Gesundheit

Taste Buddy: Erfindung soll Gemüse wie Schokolade schmecken lassen

Durch Taste Buddy könnte das Abnehmen künftig nicht mehr mit Verzicht verbunden sein. Denn das Gerät kann Geschmacksknospen manipulieren.

„Viele Kinder hassen den Geschmack von Gemüse“, sagt Professor Adrian Cheok von der City University London. „Als ich Ingenieur wurde, wollte ich daher ein Gerät konstruieren, durch das Kinder Gemüse essen können, das wie Schokolade schmeckt.“ Mit Erfindung des Taste Buddys durch die von ihm geleitete Forschergruppe ist er diesem Wunsch ein Stück nähergekommen.

Denn der zwei Zentimeter breite Streifen für die Zunge manipuliert die Geschmacksknospen mittels thermischer und elektrischer Reize. Durch sprunghaftes Anheben der Temperatur von 25 auf 40 Grad Celsius ruft das Gerät süßen Geschmack hervor, weil die dafür zuständigen Rezeptoren wärmeempfindlich sind. Die Abgabe eines schwachen Stroms spricht hingegen andere Zungenbereiche an, die Salziges wahrnehmen. Während der Prototyp noch auf diese zwei Funktionen beschränkt ist, sollen künftige Versionen ein breiteres Geschmacksspektrum abdecken.

Taste Buddy in der Besteckschublade

„Der Taste Buddy könnte dabei helfen, Leben zu retten, indem er Menschen die Umstellung auf gesünderes Essen ermöglicht“, erklärt Cheok. Damit sie dabei nicht auf den Geschmack von Leckereien verzichten müssen, arbeiten die Forscher momentan am Prototyp eines Dessertlöffels. Dieser soll zuckerarme Lebensmittel süßer schmecken lassen. Nächstes Jahr führt die Gruppe dann eine Studie zum Essverhalten von Menschen durch, um auf dieser Basis ein komplettes Besteck-Set zu entwickeln.

In Besteck eingebaut, könnte der Taste Buddy den Geschmack von Speisen verbessern.
In Besteck eingebaut, könnte der Taste Buddy den Geschmack von Speisen verbessern.

„Wie bei einem Mikrochip wollen wir den Taste Buddy immer kleiner und kleiner machen, bis er in Besteck, Getränkedosen, Gebrauchsgegenstände und Tassen passt“, erläutert Kasun Thejitha Karunanayaka, einer der Mitarbeiter von Cheok. Zudem arbeiten die Forscher daran, auch feine Geschmacksnuancen erzeugen zu können. Allerdings ist der Weg dorthin noch lang, denn schon der Unterschied zwischen einer Zitrone und einer Limone ist den Wissenschaftlern zufolge gewaltig.

Guter Geschmack auf dem Weg zum Mars

„Was als unterhaltsames Technik-Experiment begann, ist zu etwas Hochinteressantem geworden, das positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben könnte“, sagt Cheok. Fraglich bleibt dabei allerdings, ob gesunde Ernährung mittels Simulation von Schokolade oder Fast Food erreicht werden muss. Denn Geschmack ist zu einem großen Teil erlernt und Eltern sollten ihre Kinder frühzeitig an vollwertige Lebensmittel gewöhnen.

Astronauten könnten Taste Buddy auf Flügen zum Mars nutzen.
Astronauten könnten Taste Buddy auf Flügen zum Mars nutzen. Gif: Esa – Samantha Cristoforetti

Auf diese Weise brauchen sie keine technischen Hilfsmittel, die schließlich immer ein Ausfallrisiko bergen. Doch der Taste Buddy bietet auch viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. So könnte das Gerät Kindern die Medikamenteneinnahme erleichtern, Menschen mit Gewichtsproblemen bei ihrer Diät unterstützen oder sogar Astronauten auf Mars-Missionen mit dem Geschmack eines Fünf-Gänge-Menüs bei Laune halten.

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