Technische Innovation

Verbrechen 4.0: Wenn Roboter und autonome Fahrzeuge kriminell werden

Hackerangriffe und künstliche Intelligenz könnten laut Experten dafür sorgen, dass Roboter und Fahrzeuge künftig die meisten aller Verbrechen begehen.

In den letzten Jahren hat Cyberkriminalität stark zugenommen und machte 2015 laut National Crime Agency (NCA) 53 Prozent aller Verbrechen in Großbritannien aus. Wachsender Beliebtheit erfreut sich dabei Ransomware, die Computer kapert und den Zugriff erst nach Entrichtung von meist beträchtlichen Geldbeträgen wieder freigibt – oder auch nicht. Doch es könnte noch schlimmer kommen, wenn Kriminelle neben PCs auch Roboter, Drohnen und Autos in ihre Gewalt bringen. „Ich gehe davon aus, dass bis spätestens 2040 Verbrechen häufiger von Maschinen als von Menschen begangen werden“, erklärt Tracey Follows, Mitarbeiterin der Beratungsfirma The Future Laboratory. Denn Hacker könnten die künftig immer häufiger in Arbeitswelt und Haushalten anzutreffenden Roboter für ihre Zwecke missbrauchen.

„Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu Fällen kommt, in denen Menschen hilflos zurückbleiben, weil sie ihr Auto nicht mehr benutzen können bis sie ein Lösegeld gezahlt haben“, sagt Intel-Security-Mitarbeiter Raj Samani, der auch die NCA und Europol berät. „Wir reden hier aber nicht von fahrerlosen Autos, sondern von modernen Standardfahrzeugen, die über einen Netzzugang verfügen.“ Ziehen erstere jedoch wie erwartet in den Alltag ein, könnten sie sich durch Manipulation des GPS-Signals stehlen oder zu Amokfahrten und anderen Verbrechen einsetzen lassen.

Vom Hackerwerkzeug zum selbstbestimmten Verbrechen

Von dieser Bedrohung sind noch weitere autonome Transportmittel betroffen: Lieferdrohnen, die Amazon künftig zum Versenden von Paketen einsetzen möchte, könnten gehackt und zum Warendiebstahl genutzt werden. Zudem könnten Kriminelle gleich mehrere der Luftfahrzeuge in ihre Gewalt bringen, sie zu einer fliegenden Kampfformation zusammenschließen und so für Verbrechen nutzen. Art Swift, Leiter der prpl Foundation, fürchtet Szenarien, in denen Hacker Drohnen auf befahrene Straßen stürzen lassen oder sie in startende Flugzeuge hineinlenken. Festzuhalten bleibt allerdings, dass es sich hierbei um Spekulationen handelt und sich prinzipiell jede neue Erfindung für schlechte Absichten zweckentfremden lässt.

Experten fürchten, dass Maschinen kriminell werden könnten.
Experten fürchten, dass Maschinen kriminell werden könnten. Bild: Flickr – Sean McMenemy (CC BY 2.0) Montage

Andere Überlegungen gehen davon aus, dass nicht Menschen die Technik lenken, sondern diese von sich aus straffällig wird. So haben Google-Forscher davor gewarnt, dass mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattete Roboter künftig ihre Besitzer angreifen und verletzten könnten, wenn diese ihnen bei ihrer Aufgabe im Weg stehen. Follows hält es sogar für möglich, dass Roboter sich durch KI und die Technik des maschinellen Lernens selbst kriminelles Verhalten beibringen.

Für Verbrechen fehlen Robotern die kognitiven Fähigkeiten.
Für Verbrechen fehlen Robotern die kognitiven Fähigkeiten. Bild: Flickr – Zach Copley (CC BY-SA 2.0)

Doch dafür werden den Maschinen trotz aller dystopisch anmutenden Gedankenspiele voraussichtlich noch lange die kognitiven Fähigkeiten fehlen. Ron Chrisley, Leiter des Zentrums für Kognitionsforschung der Universität Sussex, bleibt deshalb gelassen, wenn es um Ängste vor Verbrechen durch Roboter geht. Er betont, dass diese in naher Zukunft nicht in der Lage sein werden, eigene Ziele zu verfolgen. Statt Roboter zu Sündenböcken zu machen, sei es wichtig, weitere Forschung zu finanzieren und damit Verbesserungen zu ermöglichen. Nur so ließen sich die erheblichen Vorteile erschließen, die Roboter für Industrie und Gesellschaft bringen könnten.

Cover-Foto: Flickr – marycat879 (CC BY 2.0) – Montage

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