Zugang für alle

Terrafugia TF-X: Eine traumhafte Vision von einem fliegenden Auto

Marek Hoffmann Autor, Hemd & Hoodie

Pferdekutschen durch motorbetriebene, vierrädrige Fuhrwerke ersetzen? Was für eine krude Idee! Zumindest dachten das viele Menschen gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch, bevor natürliche Pferdestärken durch industrielle von den Straßen gedrängt wurden.

Einen ähnlichen Quantensprung erleben wir jetzt mit fliegenden Autos, die vor einigen Jahren noch als Spinnerei abgetan wurden. Heute stellen sie nicht nur ein salonfähiges Thema dar, sondern sind – wie etwa das slowakische Aeromobil – bereits real existent sind. Das neuste Beispiel für eine Vision aus der Kategorie „Zukunft der Verkehrsmittel“ ist der Terrafugia TF-X.

Senkrechtstarter mit Coolness-Faktor

Steuerung in etwa fünf Stunden erlernbar

Seit Matt Trakkers Thunder Hawk hatte kein fliegendes Auto mehr solch einen Coolness-Faktor wie der TF-X. Der Viersitzer ist im Unterschied aber ein Senkrechtstarter, der von zwei Propellern mit elektrischen Hybridmotoren in die Lüfte gehoben wird. Die Reichweite bei einem Nonstop-Flug wird vom Hersteller mit mindestens 800 Kilometern angegeben, was mit etwas Rückenwind so gerade für einen Abstecher von Oberstdorf nach Flensburg reichen könnte.

roadfromtop

Die Steuerung des Flugmobils kann manuell erfolgen und soll von einem durchschnittlichen Autofahrer in etwa fünf Stunden zu erlernen sein. Wer sich lieber zurücklehnen und die Aussicht genießen möchte, überlässt den Flug – inklusive Start- und Landesequenz – dem Bordcomputer. Der große Vorteil des TF-X besteht hierbei darin, dass er dafür keine Start- und Landebahn benötigt. Es genügt eine freie Fläche von lediglich etwa 30 Metern Durchmesser.

overcity

In beiden Fällen muss der Pilot jedoch zuvor einen als solchen zugelassenen primären Landeplatz sowie zwei Ausweichoption ins System eingeben. Dieses prüft dann, ob der TF-X über ausreichend Energie verfügt, sich die Koordinaten in frei zugänglichem Luftraum befinden und die lokalen Wetterbedingungen innerhalb akzeptabler Parameter liegen. Anderenfalls wird der Start vom System verwehrt.

Safety first   

Bordcomputer soll Zusammenstöße verhindern

Zusätzlich zu diesem Sicherheitsmechanismus und den auf Statistiken basierenden „Fliegen ist sicherer als Autofahren“-Argumenten gibt es noch weitere Sicherheitsaspekte: Der TF-X verfügt über einen Bordcomputer, der Zusammenstöße mit anderen Flugobjekten verhindert oder ihnen zumindest selbstständig ausweicht. Er umfliegt ebenso automatisch Schlechtwetterfronten und gesperrte Lufträume. Das Sicherheitssystem enthält darüber hinaus einen Rettungsschirm, der vom Piloten im Notfall ausgelöst werden kann und der das Fahrzeug samt Insassen mehr oder minder sanft zur Erde bringt. Und sollte nicht das Auto, sondern der Faktor Mensch zum Sicherheitsrisiko werden, etwa durch Ohnmacht, initiiert der TF-X eine Notlande-Sequenz für den am nächsten gelegenen Flughafen.

Denn auch wenn das bei aller Freude über die Entwicklung bei den fliegenden Maschinen für den privaten Flugbetrieb etwas in den Hintergrund rückt: die Sicherheitsaspekte dürfen nicht aus den Augen verloren werden, denn was steigt, kann auch fallen. Aktuelles Beispiel dafür ist der missglückte Testflug des oben erwähnten und sich bereits sehr nahe an einem marktfähigen Produkt befindenden Aeromobils. Dessen Chefkonstrukteur und Pilot musste das Notrettungssystem auslösen und sich mittels seines Fallschirms retten.

white2

Traum vom Fliegen nur ein Traum

Preis wie bei einem High-end Luxusauto

Nun klingt der TF-X fast zu schön, um wahr zu sein. Und so ist es leider auch – denn er existiert noch nicht, und das wird sich so bald auch nicht ändern. Terrafugia zufolge dürfte die Entwicklungszeit des Senkrechtstarters etwa acht bis zwölf Jahre in Anspruch nehmen.

road

Wer diesen Zeitraum mal in der Retrospektive betrachtet, stellt schnell fest, dass Fortschritt und Entwicklung in vielen Bereichen Quantensprünge gemacht haben. Gut möglich also, dass TF-X in der vorgestellten Version im Jahr 2027 bereits völlig überholt sein könnte. Wer das weniger oder gar nicht pessimistisch sieht, sollte auf einen Preis vorbereitet sein, der südlich von dem für ein „High-end Luxusauto“ liegt – genauer äußert sich das Unternehmen (noch) nicht.

Bilder: Terrafugia

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Unterhaltung

Als Nächstes lesen

Read Full Story