Technikbasierte Bildung

Traumberuf Astronaut: Dieser ESA-Test zeigt, wer das Zeug dazu hat

Es ist eine der schwierigsten Aufnahmeprüfungen der Welt: Wer Astronaut werden will, muss eine umfangreiche Palette an physischen, kognitiven und mentalen Fähigkeiten mitbringen. Die Konstitution eines Leistungssportlers oder ein großes Ego gehören allerdings nicht dazu. Vielmehr müssen Raumfahrer ausgeglichene Persönlichkeiten mit viel Durchhaltevermögen sein, die in der Lage sind, jede Situation gelassen und überlegt zu meistern sowie komplexe Sachverhalte schnell zu verstehen.

Eine der wichtigsten Anforderungen ist dabei das räumliche Vorstellungsvermögen. Denn in der Schwerelosigkeit des Universums wird die Orientierung zur Herausforderung: Oben wird zu unten und rechts zu links, je nachdem, in welcher Position der Astronaut sich gerade befindet. Wer zum Beispiel nach einem Sprung ins Wasser für ein paar Sekunden nicht weiß, wo es zur Wasseroberfläche geht, erlebt ein ähnliches Gefühl. Zur dieser Herausforderung kommt im All noch eine weitere hinzu: die Dunkelheit. In einem Raum, der größtenteils schwarz ist, erhält das Gehirn des Astronauten nur wenige Anhaltspunkte, an denen es sich orientieren kann.

Die dritte Dimension

Beim Test ist räumliches Vorstellungsvermögen gefragt

Die Ausbilder an der European Space Agency (ESA) sind deshalb stetig bestrebt, die Auswahlverfahren und Trainingsmethoden für die angehenden Astronauten im Hinblick auf diese Faktoren zu verbessern. Aus diesem Grund hat die ESA in Zusammenarbeit mit der Swedish Defence Research Agency (FOI) und dem Nationalen Luft- und Raumfahrtlabor der Niederlande (NLR) einen Test entwickelt, mit dem die räumliche Wahrnehmung geprüft und trainiert werden kann. Eine Beta-Version dieses Astronaut Selection Tests wurde nun online gestellt, so dass jeder, der insgeheim schon immer Astronaut werden wollte, sein Talent zu Hause am Computer auf die Probe stellen kann.

alone

Die zu bewältigende Aufgabe besteht darin, ein weißes Objekt so weit zu bewegen und zu drehen, dass es exakt an ein zweites, grünes Objekt andockt. Damit wird das Ankoppeln von zwei Flugkörpern simuliert, die sich beim sogenannten Rendezvous – der Königsdisziplin der Raumfahrt – einander annähern. Zusätzliche Ansichten von oben, unten und der Seite helfen dem Test-Kandidaten, die Position beider Würfel zu erfassen. Während die ersten Level noch recht einfach sind, erschweren bei späteren Stufen komplexe Hindernisse die Aufgabe zunehmend. Eine weitere Herausforderung ist, dass die einzelnen Züge vorab in einer Taskleiste am rechten Spielrand programmiert werden müssen und die Bewegung erst zum Schluss in einem Zug ausgeführt werden kann. Ziel des Tests ist es, die Objekte in möglichst kurzer Zeit zusammenzubringen und dabei so wenige Schritte wie möglich zu verwenden.

Verbesserung der Trainingsmethoden

“Je mehr Menschen bei dem Test mitmachen, desto besser”

Der Test wurde von Luft- und Raumfahrtingenieuren in Zusammenarbeit mit Psychologen entwickelt. Rüdiger Seine, Leiter des Astronautentrainings am European Astronaut Center in Köln-Porz erklärt: „Wer das Spiel online spielt, hilft unserem Team dabei, den Test zu validieren und sicherzustellen, dass er funktioniert. Also je mehr Menschen mitmachen, desto besser.“ Wer sich erhofft, bei erfolgreicher Absolvierung einen Anruf der ESA zu erhalten, wird jedoch höchstwahrscheinlich enttäuscht. „Im Moment sind wir nicht auf der Suche nach Astronauten-Nachwuchs“, sagt Frank De Winne, ehemaliger Raumfahrer und Leiter des Astronautenzentrums. „Aber die Entwicklung solcher Auswahltests braucht Zeit und muss sorgfältig gemacht werden.“

ISS2

Wer in naher Zukunft nicht selbst ins All fliegen wird, kann dafür aber das Leben der Besatzungsmitglieder auf der Internationalen Raumstation ISS dank der sozialen Medien mitverfolgen. Der amerikanische Astronaut Scott Kelly sendet fast täglich Bilder und Kurznachrichten über Facebook, Twitter und Instagram, in denen er seinen beeindruckenden Blick auf die Erde mit den Menschen hier unten teilt. Am vergangenen Wochenende hat er in einem Live-Chat auf Reddit direkt aus dem All spannende und kuriose Fragen über seinen Alltag im Orbit beantwortet.

Bild 1: NLR – Netherlands Aerospace Centre
Gif 1: NLR – esa
Bild 2: Facebook – NASA Astronaut Scott Kelly

Gif 2: Giphy – Reddit

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