Technikbasierte Bildung

Wize Mirror: Hightech-Spiegel scannt Bio-Daten und erkennt Krankheiten

Der morgendliche Aufenthalt im Badezimmer reicht bereits, um frühzeitig chronische Erkrankungen erkennen zu können – sofern der Wize Mirror dort hängt. In diesem Spiegel werden erstmals Technologien vereint, die die äußere Erscheinung, physiologischen Vorgänge unter der Haut und Bestandteile des Atems einer Person in einem Schritt analysieren. Elf europäische Forschungsinstitute arbeiten dafür im Semeoticons-Projekt zusammen.

Der Hightech-Spiegel verfügt über je eine Multispektral- und 3D-Kamera, mittels derer die Gesichtsfarbe, das Fettgewebe sowie die Herzfrequenz eines Menschen erfasst werden können. Die Funktion der Blutgefäße lässt sich dabei am Sauerstoffgehalt ablesen, der über die Reflexion von Lichtwellen im nicht sichtbaren Bereich gemessen wird. Anhand von Mimik und Pupillenstand schließt ein Progamm auf den emotionalen Zustand eines Betrachters, um eventuellen Stress und Angstzustände zu entdecken.

Herz-Kreislauf-Krankheiten und Typ-2-Diabetes erkennen

Algorithmus errechnet individuellen Wellness-Index

Der Atem wird mit mehreren Gas-Sensoren aus leitfähigen Polymeren untersucht, die verschiedene Substanzen anhand ihrer Molekülstruktur unterscheiden. Der Nutzer muss dafür lediglich in den Wize Sniffer pusten. Es kann dann beispielsweise der Kohlendioxidgehalt bestimmt werden, der ein Indikator für Stoffwechselprobleme ist, aber ebenso auch Rückschlüsse auf Umfang des Alkohol- und Nikotinkonsums gezogen werden.

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Aus allen gesammelten biometrischen Daten wird schließlich anhand eines speziellen Algorithmus ein individueller Wellness-Index errechnet, der auf dem Wize Mirror angezeigt wird und dem Betrachter zur Orientierung in Bezug auf seinen aktuellen Gesundheitszustand dient. Per Touchscreen lassen sich bei Bedarf auch detaillierte Ansichten und Informationen aufrufen. Konkrete Warnungen erscheinen jedoch sofort, wenn der Spiegel Symptome erkennt, die bei Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Typ-2-Diabetes auftreten.

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Mögliche Kostensenkungen im Gesundheitswesen 

Vorsorge durch Verhaltensänderung

Dank der Analysefähigkeit des Spiegels können medizinische Behandlungen früher beginnen und in einigen Fällen auch effektiver durchgeführt werden. Die Daten lassen sich hierfür beispielsweise in Echtzeit an einen Arzt übermitteln, der darauf basierend eine Ferndiagnose stellen kann. Die Forscher sehen zudem große Chancen, mit Hilfe des Wize Mirrors die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, wodurch sich die Qualität der Behandlung selbst verbessern ließe.

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Darüber hinaus leistet der Tech-Spiegel einen wichtigen Beitrag zur Vorsorge, indem er die Nutzer zu einem gesünderen Lebensstil anregt. Auf Grundlage seiner persönlichen Werte erhält der Nutzer hierzu jeden Tag individuelle Tipps, die mittel- und langfristig zu einer dauerhaften Verhaltensänderung führen sollen. In ihrem Forschungsprojekt studieren die Wissenschaftler daher auch, wie effektiv sich ungesunde Lebensweisen mit einer gezielten Ansprache ändern lassen.

Klinische Studien beginnen 2016

Vergleich mit EKG und Blutbild-Analyse

Anfang 2016 sollen die ersten klinischen Studien beginnen, in denen die Ergebnisse des Wize Mirrors mit denen von klassischen Untersuchungen wie Elektrokardiogramm und Blutbild-Analyse verglichen werden. Eine ärztliche Diagnose werden sie jedoch nicht ersetzen können, da bereits ein verändertes Licht im Badezimmer zu anderen Daten und infolgedessen zu anderen Schlüssen führen kann.

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Nach Vorstellung der Wissenschaftler soll der Analyse-Spiegel nach seiner Markteinführung nicht nur in den heimischen vier Wänden hängen. Auch Ernährungsberater und Apotheker könnten die Daten des Wize Mirror als Grundlage für eine eingehende Beratung nutzen. Die Zeichen des eigenen Körpers zu deuten, könnten Kinder und Jugendliche zudem auch schon in der Schule lernen. Und Fitnessstudios könnten ihren Kunden einen Extra-Service bieten, indem sie ihnen ermöglichen, ihre Werte unmittelbar vor und nach dem Training abgleichen zu können.

Bilder: Semeoticons

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