nicht mehr und satteln stattdessen auf Messenger-Dienste um. Trotzdem gehört die E-Mail – vor allem im Business-Bereich – global weiterhin zu den am häufigsten verwendeten Kommunikationsmitteln. Dem Statistik-Portal Statista zufolge wurden im vergangenen Jahr weltweit 196,3 Milliarden Mails verschickt, in diesem Jahr soll die Zahl sogar noch um knapp acht Milliarden steigen.

Als etwa Mitte der 1980er Jahre die E-Mail in Deutschland an Fahrt aufnahm, wollte jeder eine bekommen. Heute sind wir so weit, dass Unternehmen aufgrund der apokalyptischen Fluten bisweilen regulativ eingreifen müssen, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Bei Daimler flattern beispielsweise täglich etwa fünf Millionen Mails in die Postfächer der etwa 100.000 Mitarbeiter. Um Entwicklern von Mail-Programmen nun die Möglichkeit zu bieten, möglichst effiziente Lösungen zur Verwaltung der digitalen Briefberge zu entwickeln, wurde die bis dato weltweit größte Mail-Studie durchgeführt.

Schätzung zur Anzahl verschickter E-Mails privat vs. geschäftlich pro Tag
Schätzung zur Anzahl verschickter E-Mails privat vs. geschäftlich pro Tag

Einfache Vorhersagen möglich

Nach welchen individuellen Systemen bearbeiten Empfänger ihre Mails?

In dieser von Mitarbeitern der Yahoo Labs initiierten Untersuchung sollte in erster Linie zutage gefördert werden, nach welchen selbst entwickelten, individuellen Systemen Empfänger ihre Mails bearbeiten. Und um ein Ergebnis vorwegzunehmen: Sie sind offenbar recht gut vorhersagbar. Ob das nun gut oder schlecht ist, kommt wohl auf den Betrachtungsstandpunkt an. Denn aus Sicht der Entwickler dürfte das die Arbeit ungemein erleichtern, aus der der Nutzer ist jede Vorhersagbarkeit – das liegt in der Natur des Menschen – ein fast schon fatalistischer Angriff auf den freien Willen und die Individualität. Doch was wurde nun konkret untersucht und herausgefunden?

Prognose zur Anzahl der täglich versendeten E-Mails weltweit
Prognose zur Anzahl der täglich versendeten E-Mails weltweit

Über mehrere Monate hinweg wurden etwa sechszehn Milliarden Mails von zwei Millionen Studien-Teilnehmern getrackt. Zu den dabei erfassten Daten gehörten zum einen personenbezogene Informationen bezüglich der Identität der Absender und Empfänger sowie ihres Alters. Und zum anderen die Versandzeitpunkte, Länge der Mails, die Zahl der mit ihnen versendeten Anhänge und die Texte in den Betreffzeilen. Außerdem wurden die Devices erfasst, über die die Mails verschickt oder gelesen wurden.

Auch andere Unternehmen investieren in “Mail-Forschung”

Gesammelte Daten sollen als Basis für Algorithmen verwendet werden

Einige der Kernerkenntnisse sind: Jüngere Menschen antworten auf Mails schneller und kürzer als ältere, wobei die Antworten der Männer hierbei kürzer ausfallen als die der Frauen. Während der Arbeitszeiten werden Mails schneller und umfassender beantwortet als in der Freizeit – eine Erkenntnis, die vermutlich jeder leicht nachvollziehen kann. Das dürfte auch für das Finding gelten, dass Mails, die auf einem Mobile Devices verfasst wurden, in aller Regel kürzer ausfallen als die vom PC versendeten. Je mehr E-Mails die Testpersonen empfingen, desto geringer fiel ihre Antwort-Quote und die Mail-Länge aus.

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Wer sich detailliert über den Datensatz, das Antwort-Verhalten und die ihn bestimmenden Faktoren sowie die daraus resultierenden Ableitungen der Yahoo Labs informieren möchte, findet die umfassenden Ausführungen in diesem PDF. Auch wenn viele der Findings bis zu einem gewissen Grad als Common Sense eingestuft werden könnten: Zum ersten Mal wurden sie anhand einer repräsentativen Studie wissenschaftlich nachgewiesen. Die Bedeutung der gesammelten Daten liegt dabei vor allem darin, dass sie als Basis für Algorithmen verwendet werden können, mit deren Hilfe die Mail-Clients smarter werden – und damit effizienter. Das sollte uns in Zukunft dann hoffentlich die Arbeit mit Mails erleichtern.

Es sollte bei alledem aber nicht vergessen werden, dass die Erhebung von Yahoo und damit einem Mail-Dienst-Anbieter stammt, und daher „cum grano salis“ genossen werden sollte. Hinzu kommt, dass in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche andere Mail-Anbieter – darunter IBM, Microsoft und allen voran Google – viel Geld in die Weiterentwicklung ihrer E-Mail-Anwendungen investiert haben. Und da wollte Yahoo wohl nicht hinten anstehen. Aber uns Usern kann das ja eigentlich nur recht sein und wir können gespannt sein, mit welchen Features die Entwickler uns künftig beglücken. Vielleicht gucken sie sich ja auch was bei Crystal Knows ab – der eigenen Angaben zufolge “größten Verbesserung bei der E-Mail seit der Rechtschreibprüfung.” Mit Hilfe des Dienstes können sich User vor dem Versand einer Mail über die Persönlichkeit des Empfängers informieren und ihre Mail-Nachricht dann so optimieren, dass sie bestmöglich bei ihm “ankommt”.

Cover Foto: Flickr – QSC AG (CC BY 2.0)
Bild 1 & 2: Statista.com
Bild 3 : arxiv.org

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