Urlaub in der Virtuellen Realität: Die Neudefinition von Reisen und Freizeit

by Kristin Houser
Writer & Editor
, LA Music Blog

Virtual-Reality-Anwendungen können einen Vorgeschmack auf das echte Urlaubserlebnis geben – ohne den mit tatsächlichem Reisen verbundenen Aufwand.

Flugtickets, Unterkunft, Verpflegung und Eintrittspreise für Sehenswürdigkeiten – die Kosten für eine Urlaubsreise können sich schnell zu einem erheblichen Betrag summieren. Das zwingt viele Menschen dazu, einen weiteren Tag im Büro zu verbringen, anstatt sich an einem Strand oder im Freizeitpark zu amüsieren. Doch um die Welt zu entdecken, ist es heute gar nicht mehr nötig, die eigenen vier Wände zu verlassen. Denn die Virtuelle Realität (VR) ermöglicht es, beeindruckende und interaktive Reiseerfahrungen auf der heimischen Couch zu erleben.

Damit ebnet die Technik den Weg für eine neue Art des Tourismus. „Ein Urlaub in der virtuellen Welt ermöglicht es uns, für kurze Zeit aus unserem immer hektischeren Alltag zu flüchten und etwas auszuprobieren, was wir normalerweise gar nicht in Erwägung ziehen würden“, meint Susannah DiLallo, ‎Mitbegründerin von Rapid VR, einer auf 360-Grad-VR spezialisierten Produktionsfirma. „Bei richtiger Umsetzung ermöglicht diese Technik dem Betrachter authentische, einprägsame und sogar hoch emotionale Erfahrungen“, sagt sie.

VR-Brillen erleichtern die Entscheidung für ein Reiseziel

Alles, was für einen Kurzurlaub in der virtuellen Realität an Equipment benötigt wird, ist ein Head-Mounted Display. Damit öffnet sich die Tür zu faszinierenden visuellen und akustischen Eindrücken, wie sie beispielsweise Googles neue Reihe virtueller Reiseerlebnisse bietet: Das Projekt The Hidden Worlds of the National Parks besteht aus verschiedenen 360-Grad-Videotouren, die einen Vorgeschmack auf die spektakulären Nationalparks der USA verschaffen. Der Betrachter fliegt über aktive Vulkane auf Hawaii , fährt in einem Kajak an Eisbergen in Alaska vorbei oder schwimmt durch ein Schiffswrack vor der Küste Floridas.

„Durch den Einsatz von 360-Grad-VR in der Tourismusindustrie erhalten Betrachter realitätsnahe Impressionen bestimmter Orte oder Erlebnisse“, meint DiLallo. „Dem Verbraucher eine bessere Vorstellung davon zu vermitteln, was ihn am Ziel seiner Reise erwartet, beeinflusst wiederum den Prozess der Entscheidungsfindung.“ Die Möglichkeit, vor dem Buchen einer Reise eine „virtuelle Probefahrt“ an potenzielle Urlaubsorte anbieten zu können, dürfte daher besonders für Veranstalter und Reisebüros interessant sein.

Virtuelle Reisen auf andere Planeten

Auch über digitale Kurzurlaube hinaus schaffen virtuelle Reisen völlig neue Möglichkeiten. Während wir in Wirklichkeit beispielsweise noch weit davon entfernt sind, auf dem Saturn landen zu können, ist dies in der VR bereits möglich. 2011 rief Guerilla Science das Intergalactic Travel Bureau (ITB) ins Leben – eine Agentur, die auf virtuelle Reisen ins Weltall spezialisiert ist.

„Das Ziel des Projekts besteht darin, Wissenschaftler und Privatleute zusammenzubringen, um sich gemeinsam vorzustellen, wie der Besuch anderer Planeten aussehen könnte“, erläutert Olivia Koski von Guerilla Science. „Wir nutzen einen herkömmlichen Urlaub als Anlass, da sich jeder leicht in die Situation hineindenken kann.“ Inzwischen geht Guerilla Science bei seinem Konzept von Reisen ins Weltall sogar noch einen Schritt weiter und finanziert eine Virtual-Reality-App für Mobilgeräte durch Crowdfunding.

Künftige Generationen werden möglicherweise eines Tages Reisen zu verschiedenen Planeten im All buchen können. Bis dahin bietet die App von ITB jedoch eine durchaus beeindruckende – und sicherlich kostengünstigere – Alternative. „Die meisten von uns werden niemals eine Reise zum Mond oder sogar in die niedrige Erdumlaufbahn unternehmen, daher ist die virtuelle Realität für Menschen, die meiner Generation angehören oder noch älter sind, die einzige Möglichkeit, einen Urlaub im Weltall zu erleben“, erläutert Koski.

Zeitreisen in Paris

Ein weiterer Vorteil ist es, dass virtuelle Reisen nicht auf Erlebnisse in der Gegenwart beschränkt sind. So hat das französische Start-up Timescope beispielsweise den ersten virtuellen „Selbstbedienungskiosk“ geschaffen, der Nutzern Zeitreisen in die Vergangenheit ermöglicht. Dazu wurden VR-Teleskop-Stationen an verschiedenen belebten Plätzen in ganz Paris installiert.

Touristen in Paris können die Vergangenheit über eine VR-Station von Timescope betrachten.
Touristen in Paris können die Vergangenheit über eine VR-Station von Timescope betrachten. Bild: Timescope

Über die Benutzeroberfläche der VR-Teleskope kann der Besucher das Jahr wählen, in das er reisen möchte. Wenn er anschließend durch den Sucher schaut, sieht er eine präzise historische 3D-Rekonstruktion des Orts, an dem er gerade steht. Jede davon wurde auf Grundlage archivierter Vorlagen entwickelt und von Historikern freigegeben.

Der User genießt einen 360-Grad-Blick und fühlt sich, als sei er vollkommen in die Vergangenheit eingetaucht und könne das Ufer der Seine im Jahr 1628 oder die Bastille im Jahr 1416 sehen. Verstärkt wird das Erlebnis durch für die jeweilige Zeit typische Geräusche. „Mithilfe von Timescope können die Betrachter in die Vergangenheit reisen, beispielsweise in das Mittelalter, und selbst sehen, wie sehr sich die Dinge verändert haben“, erklärt der Mitgründer von Timescope, Adrian Sedaka. „Es ist eine virtuelle Zeitmaschine.“

Erst der Anfang von VR-erlebnissen

Ob sie eine Reise durch den Grand Canyon, zum Mond oder ins 17. Jahrhundert unternehmen – den heutigen Touristen stehen mehr Möglichkeiten offen als jemals zuvor, um ihrem Alltag zu entfliehen. Das volle Potenzial der Technik ist aber noch längst nicht ausgeschöpft. Daher lässt sich heute kaum vorhersagen, wohin die virtuelle Reise von morgen gehen wird.

„In fünf Jahren werden VR-Nutzer in der Lage sein, auf einem Sitz der ersten Klasse eines luxuriösen Flugzeugs Platz zu nehmen und alle Vorzüge dieses Flugs zu genießen oder auf Tahiti zu landen und einen Spaziergang am Strand zu unternehmen“, sagt Rajeev Puran, Business Development Manager bei Intel. „Sie werden die frische Meeresbrise spüren und dabei Menschen aus anderen Ländern treffen, die ebenfalls mit VR-Headsets unterwegs sind, und mit ihnen sprechen oder tanzen. Die Möglichkeiten werden nahezu grenzenlos sein.“ Mit der schnellen Weiterentwicklung der VR-Technik könnten neue, miteinander verschmolzene Realitätserfahrungen – einschließlich Intels Project Alloy – noch viel mehr verlockende virtuelle Reiseerlebnisse ermöglichen.

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