Zugang für alle

Virtual Reality Instant Messaging: Die Abschaffung der Distanz

Seit der Erfindung der Videotelefonie hat sich an der Routine eines vis-à-vis-Anrufs wenig verändert. Noch immer sprechen die Nutzer miteinander, indem sie das Gegenüber auf dem Display sehen und über die Lautsprecher hören. Auch die mobilen Lösungen – etwa per Facetime, Google Hangouts oder Skype haben an diesem Grundsatz der zweidimensionalen Kommunikation wenig gerüttelt. Wie könnte also eine wirklich zeitgemäße Form der Videokonferenz aussehen? Vom sprechenden Hologramm à la Prinzessin Leia sind wir ja noch ein paar Jahre (oder Monate) entfernt…

Eine mögliche Antwort wird derzeit im Hauptquartier des kanadischen Technologieunternehmens Summit Tech formuliert. Gesucht wurden Wege und Möglichkeiten, die digitale Kommunikation persönlicher, näher und damit echter zu gestalten. Schon seit einiger Zeit tüfteln die Entwickler dort an einem innovativen Instant Messenger, der neue Maßstäbe in Sachen Realismus setzen soll – das Ergebnis wird aktuell auf dem diesjährigen Mobile World Congress demonstriert.

Videotelefonie mit Rundumblick

Räume und Personen lassen sich also nach Belieben in Echtzeit erkunden

Das System trägt den Arbeitstitel Summit VR IMS Stack und setzt in der Praxis auf zwei Zutaten: eine Virtual Reality-Brille (wie die Oculus Rift) sowie auf die brandneue Full-HD- und 360°-Kamera Giroptic-Cam, die noch in diesem Frühjahr auf den Markt kommen und die erste ihrer Art sein wird. Sofern beide Anrufer das System nutzen, wird eine Verbindung aufgebaut, die die Gesprächsteilnehmer jeweils in die visuelle und akustische Umwelt des Gegenübers versetzt. Räume und Personen lassen sich also nach Belieben in Echtzeit erkunden. Gleichzeitig wird der Ton über das angeschlossene Surround-Headset gemäß des jeweiligen Raumklangs wiedergegeben.

Ein erster Teaser für das Summit VR IMS Stack.
Ein erster Teaser für das Summit VR IMS Stack.

Summit Tech hat bei der Entwicklung besonders darauf geachtet, das System so mobil wie möglich zu gestalten und verspricht, dass Verbindungen über Voice over LTE (VoLTE) und Video over LTE (ViLTE) ruckelfrei über die Bühne gehen. Zudem soll es zum Start Apps für iOS, Android und Windows Mobile geben.

Aufbruchstimmung in der VR-Gemeinde

“Wir sind möglicherweise noch weit davon entfernt, dass jedermann eine Datenbrille besitzt.”

Das System steht kurz vor der Marktreife – durch die Abhängigkeit von der Hardware Dritter und derer Geschäftsentscheidungen, gibt es aber noch Verzögerungen. Es wird damit gerechnet, dass das Summit VR IMS Stack der Allgemeinheit zur Verfügung steht, sobald Oculus Rift für den Konsumentenmarkt freigegeben wurde.

Im Bereich der Virtual Reality herrscht derzeit Goldgräberstimmung. Alle großen Technologiekonzerne haben bereits oder werden in Kürze entsprechende Geräte und Programme veröffentlichen. Für das von Summit entwickelte System dürfte sich dabei ein Unternehmen ganz besonders interessieren: Facebook – seit fast genau einem Jahr Besitzer des Oculus-Herstellers – hat sich zu seinen weiteren Plänen diesbezüglich lange in Schweigen gehüllt und erst kürzlich den Vorhang ein wenig gelüftet.

Wie Facebooks Chief Product Officer Chris Cox in einem Bühneninterview mitteilte, arbeitet das soziale Netzwerk mit Hochdruck an der Entwicklung eigener VR-Apps, mit denen Nutzer ihre Inhalte erstellen und teilen können. Doch auch hier greift das Vorstellungsvermögen der Realität noch ein wenig voraus: Bis es so weit ist, wird es noch “eine Weile” dauern, sagte Cox. “Wir sind möglicherweise noch weit davon entfernt, dass jedermann eine Datenbrille besitzt.” Warten wir es ab…

Teaser-Foto: Flickr – Sergey Galyonkin (CC BY-SA 2.0) / Nan Palmero (CC BY 2.0)

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