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Trend Minihäuser: Stilvoll wohnen auf kleinstem Raum

Was brauchen wir zum Leben? Eigentlich nur Sauerstoff, Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Dass für letzteres eigentlich schon wenige Quadratmeter ausreichen, zeigt der Trend der Tiny Houses, der seit einiger Zeit auch in Europa Einzug hält. Doch mal ehrlich: Bad, Küche, Wohn-, Ess- und Schlafzimmer auf nur 30 Quadratmetern – wie soll das gehen?

Mit cleveren modularen und platzsparenden Konzepten demonstrieren Architekturbüros und Unternehmen wie Heijmans oder Cubig, dass das Wohnen auf kleinstem Raum durchaus mit Stil und Komfort möglich ist. Es sind Wohnmodelle, die in Zeiten unaufhörlich steigender Mieten und immer mehr allein lebender Menschen nicht nur zu interessanten Alternativen werden, sondern sich für eine zukunftsfähige Wohnraumplanung geradezu aufdrängen – besonders in Großstädten.

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Auswirkungen der US-Immobilienkrise

Die Bewegung propagiert das Downsizing des Wohnraumes

Entstanden ist das sogenannte Small House Movement im Zuge der Immobilienkrise in den USA im Jahr 2008. Die Bewegung propagiert das Downsizing des Wohnraumes nicht nur zugunsten geringerer Kosten was Hausbau und Energieverbrauch angeht, sondern auch im Hinblick auf ein nachhaltigeres und umweltverträglicheres Wohnen. Auch die von den Anhängern angestrebte Lebensweise ist geprägt von Bescheidenheit, Selbstgenügsamkeit und sozialem Bewusstsein.

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In einer Gesellschaft des Überflusses findet auch die Philosophie der Beschränkung auf das Nötigste wieder einen Nährboden. Neben dem Willen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, stellen sich auch immer mehr Menschen die Frage, was sie tatsächlich zum Leben benötigen. „In einem kleinen Haus zu leben, hilft uns dabei, herauszufinden, was wir wirklich zum Glücklichsein brauchen und uns von allem Überflüssigen zu trennen“ so Jay Shafer, Mitbegründer der Small House Society.

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Knapper Wohnraum auch in deutschen Städten

Single-Haushalte verlangen nach neuen Lösungen

Auch in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern wird der Wohnraum in den Städten immer knapper und dadurch teurer. Daneben verlangen die zunehmende Mobilität sowie die steigende Anzahl an Single-Haushalten nach neuen Lösungen und Wohnmodellen. Deshalb finden auch bei uns Konzepte wie das der Tiny Houses immer größeren Anklang.

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Aufgrund ihrer Zielgruppe werden die Häuser hierzulande oft auch Singlehaus oder je nach Größe Minihaus, Mikrohaus oder Kleinhaus genannt. Ab wie vielen Quadratmetern ein Haus als “tiny” gilt, ist aber nicht offiziell definiert. In den USA haben Tiny Houses in der Regel jedoch nicht mehr als 50 Quadratmeter.

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Was die Aufteilung und Ausstattung betrifft, sind die Räume aus Platzgründen meist in zwei Stockwerken angeordnet. Oft reicht die obere Etage nicht über die gesamte Grundfläche, sondern ist als Galerie gestaltet, auf der sich Schlafraum und Arbeitsplatz befinden. So zum Beispiel beim Modell Heijmans ONE, welches das niederländische Bauunternehmen Heijmans in Kooperation mit dem Architekturbüro MoodBuilders entwickelt hat. Einbauschränke und Raumtrenner in Form von Regalen bieten Stauraum über die ganze Wandhöhe, auch der Platz unter der Treppe wird zum Beispiel als Abstellkammer genutzt. Die mobilen Häuser sollen es ermöglichen, brach liegende oder noch unbebaute Flächen in Städten wie Amsterdam kurzzeitig als Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Sobald die Grundstücke wieder bebaut werden, können die Wohneinheiten an einen anderen Ort umgezogen werden. Eine interessante Möglichkeit, freie Flächen in Metropolen besser zu nutzen.

Mobile und modulare Häuser

Bei uns werden sich mobile Modelle noch nicht etablieren

Auf absehbare Zeit werden sich solche mobilen Modelle in Deutschland – zumindest für Privatbesitzer – allerdings wohl eher nicht etablieren können. Obschon der Mobilitätsaspekt angesichts der geografischen Flexibilität unserer heutigen Gesellschaft eine immer größere Bedeutung gewinnt. Diese Möglichkeit könnte neben oben erwähnter auch weitere Zukunftsszenarien entwerfen: Wer sein Minihaus nicht mehr als Eigenheim benötigt, kann es kurzerhand auf dem Land als Feriendomizil aufstellen. Oder es wird im Garten zur neuen Gästeunterkunft oder zur Einliegerwohnung umfunktioniert. Auch wenn ein neuer Job in einer anderen Stadt lockt, kann das Haus einfach mit umgezogen werden – soweit die Theorie.

Hierzulande dürften sich als Hauptwohnsitz jedoch eher sogenannte Modulhäuser durchsetzen, da komplizierte Genehmigungsvorschriften sowie die Straßenverkehrsordnung die Nutzung von mobilen Häusern aktuell noch sehr erschweren. Modulhäuser hingegen ermöglichen auch an einem Ort größtmögliche Flexibilität: Weitere Räume können im Nachhinein angebaut oder aufgestockt werden, wenn aus dem Single- ein Familienhaushalt wird. Und ziehen die Kinder irgendwann wieder aus, werden die zusätzlichen Module wieder abgebaut oder für eine andere Verwendung umfunktioniert. Somit müssen sich Bauherren nicht mehr von vornherein auf Größe und Aufteilung der Räume festlegen.

Bilder: Heijmans One

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