Technikbasierte Bildung

Vernetzte Weihnachten: Schneller die Lichtlein nie blinken

Den zuckersüßen Duft von Glühwein und Zimtplätzchen in der Nase, bunte Lichterketten an jeder Ecke und die Melodien kitschiger Evergreens in den Ohren – in der Weihnachtszeit drehen schon mal die Sinne durch. Besonders bei unseren amerikanischen Nachbarn in Übersee herrscht um die Festtage gerne mal Ausnahmezustand, was sensorische Eindrücke angeht. Eine, die seit sechs Jahren ein besonders dickes Fell beweisen muss, ist Rebecca-Ellen Woods, die mit Ehemann Ken in einem abgelegenen Holzhaus im Norden Alaskas lebt. Wer jetzt denkt, dass gerade dort der ganze Weihnachtstrubel meilenweit entfernt ist, hat falsch gedacht.

2010 kam Ken Woods auf die glorreiche Idee, die Lichterkette des Familienweihnachtsbaumes mit dem Internet zu verbinden und Menschen aus der ganzen Welt zu ermöglichen, die Beleuchtung mit einem Klick an- und auszuschalten. Als er auch noch eine Kamera installierte, die den Baum auf seiner Website in Echtzeit zeigte, schlug die Aktion ein wie eine Bombe. Nach einer Woche Disco-Feeling im Wohnzimmer – und das rund um die Uhr – meinte Rebecca-Ellen nur: „Nächstes Jahr kommen die Lichter nach draußen.“

Festtagsbeleuchtung im digitalen Zeitalter

Elf Lichterketten können über die Website bedient werden

Seither installiert der IT-Fachmann aus Fairbanks seine Webcam jeden Dezember an einem Baum vor dem Haus. Im Gegenzug ist die Weihnachtslichtershow mit jedem Jahr umfangreicher und komplexer geworden. Aktuell sind es elf verschiedene Lichterketten, vom Kranz an der Haustür bis zum Garagentor, die von Internetusern rund um die Welt bedient werden können. „Sie glauben nicht, wie viele Leute für Stunden vor dem Computer sitzen und unsere Hausbeleuchtung an- und ausknipsen“, wundert sich Woods.

Um die umfangreiche Lichtershow ans Laufen zu bringen, fertigte er eine Kiste mit 16 elektrischen Anschlüssen an, über die die verschiedenen Lichtschalter am Haus betätigt werden können. „Im Grunde ist die Box ein kleiner Computer“, erklärt er. „Jedes Mal, wenn jemand auf einen Link auf der Website klickt, wird ein spezifisches Signal an den Webserver gesendet. Dieser wiederum ist mit einer Mehrfachsteckdose gekoppelt, über welche die jeweiligen Buchsen an- und ausgeschaltet werden.“

Smart Home-Technik mit Humor

Bei jedem Klick wird das Kamerabild aktualisiert

Eine speziell für die Webkamera programmierte Software lädt bei jedem Klick das letzte Bild, sodass die Besucher der Seite in der Regel alle ein bis zwei Sekunden ein Update erhalten und sehen können, ob ihr Klick auch funktioniert hat. Seit diesem Jahr gibt es auch eine Anzeige der gerade aktiven Nutzer auf der Seite – die in der Tat erstaunliche Zahlen angibt. Und wer etwas zum Schmunzeln mag, liest sich die humorvollen FAQs durch, die so manch brennende Frage beantworten.

Q&A

So abgedreht die Idee auch sein mag: Einmal auf der Seite, können sich wohl die wenigsten zurückhalten, ein paar Lichter an dem von Deutschland über 7.000 Kilometer entfernten Haus an- oder auszuknipsen und sich das blinkende Spektakel stundenlang anzusehen. Zu unser aller Glück haben die Woods keine direkten Nachbarn, denn die hätten bestimmt längst die Stromleitung gekappt. So sind Ken und Rebecca-Ellen stattdessen mit der ganzen Welt verbunden – wenn auch nur über ihre Festtagsbeleuchtung.

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