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Doom: Wie der Spieleklassiker die DIY-Gaming-Bewegung inspiriert

Jason Johnson Freelance writer and editor

Der Ego-Shooter Doom inspiriert bis heute Programmierer und Digitalkünstler, das Spiel durch ungewöhnliche Erweiterungen abzuwandeln.

Die Spannung, mit der die Veröffentlichung von Doom in diesem Jahr erwartet wurde, ist Beweis genug, dass die beliebte 24 Jahre alte Videospielreihe eine tragende Säule der Popkultur ist. Sie ist viel mehr als ein weithin bekanntes Franchise-Produkt, in dem es darum geht, hässliche Dämonen zu vernichten. Das Spiel zeigt ein seltenes Phänomen: Es dient als Inspirationsquelle für die Do-it-yourself (DIY)-Gaming-Bewegung und fördert nach wie vor die grenzenlose Kreativität seiner Fans.

Seit id Software Doom im Jahr 1993 für den PC herausgebracht hat, faszinierte das Spiel zwei ganze Generationen von Modder-, Maker- und Künstler-Communitys. Laut Aussagen von David Kushner, dem Autor von „Masters of Doom: How Two Guys Created an Empire and Transformed Pop Culture“, gibt es endlos viele Gründe, warum die Fans den Klassiker lieben. Während seiner Recherchen für das Buch fand er heraus, warum das Spiel seiner Zeit weit voraus ist. „Ich war überrascht von all den Innovationen, für die Doom als Beispiel diente: schnelle, actionreiche First-Person-Shooter (FPS), Coop-Modus, Shareware, Mods, Deathmatches, Gewalt… die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen “, erklärt er.

Doom und die DIY-Gaming-Bewegung

Neben seinem Vermächtnis als FPS gilt Doom als Auslöser einer Revolution im Bereich der digitalen Kreativität. „Das Bemerkenswerteste ist, dass die Fans es immer noch spielen und Content dafür kreieren“, sagt Andrew Stine, der Mitgründer von Doomworld, einem beliebten Online-Treffpunkt, an dem Modder, Karten-Designer, Musiker und Coder seit 1998 Content und Infos austauschen. „Menschen lieben die Idee, eine Tradition fortzuführen, die zwei Jahrzehnte zurückreicht, was im Gaming-Bereich selten ist. Denn normalerweise richten Fans dieses Hobbys ihren Blick in Richtung des nächsten großen Trends“, meint er.

Doom inspiriert bis heute viele Spieleentwickler.
Doom inspiriert bis heute viele Spieleentwickler.

Die kreativen Schöpfungen der Fans haben oft schier unglaubliche Ansatzpunkte. Hier ist ein typisches Beispiel: In den Maker- und Coding-Communitys existiert eine besondere Herausforderung für Hacker, bei der es darum geht herauszufinden, wer Doom auf der schwächsten Hardware zum Laufen bringen kann. In den letzten Jahren wurde das Spiel auf allem Möglichen gespielt: Angefangen bei einem Canon-Drucker bis hin zu einem Intel-Edison-Modul – einem kleinen Mikrocontroller mit integrierter Wireless-Technik, der normalerweise in Wearable-Prototypen und Geräten für das Internet der Dinge zum Einsatz kommt.

Portierungsfähigkeit von Doom

Der Prozess, den Code eines Spiels so anzupassen, dass er auf einem anderen System als dem ursprünglich vorgesehenen läuft, wird als Portieren bezeichnet – und Doom wurde portiert wie noch kein anderes Spiel. „Der Grund dafür ist ganz einfach der, dass die Portierungsfähigkeit bereits bei der Entwicklung berücksichtigt wurde“, erklärte der Google-Software-Ingenieur und technische Autor Fabien Sanglard.

Kein anderes Game wurde so oft portiert. DIY Gaming Movement, Doom 4.3 id Software
Kein anderes Game wurde so oft portiert.

Dies hängt mit der eher unkonventionellen Entwicklung von Doom zusammen. Bevor John Carmack, der Erfinder des Spiels, mit der Programmierung begann, kaufte er eine NeXT-Workstation. Dabei handelt es sich um jenes vom Unglück verfolgte Computersystem, das Steve Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple baute. Vermutlich war es diese NeXT-Workstation, die das Schicksal von Doom besiegelte. „Diese Art der Programmierung war damals unüblich: Zu dieser Zeit wurden die meisten Spiele auf einem PC entwickelt“, sagte Sanglard.

Doom auf dem Taschenrechner

Im Unterschied zu zeitgleich herausgegebenen Spielen, die auf der PC-Plattform entwickelt wurden, ließ sich Doom auch auf anderen Systemen hervorragend spielen. Als id Software 1997 den Sourcecode freigab, waren DIY-Programmierer sofort Feuer und Flamme. Hacker hatten jegliche Freiheit, das Spiel auf beliebige Plattformen zu bringen, sogar derart unvorstellbare wie die Apple Watch.

Bemerkenswerterweise schafften es Mitglieder der Omnimaga-Texas-Instruments-Programmiergruppe sogar, Doom auf einem grafikfähigen Taschenrechner zu spielen. „Ich behaupte nicht, es sei einfach gewesen, aber massive Schwierigkeiten gab es auch keine“, sagte Xavier Andréani, der das Game 2012 von einem Taschenrechner mit Schwarz-Weiß-Display zu einem Modell mit Farbdisplay portierte. „Das Spiel läuft flüssig auf allen TI-Nspire-Taschenrechnern. Man muss den Prozessor nicht übertakten oder den Taschenrechner hacken, damit er schneller läuft.“ Der Wunsch, Doom auf beliebigen Plattformen zu spielen, erreichte seinen Höhepunkt, als ein von „Inception“ begeisterter YouTuber namens TheZombieKiller eine Möglichkeit fand, Doom innerhalb von Doom zu spielen.

Dooms Design-Vermächtnis

Der Spieleklassiker bewirkte nicht nur eine Renaissance des DIY-Hardware-Hacking-Trends, sondern verschaffte vielen angehenden Game-Designern auch eine Bühne, auf der sie mit ihren Leistungen glänzen konnten. „Mehr als jedes andere Spiel inspirierte Doom eine Generation von Entwicklern, sich dieser Branche anzuschließen“, sagte Kushner und bezieht sich dabei auf dessen innovatives Dateisystem, genannt WAD („Where’s All the Data“), das neben vielen anderen Faktoren von Bedeutung ist. Als John Carmack die Dateistruktur des Spiels festlegte, dachte er äußerst fortschrittlich. Dooms .wad beziehungsweise WAD gestattet es Spielern, den Content des Spiels ohne großen Aufwand zu modifizieren.

Der Content von Doom lässt sich ohne viel Aufwand modifizieren.
Der Content von Doom lässt sich ohne viel Aufwand modifizieren.

Carmack wollte, dass die Spieler in der Lage sein würden, eigene Level zu designen und diese mit selbst kreierten grafischen Elementen und Musik auszustatten. Zudem sollten sie ihre fertigen Kreationen über das Internet mit Fans teilen können, was sich Mitte der 90er-Jahre gerade zu einem eigenen Trend entwickelte. Und geteilt und gepostet wurde in der Tat.

Selbst heute noch ist die Anzahl der aus Doom-Zutaten erstellten Spiele konkurrenzlos groß. Niemand weiß genau, wie viele Doom-Mods existieren, aber seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass es etwa 50.000 spezifische, von Benutzern erstellte Content-Teile gibt. Nach Aussagen von Chris Hecker, einem Hauptprogrammierer von Will Wrights Spore, spielte das Game auch für Designer ohne künstlerisches Talent oder umfangreiche Programmierkenntnisse eine wichtige Rolle. Ihm zufolge konnten diese professionellen Designer dank Doom erstmals eine Demo ihrer Arbeit erstellen und bei einem Vorstellungsgespräch präsentieren.

vielfalt der doom-varianten

Heute decken die mit Doom erstellten Spiele die ganze Palette ab. Es gibt kurze, kitschige Titel wie Pirate Doom. Oder raffinierte, umfangreiche Produktionen wie Beautiful Doom, die dem Original-Doom ein deutlich attraktiveres Spielerlebnis verlieh. In Doomworld verlinkt Andrew Stine zu rund 18.000 individuell gestalteten Spielen. Jedes Jahr vergibt die Community Auszeichnungen für die besten WADs des Jahres – und es gibt mehr als genug lobende Erwähnungen.

Seine Struktur ist ausschlaggebend für den Erfolg des Spiels.
Seine Struktur ist ausschlaggebend für den Erfolg des Spiels.

Der „Espi Award for Lifetime Achievement“ honoriert hingegen das herausragende Doom-„Lebenswerk“ von Entwicklern, denn es ist gut möglich, dass jemand sein ganzes Leben mit der Erstellung von Doom-Content verbringen kann. „Meiner Meinung nach lässt sich der fortwährende Erfolg als kreative Ausdrucksform auf die Struktur des Spiels zurückführen“, sagte Stine. „Im Vergleich zu den meisten modernen Spielen ist es unglaublich simpel. Es hat kein Inventar, keinen Skill-Tree und keine forcierten Stealth-Segmente. Da die Schlüsselelemente so einfach sind, ermöglicht das Spiel sehr viel Experimentierfreudigkeit und Raum für Variationen.“

Bislang gibt es keinerlei Anzeichen, dass den Fans neue Ideen für die Erweiterung dieser Grundstrukturen ausgehen könnten. Daher wird Doom wohl auch die nächste Generation kreativer Köpfe inspirieren. Diese wird nicht mehr durch technische Faktoren eingeschränkt, sondern allein durch die Grenzen ihrer Vorstellungskraft.

Mehr Gaming-Inhalte von Intel sind unter Core Strong zu finden.

Bilder von id Software

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