Gesundheit

TRI-Analyzer macht jedes Smartphone zum tragbaren Medizinlabor

Mit einem kleinen Analysegerät fürs Smartphone wollen US-Forscher die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern verbessern.

Das Smartphone gehört zu den technischen Entwicklungen, die unsere Gegenwart am stärksten prägen. Vom Telefonieren über das Erstellen von Fotos und Videos bis zur Navigation: Was früher verschiedene sperrige Apparate bewerkstelligt haben, passt heute in ein einziges handliches Gerät. Die Evolution des Smartphones ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Immer neue Innovationen erweitern sein Einsatzspektrum um weitere Bereiche wie etwa die Medizin.

So haben Wissenschaftler der University of Illinois at Urbana-Champaign ein neues Gerät entwickelt, das in Kombination mit einem herkömmlichen Smartphone zu einem mobilen Medizinlabor wird. Der sogenannte Spectral-transmission-reflectance-intensity(TRI)-Analyzer nutzt dabei die rückseitige Kamera des Smartphones als hochauflösendes Spektrometer. Mit einem Preis von rund 470 Euro ermöglicht das Gerät, viele gängige Labortests wesentlich günstiger durchzuführen als mit der bisher benötigten teuren Ausstattung.

Mobiles Medizinlabor für Entwicklungsländer

Mithilfe des TRI-Analyzers könne jeder Test durchgeführt werden, bei dem eine Flüssigkeit zum Einsatz kommt, die ihre Farbe oder optischen Eigenschaften verändert, erklären die Entwickler. Dazu gehört unter anderem das immunologische Verfahren Enzymimmunoassay (ELISA), das zum Nachweis bestimmter Moleküle in Körperflüssigkeiten eingesetzt wird. Damit lässt sich eine große Bandbreite an Proteinen und Antikörpern im Blut nachweisen und mögliche Erkrankungen können so direkt vor Ort diagnostiziert werden.

Mobiles Medizinlabor: Der TRI-Analyzer kann Bluttests an jedem Ort durchführen.
Mobiles Medizinlabor: Der TRI-Analyzer kann Bluttests an jedem Ort durchführen.

„Unser TRI-Analyzer ist das Schweizer Taschenmesser der Biosensorik“, sagt Brian Cunningham, Professor für Biotechnologie und Informatik an der Universität von Illinois. In einer kürzlich publizierten Studie setzten Cunningham und sein Team ihr mobiles Medizinlabor beispielsweise dazu ein, einen Biomarker bei schwangeren Frauen zu identifizieren, der auf eine mögliche Frühgeburt hinweist. Die Testresultate wichen kaum von jenen ab, die mit herkömmlichen klinischen Spektrometern erreicht wurden.

Die rollende Arztpraxis AIM fährt autonom zu den Patienten.
Die rollende Arztpraxis AIM fährt autonom zu den Patienten. Bild: Aim – Artefact group

Den Forschern zufolge birgt die mobile Technologie vor allem ein großes Potenzial, die Gesundheitsversorgung in abgelegenen Regionen und in Entwicklungsländern zu verbessern. Mit dem TRI-Analyzer könnten Mediziner Menschen auch außerhalb von Krankenhäusern schnell und effizient behandeln. Aber auch in Industrieländern könnte er sich dank seiner unkomplizierten Anwendung und des vergleichbar niedrigen Preises als „Arzt für die Hosentasche“ entwickeln. Gemeinsam mit innovativen Konzepten wie der rollenden Klinik AIM könnten mobile Labor-Tools unser Gesundheitssystem nachhaltig verändern und künftig so manchen Arztbesuch ersparen.

 

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